Wahnsinn, diese Fußball-Bundesliga - Zauberfußball, Traumtore und eine riesige Sensation: Ein Wirbelwind mit buntem Schuhwerk verzaubert die Liga, ein ehemaliger Zweitliga-Bankdrücker wandelt auf Gerd Müllers Spuren und ein Aufsteiger aus der Fußballprovinz düpiert den großen FC Bayern.

Gleich drei Hoffenheimer gehören zu unserer Top-Elf der Hinrunde. Vedad Ibisevic könnte es schaffen, die unglaubliche Marke von 40 Treffern in einer Saison zu erreichen. Bisher gelang dies einzig Bayern-Bomber Gerd Müller.

Auch wenn die Mannschaft um Erfolgstrainer Ralf Rangnick am vorletzten Spieltag mit der 1:2 Niederlage gegen den FC Bayern in letzter Minute einen kleinen Rückschlag hinnehmen musste: Die TSG hat die Möglichkeit nach dem 1. FC Kaiserslautern als zweiter Bundesligist das Kunststück vollbringen, als Aufsteiger Deutscher Meister zu werden.

Doch in der Hinrunde spielten sich nicht nur Hoffenheimer in unsere Herzen. Wer es in unsere Top-Elf geschafft hat, lesen Sie auf den kommenden Seiten.

Vedad Ibisevic

18 Tore in 17 Spielen: Vedad Ibisevic ist der Spieler der Hinrunde. Bayern Legende Gerd Müller traut dem Bosnier sogar zu, seinen 40-Tore-Rekord aus der Saison 1971/1972 zu brechen.

Von Alemannia Aachen war der Bosnier zur letzten Saison nach Hoffenheim gewechselt und schmorte oft auf der Bank. Kein Wunder: Mit Demba Ba und Chinedu Obasi bekam er gleich zu Beginn der Spielzeit zwei millionenschwere Klassestürmer vor die Nase gesetzt.

Zu Beginn dieser Saison profitierte Ibisevic davon, dass Obasi mit Nigeria bei den Olympischen Spielen weilte. "Wenn Chinedu da gewesen wäre, weiß ich nicht, ob Vedad diese Möglichkeit überhaupt bekommen hätte. Auch für uns ist die Entwicklung überraschend", sagte 1899-Coach Ralf Rangnick.

Wer eine derart überragende Hinrunde spielt, erweckt Begehrlichkeiten bei internationalen Topclubs: Wie englische Medien berichten, sollen der FC Arsenal und Tottenham Hotspurs Interesse an dem neuen Stürmer-Star haben. Ibisevic lässt dies allerdings kalt: "Die Anfragen anderer Klubs machen mich ein bisschen stolz. Aber ich bleibe nächste Saison definitiv in Hoffenheim."

Patrick Helmes

Patrick Helmes benötigte keine lange Anlaufzeit bei seinem neuen Arbeitgeber Bayer 04 Leverkusen. Bereits nach 21 Minuten der neuen Bundesligasaison netze der Neuzugang vom 1. FC Köln das erste Mal für die Werkself ein. Das Saisondebüt ging trotzdem mit 2:3 gegen Borussia Dortmund verloren. In der Folge drehte die Elf um den neuen Trainer Bruno Labbadia allerdings mächtig auf.

Patrick Helmes trug mit konstanten Leistungen, drei Assists und zwölf Treffern in den bisher 17 Spielen maßgeblich dazu bei. Am fünften Spieltag gelangen ihm gegen Hannover 96 sogar drei Tore. Grund genug für die Bayer-Verantwortlichen, den Vertrag mit dem 24-Jährigen vorzeitig um ein Jahr bis zum 30. Juni 2013 zu verlängern.

Auch für Jogi Löw könnte Helmes zu einer dauerhaften Option werden. Im Länderspiel gegen England gelang ihm der zwischenzeitliche 1:1-Ausgleich und bestätigte auch im Nationalteam seinen Torriecher.

Ivica Olic

Laufstark, kampfstark und torgefährlich: Ausländische Vereine stehen Schlange bei Ivica Olic. Juve, Valencia oder Liverpool - der Kroate kann sich vor Angeboten kaum retten. Kein Wunder: Im Sommer ist er ablösefrei zu haben.

Auch die Bayern bekunden Interesse. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hatte zuletzt deutlich um die Dienste von Olic gebuhlt und erklärt: "Wir sind überzeugt, dass Ivica wunderbar zu unseren beiden Stürmern Luca Toni und Miroslav Klose passt."

Doch die HSV-Fans können weiter darauf hoffen, auch über die Rückrunde hinaus mit dem Angreifer jubeln zu können. Olics Berater bestätigte, zwar dass neben dem FC Bayern auch zwei ausländische Klubs an dem Kroaten interessiert sind. Eine Entscheidung darüber, ob er überhaupt wechsele, sei allerdings noch nicht gefallen.

Franck Ribéry

Die große Bürde, als teuerster Einkauf der Bundesligageschichte an die Isar gewechselt zu sein, lässt Franck Ribéry offensichtlich völlig kalt. Der 25-Jährige spielt auch in seiner zweiten Bayern-Saison wieder auf konstant hohem Niveau. Und das, obwohl er aufgrund eines Syndesmoserisses, den er sich bei der Europameisterschaft im letzten Gruppenspiel der Franzosen gegen Italien zuzog, gar keine komplette Saisonvorbereitung absolvieren konnte und zum Bundesligaauftakt fehlte.

Vielleicht ist das Fehlen Ribérys in den ersten Spielen auch ein Grund für Bayerns holprigen Bundesligastart und die derbe 2:5-Heimklatsche gegen den SV Werder. Mit der Rückkehr Ribérys kehrte auch der Bayernerfolg zurück. Sein starker Antritt, seine Dribbelstärke und seine Ballsicherheit machten das Bayernspiel dynamischer und abwechslungsreicher. Der Wirbelwind trug mal schwarze, mal rosa, mal giftgrüne Schuhe - stoppen konnten ihn seine Gegner nur selten. Mit ihm in der Startelf blieben die Bayern in der Hinrunde ungeschlagen.

In neun Bundesligaspielen gelangen ihm sechs Tore und vier Vorbereitungen. In der Champions League hat er mit einem Treffer und fünf Torvorbereitungen in fünf Spielen, maßgeblichen Anteil an Bayerns souveränem Vorstoß ins Achtelfinale.

Heiko Westermann

Als Innenverteidiger wechselte Heiko Westermann zur Saison 2007/2008 von Arminia Bielefeld zum FC Schalke 04, doch in seiner neuen Heimat kam er nicht an Mladen Krstajic und Marcello Bordon vorbei und musste häufig als Außenverteidiger aushelfen.

Trainer Fred Rutten schob den Defensivmann mit Beginn dieser Hinrunde nach vorne, setzte ihn im Mittelfeld ein und wurde belohnt: Westermann trumpft stark auf und strahlt ungewöhnliche Torgefahr aus. Nach der Hinrunde hat er bereits vier Tore auf seinem Konto - doppelt so viele wie in der kompletten Vorsaison.

In der Nationalelf läuft Westermann weiterhin in der Innenverteidigung auf und stellt dort neben dem gesetzten Per Mertesacker eine Alternative für den formschwachen Christoph Metzelder dar.

Marko Marin

Der Lichtblick im Gladbacher Abstiegsstrudel heißt Marko Marin. Der 19-Jährige, der den EM-Zug nur knapp verpasste, hat sich mit starken Leistungen in einer schwächelnden Gladbach-Elf wieder in den Nationalmannschaftskreis gespielt.

Der offensive Mittelfeldspieler war zuletzt bei der 1:2-Niederlage gegen England nach seiner Einwechslung einer der wenigen Lichtblicke in diesem Spiel. Insgesamt stehen für den 19-Jährigen bereits vier Länderspiele zu Buche.

Für die Borussia absolvierte er alle Partien in der Hinrunde. Dabei schoss er zwei Tore und und bereitete fünf Treffer vor. Die beiden Tore erzielte er bei seiner Gala-Vorstellung gegen Arminia Bielefeld. Ob die Gladbacher noch lange Freude an ihm haben werden, ist ungewiss: Der FC Bayern hat angeblich bereits Interesse bekundet.

Marvin Compper

Marvin Compper steht sinnbildlich für den Überraschungserfolg der TSG Hoffenheim in der Hinrunde.

Trainer Ralf Rangnick holte ihn in der Winterpause der Saison 2007/2008 von Borussia Mönchengladbach. Unter seinem damaligen Trainer Jupp Heynckes musste er meist auf der Ersatzbank Platz nehmen. Bei Rangnick wurde er auf Anhieb Stammspieler.

Aufgrund seiner starken Leistungen in der Hoffenheimer Innenverteidigung, berief ihn Jogi Löw sogar in die Nationalmannschaft. Dort bestritt er als Außenverteidiger sein erstes Länderspiel - und das im Klassiker Deutschland gegen England.

Pedro Geromel

2,5 Millionen ließen sich die Kölner die Dienste von Pedro Geromel kosten. Der Brasilianer wechselte vor Saisonbeginn von dem portugiesischen Erstligisten Vitoria Guimaraes in die Domstadt und verdrängte sogar FC-Kapitän McKenna in der Innenverteidigung.

Der kopfball- und zweikampfstarke Verteidiger pflegt ein technisch sauberes Aufbauspiel und bildet zusammen mit Youssef Mohamad eine starke Kölner Innenverteidigung: Bisher kassierten die Kölner 25 Gegentore - nur eins mehr als die Bayern.

Die Investition in Geromel könnte sich für den FC gleich doppelt lohnen. Gerüchten zufolge könnten die Kölner ihren verlorenen Sohn Lukas Podolski zurück an den Rhein holen, wenn sie den Bayern eine Ablösesumme von zehn Millionen Euro zahlen und ihnen Vorkaufsrecht für Geromel einräumen.

Philipp Lahm

Für Philipp Lahm geht ein Jahr mit Höhen und Tiefen zu Ende: Nach dem EM-Halbfinale, als er den Siegtreffer gegen die Türkei erzielte, hob er nicht ab.

Als er im Finale den entscheidenden Zweikampf mit Siegtorschütze Fernando Torres verlor, fiel er nicht in eine Krise. Aus dem einstigen Talent ist ein Führungsspieler geworden.

Als es beim FC Bayern zu Beginn der Vorrunde alles andere als gut lief, rief er dennoch konstant gute Leistungen ab und stellte sich geduldig den Fragen der Journalisten - ein echter Profi. Und seine Leistungen finden auch international Anerkennung: Die UEFA nominierte ihn für das Team des Jahres.

Andreas Beck

Geschätzte drei Millionen Euro überwies 1899 Hoffenheim zu Beginn der Saison an den VFB Stuttgart für Andreas Beck. Das 21-jährige Talent, das die Deutsche Meisterschaft mit dem VFB bereits dreimal im Juniorenbereich und einmal bei den Profis feierte, sah in Hoffenheim die größere Chance, Spielpraxis zu sammeln.

Seine Überlegung ging auf: In Hoffenheim wurde er Stammspieler in der Außenverteidigung und musste nur bei einem der 17 Vorrundenspiele wegen einer Gelbsperre passen. Den Sprung in die U-21 Nationalmannschaft hat er schon längst geschafft.

Viele Experten, darunter Hoffenheim-Trainer Ralf Rangnick, sagen dem Talent voraus, dass er auch bald den Sprung in die deutsche Nationalmannschaft schafft.

René Adler

Der Torwart der Hinrunde heißt René Adler. Mit Klasseparaden und konstanten Leistungen war er Rückhalt und damit Erfolgsgarant für die starke Leverkusener Hinrunde.

Torwart-Titan Oliver Kahn adelte Adler sogar, indem er ihn als seinen Nachfolger empfahl: "Er ist der Kompletteste von den Kandidaten, kommt dem Ideal der Nummer eins schon sehr nahe". Weil Robert Enke verletzungsbedingt ausfiel, debütierte er dann tatsächlich im Nationaltor - dazu auch noch im wichtigen WM-Qualifikationsspiel gegen Russland. Er gewann damit den Zweikampf mit Tim Wiese, der ebenfalls starke Leistungen in der Vorrunde zeigte. Auch sein Patzer im Länderspiel gegen England brachte den 23-Jährigen nicht ins Wanken. Er antwortete darauf in der Bundesliga mit Souveränität.

Ob Adler auch nach der Genesung von Robert Enke im deutschen Tor sein wird, muss abgewartet werden. Das Potential, auch dauerhaft die Nummer eins im Tor der deutschen Nationalelf zu werden, hat der junge Keeper auf jeden Fall.

Ralf Rangnick

Heißester Anwärter auf den Titel "Trainer des Jahres" ist Ralf Rangnick. 2008 gelang ihm mit dem ehemaligen Dorfverein TSG 1899 Hoffenheim nicht nur der Bundesligaaufstieg, sondern auch die Herbstmeisterschaft in Deutschlands Eliteklasse.

Am 22. Juni 2006 übernahm der Taktik-Fuchs das Traineramt beim damaligen Regionalligisten Hoffenheim auf. Nicht wenige Fußballexperten belächelten den ehemaligen VFB-Coach damals.

Rangnick wusste, was er tat: Mit den Millionen des SAP-Mitbegründers Dietmar Hopp im Rücken formte er ein Spitzenteam, das den direkten Durchmarsch von der Regionalliga bis an die Spitze der Bundesliga schaffte. Mit Neuzugang und Ex-Nationaltorwart Timo Hildebrand kann Rangnick nun dem 1. FC Kaiserslautern nacheifern, der 1997/98 als Aufsteiger Meister wurde.