Timo Werner gehört aktuell zu den talentiertesten deutschen Offensivspielern. Aber der 23-Jährige ist keineswegs unumstritten. Im DFB-Pokalfinale mit seinem Club RB Leipzig gegen Bayern München könnte bereits die nächste Kontroverse warten.

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Timo Werners Situation erinnert an jene von Lothar Matthäus 1984. Der damalige Spielmacher von Borussia Mönchengladbach spielte im Pokalfinale gegen Bayern München. Eben den Verein, zu dem Matthäus im Anschluss wechseln sollte. Im Elfmeterschießen vergab er seinen Versuch. Die Bayern gewannen.

Bei Werner gibt es einige Anzeichen, dass auch er in den nächsten Wochen zum Finalgegner aus München wechseln könnte. Auch wenn Leipzig-Trainer Ralf Rangnick in diesen Tagen seine Zweifel an einem Wechsel Werners zu den Bayern geäußert hat. Unruhe ist in jedem Fall da.

Sollte er also während des Spiels am Samstagabend in Berlin (Anstoß 20 Uhr, LIVE in der ARD und bei uns im Ticker) die eine oder andere hundertprozentige Torchance liegen lassen oder ganz und gar abtauchen, wird das bei manchem Fan Zweifel an seinem Charakter auslösen. Es wäre nicht das erste Mal.

Aus der Stuttgarter Talentschmiede

Zweifel an seinem Talent hingegen gibt es keine. Timo Werner ist gebürtiger Stuttgarter und wechselte in der F-Jugend zum VfB, wo er im Anschluss die gesamte Jugendabteilung durchlief. Er übersprang sogar Jahrgänge und debütierte im Alter von 17 in der ersten Mannschaft.

Obwohl Werner zuvor bester Torschütze in der A-Jugend-Bundesliga Süd/Südwest war, sahen seine Trainer beim VfB nicht zwangsläufig einen Mittelstürmer in ihm. Werner kam regelmäßig auf der linken Offensivseite zum Einsatz. Dort konnte er seine Schnelligkeit nutzen und büßte auch von seiner Torgefährlichkeit wenig ein.

Aber obwohl ihm eine große Zukunft vorausgesagt wurde, blieb seine Zeit in der ersten Mannschaft seines Jugendvereins nicht ohne Kontroverse. In Erinnerung bleibt vor allem der Zwist mit Trainer Alexander Zorniger.

Beim Derby gegen 1899 Hoffenheim im Oktober 2015 hatte Werner zwar nach seiner Einwechslung den 2:2-Ausgleich erzielt, aber im Anschluss den Siegtreffer verpasst. Zorniger kritisierte daraufhin seinen Spieler, da dieser nach dem Tor ausgiebig jubelte.

"Er war noch so mit Küsschen verteilen nach dem 2:2 beschäftigt, dass der Fokus noch nicht darauf lag, ihn reinzumachen. So ist das bei jungen Spielern", sagte der Zorniger. "Wenn er den macht, ist er ein Großer. So ist er nur ein Toptalent."

Der Buhmann der ungeliebten Leipziger

Dieser Satz seines damaligen Trainers fasst Werners Zeit beim VfB Stuttgart gut zusammen. Er kam nie über den Status des Hochtalentierten hinaus. Sehr zur Freude von RB Leipzig, das Werner im Sommer 2016 verpflichtete.

Werner schlug in der ersten Bundesliga-Saison der Sachsen sportlich sofort ein, geriet allerdings auch in die Negativschlagzeilen. Bei einem Spiel gegen Schalke 04 im Dezember 2016 beging Werner eine offensichtliche Schwalbe, die zu einem Elfmeter für die Leipziger führte. Und obwohl er sein Vergehen im Nachhinein zugab, waren ihm die Pfiffe in vielen Bundesligastadien nun sicher.

Nach außen hin schien Werner die Abneigung gegen seine Person gut wegzustecken. Später gab er zu, dass er die Hilfe des Teampsychologen in Anspruch nahm. "Er hat mir gesagt, dass ich alle Menschen, die mich nicht mögen, mit einer einzigen Aktion zum Schweigen bringen kann: mit einem Tor nämlich", sagte er letztes Jahr in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus".

Es dauerte eine Weile, bis er sich in der Öffentlichkeit rehabilitierte. Seine guten Auftritte in einer ansonsten schwachen deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2018 halfen dabei gewiss.

Aufgrund seiner sportlichen Leistungen kam Werner zwangsläufig in den Fokus vieler europäischer Spitzenclubs, darunter auch Bayern München. Noch vor nicht allzu langer Zeit deutete vieles darauf hin, dass der 23-Jährige ab der kommenden Saison das Trikot des deutschen Rekordmeisters tragen würde.

Werners Vertrag bei RB Leipzig läuft 2020 aus. Nun könnten die Sachsen noch ein letztes Mal eine hohe Ablösesumme einstreichen. Doch die Leipziger haben eventuell ihre Meinung geändert. Cheftrainer Rangnick, der zugleich als Sportdirektor fungiert, könnte sich nun einen Verbleib und einen ablösefreien Abgang Werners im kommenden Jahr vorstellen.

Laut dem 60-Jährigen hat ohnehin noch kein Verein wegen einer Verpflichtung angefragt. "Wenn sich die Bayern bei Timo absolut sicher wären, hätten sie sich schon offiziell bei uns mit einer Anfrage gemeldet. Alles andere wäre untypisch für die Bayern, zumal wir einen guten Draht zu ihnen haben", sagte er der "Sport Bild".

Passt Werner zum FC Bayern?

Gesetzt den Fall, Werner würde doch zum deutschen Rekordmeister wechseln, würde ihm dort ein harter Konkurrenzkampf drohen. Für die Flügelpositionen käme er wohl kaum infrage, weil dort vor allem dribbelstarke Spieler wie Kingsley Coman und Serge Gnabry eingesetzt werden.

Im Sturm wiederum würde er auf Robert Lewandowski treffen. Der Pole hat sich erneut zum Torschützenkönig der Bundesliga gekrönt, ist nahezu nie verletzt und scheint momentan keine Wechselgedanken mehr zu hegen.

Auch grundsätzlich bleibt es fraglich, inwieweit Werner mit seinem Spielstil überhaupt zu den Bayern passen könnte. Werner ist vor allem ein Tempostürmer, der an der Abseitsgrenze auf das tiefe Zuspiel wartet. Für seine Sprints braucht er Platz zwischen Abseitslinie und Torraum. Diesen Platz haben die Bayern aber zumeist nicht, weil sich die Gegner weit an den eigenen Strafraum zurückziehen.

Auch in der deutschen Nationalmannschaft blühte Werner erst gänzlich auf, seit Joachim Löw auf eine konterorientiertere Strategie setzt, die jener von RB Leipzig nicht unähnlich ist.

Jetzt steht aber ohnehin erst einmal das DFB-Pokalfinale an. Timo Werner hat mit Leipzig die Chance auf den ersten großen Titel. Sollte es gelingen, würde das die Situation vielleicht noch einmal ändern. Ganz ohne Kontroverse.

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