Vor wenigen Tagen hat ein anonymer Bundesligaspieler ein aufsehenerregendes Interview über seine Homosexualität gegeben. Darin wird deutlich, dass man im Profigeschäft noch weit davon entfernt ist, Schwul-Sein bei Fußballern zu akzeptieren.

Doch auch im Amateursport ist Homosexualität ein Thema. Wir sprechen mit Andreas Kretschmann. Er ist Vorsitzender von "Team München", dem größten schwul-lesbischen Sportverein Bayerns.

Frage: Das Interview mit einem schwulen Fußballer hat in den letzten Tagen sehr viel Aufmerksamkeit bekommen. Der Spieler will jedoch anonym bleiben. Wann, glauben Sie, wird es soweit sein, dass Bundesligaspieler auch mit Namen an die Öffentlichkeit gehen können?

Das wird noch relativ lange dauern. In den nächsten zwei bis drei Jahren wird das nicht passieren, dafür ist das Fußballgeschäft zu emotionsgeladen. Ich denke, die Problematik geht dabei nicht von den Mannschafskameraden aus. In dem Interview sagt er ja auch, dass es die meisten ohnehin wissen. Die Fans wären schon eher ein Problem, wobei ich glaube, dass das in ein bis zwei Monaten wahrscheinlich auch gegessen wäre. Es hängt vor allem an den Medien und die Art der Berichterstattung. Wenn die sich so darauf stürzen, dann ist das natürlich problematisch.

Frage: Was hat "Team München", was andere Vereine nicht haben?

Oh, das ist eine schwierige Frage. Ich glaube wir sind nicht anders als andere Vereine. Bei uns steht auch nur der Sport im Vordergrund. Allerdings gehen wir als schwul-lesbischer Verein die Sportarten einfach anders an. Bei uns wird man nicht schief angeguckt wenn man sich beim Fußball offen als schwul outet. In einer anderen Mannschaft hat derjenige es wahrscheinlich nicht so leicht und so ist das eigentlich in allen Sportarten – außer beim Aerobic vielleicht. Es ist natürlich schon einfacher als schwule Gruppe aufzutreten, als als Einzelner. Ansonsten sind wir nicht anders als andere Sportvereine.

Frage: Ihr steht für Toleranz und Gleichberechtigung ein. Wäre es dafür nicht sinnvoller sich in „normalen“ Amateurvereinen zu engagieren, anstatt sich als schwul-lesbischer Sportverein doch auf eine Art und Weise abzugrenzen?

Ja, könnte sein. Leider ist das aber schwierig, da man dort doch als Einzelner auftritt und nicht zu fünft oder zu sechst. Ich denke, dass wir als separater Verein relativ viel erreichen können, dadurch dass wir auch in gewissen Sportarten – Badminton, Volleyball und Fußball – in der Hetero-Liga spielen. Den anderen Mannschaften ist das natürlich schon bewusst, da kommt jetzt Team München und das ist ein schwuler-lesbischer Sportverein. Gerade bei den Fußballern merkt man, es gibt noch ganz schön viele Vorurteile. Wenn man da als Mannschaft auftritt und in der Hetero-Liga mitspielt, bewirkt das auch schon einiges.

Frage: Startet euer Verein auch Aktionen, um die Toleranz für Homosexualität im Sport zu steigern?

Unsere Fußball-Abteilung ("Die Streetboys", A.d.Red.) ist da ganz stark engagiert. Es gibt beispielsweise auch „querpass“, das ist eine schwule Fangemeinde, die immer Aktionen plant. Ich weiß sie leider auch nicht alle auswendig, aber wir sind schon bei vielen sportlichen Events dabei. Wir waren z.B. auch angefragt für „München 2018“. Die Stadt kennt uns als Verein und wir werden bei solchen Aktionen immer mit ins Boot geholt. Genau wie jeder andere Verein auch.

Frage: Ihr nehmt in mehreren Sportarten m Ligabetrieb teil. Gibt es dabei manchmal Probleme oder läuft das immer harmonisch ab?

Bei Badminton und Volleyball ist es nicht so krass. Ich kann nur vom Fußball her sprechen, denn da schaue ich auch des Öfteren zu. Und da kann es schon zu Schwierigkeiten kommen. Unser Verein ist fußballtechnisch im Osten von München angesiedelt und spielt daher schon oft gegen türkische oder griechische Mannschaften. Für diese Mannschaften ist das teilweise schon kritisch. Das Gute ist, dass die Schiedsrichter sensibilisiert sind. Da gibt es dann schon mal eine Gelbe Karte für doofe Bemerkungen. Es fällt aber auf, dass immer mal wieder doofe Sprüche kommen, die wahrscheinlich nicht kommen würden, wenn zwei Hetero-Mannschafen gegeneinander spielen würden. Und wenn diese Mannschaften dann gegen uns verlieren, tut ihnen das natürlich besonders weh. Das merkt man auch als Zuschauer. Aber ich würd schon sagen, dass es besser geworden ist.

Frage: Wie lange spielt ihr schon im Ligabetrieb mit?

Bestimmt schon fünf Jahre. Inzwischen kennt man sich auch untereinander.

Frage: Würdet bzw. könntet ihr einem homosexuellen Profi-Fußballer Hilfe anbieten?

Es kommt drauf dann, was von uns erwartet wird. Wir können ihm natürlich bei seinem Coming-Out helfen, aber das ist eigentliche eine Sache, mit der jeder selbst klarkommen muss. Es ist schwierig. Man kann schon Hilfestellung geben, aber ich wüsste jetzt nicht, in welcher Art wir als Verein behilflich sein könnten. Wir können natürlich sagen: Du kannst jetzt bei uns Sport machen, wenn die anderen dich nicht wollen.