Sepp Blatter geht. Dieser Satz gleicht vielen Fußball-Fans weltweit einer Erlösung. Nur vier Tage nach seiner Wiederwahl und eine Woche nach Enthüllung des jüngsten Skandals um die Fifa tritt der Präsident zurück. Doch wie geht es jetzt mit dem Fußball-Weltverband weiter? Prominente Kandidaten stehen bereit - sagt ein Insider. Doch wieso ist Blatter überhaupt jetzt zurückgetreten? Fünf Fragen und fünf Antworten zum Fußball-Beben in Zürich.

Nur wenige Tage nach seiner Wiederwahl zum Fifa-Präsidenten ließ er die Bombe platzen: Sepp Blatter stellt sein Amt zur Verfügung. So kommentiert die nationale und internationale Presse den überraschenden Rücktritt des Schweizers.

Auch im Moment der offenkundigen Niederlage inszeniert Sepp Blatter seinen Abgang wie den eines bescheidenden Chefs, der mit seiner Demission den Weg für einen Wandel frei machen möchte. Ja, er habe das Mandat der Delegierten für eine erneute Präsidentschaft erhalten, sagte Blatter. Aber am Rückhalt in der restlichen Fußball-Welt, da mangelt es. Deshalb die Entscheidung zum Rückzug.

Doch Glauben schenken möchte Blatter längst niemand mehr. Viele gehen davon aus, dass es für Blatter nach der Festnahme von sieben hochrangigen Fifa-Funktionären selbst immer enger wird. Wird jetzt radikal aufgeräumt in der Fifa? Und wer steht als Nachfolger bereit? Fünf Fragen, fünf Antworten.

Eine Nachricht erschüttert am Donnerstagabend die Sportwelt: Sepp Blatter tritt nur eine knappe Woche nach seiner Wiederwahl als Präsident des Weltfußballverbandes Fifa zurück. Die Reaktionen von Beobachtern und Profisportlern lassen nicht lange auf sich warten.

  • Warum ist Sepp Blatter zurückgetreten?

Der Druck auf den Fifa-Boss wurde zu groß. Er will offenbar seine eigene Haut retten. Wie die "Welt" berichtet, soll der 79-Jährige den Entschluss zum Rücktritt nach Gesprächen in einer Führungsrunde gefasst haben. Das Motiv für die überraschende Entscheidung ist weiter unklar. Amerikanische Medien berichten, dass Ermittlungen des FBI und der US-Staatsanwaltschaft gegen den Fifa-Präsidenten dahinterstecken. Demnach packen die inhaftierten Funktionäre gegen ihren einstigen Chef aus, "sie wollen sich retten", heißt es in den Berichten. Gegenüber der "New York Times" bestätigten Strafvollzugsbehörden, dass Blatter im Fokus der Ermittlungen steht. Wie die renommierte amerikanische Tageszeitung weiter berichtet, soll Generalsekretär Jerome Valcke an einer dubiosen Überweisung von 10 Millionen Dollar an den nord- und mittelamerikanischen Verband beteiligt gewesen sein. Der 54 Jahre alte Luxemburger galt bisher als zweiter Mann hinter Blatter und dessen "Intimus".

  • Was sind die Reaktionen auf den Rücktritt?

Die Welt atmet auf. IOC-Präsident Thomas Bach wählte einen diplomatischen, vorsichtigen Ansatz: "Wir haben großen Respekt vor der Entscheidung von Präsident Blatter zurückzutreten und die notwendigen Reformen einzuleiten", sagte er. Liga-Präsident Reinhard Rauball von Borussia Dortmund wurde deutlicher: "Dies ist ein guter Tag für den Weltfußball." Das deutsche Fußball-Idol Franz Beckenbauer, der als enger Freund Blatters gilt, vermied - wieder einmal - eine klare Distanzierung vom Schweizer. "Der Druck wurde zu groß. Er wäre nie mehr zur Ruhe gekommen, ob er Schuld an den Skandalen trägt oder nicht", meinte der "Kaiser". Auch die Politik meldete sich zu Wort. "Ich habe gesagt, es ist ein Neuanfang notwendig, wenn der Fußball und die Fußballbegeisterung überleben sollen. Und ich bin froh, dass der Rücktritt von Herrn Blatter diesen Neuanfang jetzt möglich macht", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Großsponsoren der Fifa wie Visa, Coca Cola und der deutsche Sportartikelhersteller adidas rückten von Blatter ab. Sie dürften offenbar einen Imageschaden für ihre Marken befürchten.

  • Wie geht es jetzt mit der Fifa weiter?

Der Italo-Schweizer Domenico Scala wird die Amtsgeschäfte vorübergehend übernehmen. Pikant: Bis ein Nachfolger gefunden ist, bleibt Blatter erstmal formell im Amt. Völlig weg ist er also nicht. Noch nicht. Neuwahlen wird es Berichten der "Bild" zufolge frühestens im Dezember 2015, spätestens im März 2016 geben. Eins aber ist klar: Geht Blatter, müssen auch andere gehen. Der bisherige Boss hatte sich ein loyales Umfeld aufgebaut, in dem niemand sich gegenseitig und vor allem nicht dem Präsidenten weh tun wollte. Weitere Details in der Korruptionsaffäre sind zu erwarten. Und damit weitere Namen von Fifa-Funktionären, die wohl schon längst im Fokus der Ermittlungen stehen.

  • Was wird aus den Weltmeisterschaften in Russland und Katar?

Schwer zu sagen. Die Vergaben der höchst umstrittenen Weltmeisterschaften 2018 und 2022 hat per se erstmal nichts mit Blatter zu tun. Dieser habe bei dem Votum für Katar 2022 gar nicht für das Emirat gestimmt. Das sagte der stellvertretende Fifa-Kommunikationsdirektor, Alexander Koch, in der ARD-Sendung "Günter Jauch" am Sonntagabend. Offenbar nichts weiter als ein Versuch, um den angeschlagenen Präsidenten aus der Schusslinie zu ziehen. Denn: Dass Schmiergelder flossen, gilt als unumstritten. Jetzt hängt es von denen ab, die nachkommen. Und damit von jenen, die bisher nonchalant von "Mafia-Methoden" sprachen. Viel Hoffnung gibt es aktuell aber nicht. Auch, weil der Präsident des mächtigen Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach, noch in der Halbzeitpause des Pokalendspiels im "ZDF" einen WM-Boykott ausschloss.

  • Wer wird Sepp Blatters Nachfolger?

Niersbach gab in den vergangenen Tagen kein gutes Bild ab. Der englische Verband FA bat die deutschen Kollegen, immerhin mitgliederstärkster Verband, um die Unterstützung bei einem möglichen Boykott. Doch Niersbach vermied jeden Angriff auf Blatter. Kritiker sagen sogar, er habe vor diesem gekuscht. Dabei galt der 64 Jahre alte frühere Journalist bisher als möglicher Nachfolger. Der einstige Weltfußballer Luis Figo, der sich noch vor Monaten zur Wahl stellte und dann wieder zurückzog, ist wohl außen vor. Sein Name sei von Blatter-Gegnern nur der Popularität wegen ins Spiel gebracht worden, heißt es. Und Ali bin al-Hussein? Der jordanische Prinz, Gegenkandidat Blatters bei der Präsidentschaftswahl am 29. Mai, erklärte sich kurz nach Blatters Rücktritt bereit, beim kommenden außerordentlichen Kongress erneut zu kandidieren. Am Freitag hatte er die Wahl als einziger Gegenkandidat mit respektablen 73:133 Stimmen verloren. Es könnte aber ganz anders kommen. "Ich habe immer gesagt, dass es ein Selbstmordunternehmen sei, sich bei dieser Wahl [gegen Blatter, Anmerk. d. Red.] als Gegenkandidat zu stellen", sagte Fifa-Reformberater und Insider Prof. Dr. Mark Pieth Ende März im Gespräch mit diesem Portal. Er kenne aussichtsreiche Kandidaten, meinte er damals, "sage aber keine Namen". Sie sollen prominent sein. "Zwei der Kandidaten kennen Sie bestimmt. Die sagen: Ich komme, trete aber nicht gegen Blatter an", erzählte er. "So viel: Sie kommen nicht aus Deutschland."