Viele Kicker haben eigene Rituale und Spleens, um die Fußballgötter gnädig zu stimmen. Sei es, welcher Schuh zuerst angezogen wird, dass sie ihre Trikots nicht waschen oder sich nicht rasieren.

Doch es geht auch noch schräger: Als etwa der Ägypter Mohamed Zidan vor zwei Jahren beim FSV Mainz spielte, ließ er sich aus Aberglaube vor dem 33. Spieltag den Schriftzug "Mainz" auf beide Unterarme tätowieren. Die Mainzelmännchen gewannen gegen Gladbach zwar 3:0, schlussendlich stieg der Club trotzdem ab. Wie gut, dass die Unterarm-Tattoos aus Henna waren. Es würde nämlich seltsam aussehen, wenn Zidan mit Mainz-Schriftzug für seinen jetzigen Arbeitgeber, Borussia Dortmund, auflaufen würde.

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David Beckham

Er ist nicht nur einer der begehrtesten Fußballer, sondern auch einer der abergläubischsten. Schon bei Real Madrid musste es die Rückennummer 23 sein. Nach seinem Wechsel zu LA Galaxy läuft der smarte Frauenliebling wieder mit dieser Zahl auf. Normalerweise hat die 23 eher eine negative, mysteriöse Bedeutung - nicht so für den Engländer. In der Nationalmannschaft trägt Becks die 7, die er auch bei Manchester United auf dem Rücken hatte.

Auch abseits der Fußballwelt hat der Engländer einen Hang zu seltsamen Ritualen. So muss stets eine gerade Anzahl an Coladosen im Kühlschrank der Beckhams sein. Zeitschriften und Möbel müssen genau im rechten Winkel ausgerichtet werden. Natürlich hat David Beckham auch eine gerade Anzahl Tattoos auf seinem Körper.

Als Ende 2007 eine "Spice Girls"-Tour startete, soll David Beckham trotz einer gebrochenen Rippe zum Auftakt nach Kanada geflogen sein. Becks überreichte seiner Frau Victoria und ihren Bandkolleginnen als Glücksbringer jeweils ein goldenes Armkettchen. Das half aber nichts: Die Spice Girls mussten ihre großangelegte Comeback-Tour mangels Erfolg frühzeitig beenden.

Michael Ballack

"Rituale habe ich nicht - bis auf Sachen, die man immer wieder gleich macht," meinte Michael Ballack, der Kapitän des DFB-Teams, selbstbewusst bei einer Pressekonferenz während der Euro 2008. Äh, ja, genau - was denn nun? Dem Wochenmagazin "Zeit" erzählte er Ende 2007 brühwarm, dass die Bayern im Mannschaftsbus als Einstimmungsritual immer Schafskopf geklopft hätten.

Bei seinem neuen Club gibt es ähnliche Gewohnheiten: "Bei Chelsea spielen sie im Bus Playstation, fünf gegen fünf. Über Bluetooth sind dann fast alle im Bus angeschlossen. Da ist, über fünf, sechs Reihen, eine Riesenstimmung." Chelsea ist ein gutes Stichwort: Wie jeder Neuankömmling musste Ballack 2006 vor versammelter Mannschaft alleine ein Lied trällern.

Doch wählte der Görlitzer keinen englischen Fußballsong wie etwa "Football's Coming Home" von den Lightning Seeds. Der ehemalige Bayern-Akteur suchte sich deutsches Liedgut aus: Dem kompletten Chelsea-Team und dem damaligen Trainer Jose Mourinho sang Michael Ballack Peter Cornelius' "Du entschuldige I kenn di" vor. Laut Insidern waren die Londoner Kicker leicht verdaddert, klatschten aber nach der Vorstellung höflich.

Christoph Metzelder

Die deutsche Nationalmannschaft ist ein ergiebiges Feld, was Rituale und Aberglaube betrifft. Bei der Weltmeisterschaft 2006 versteckte die "Bild"-Zeitung etwa eigenmächtig einen Glückspfennig im linken Torpfosten vor der Ostkurve im Berliner Stadion. Prompt siegte die DFB-Auswahl in der Vorrunde 3:0 gegen Ecuador. Damals bildeten Per Mertesacker und Christoph Metzelder ein stabiles Innenverteidiger-Paar.

Schon 2006 sprossen Metzelder die Backenhaare. Auch bei der Euro 2008 stand dieses Ritual an: Der Innenverteidiger von Real Madrid ließ sich sein Gesicht zuwuchern. Diesmal mit wechselndem Erfolg. Zwar konnte Metze im Vorfeld der EM nach einer Fußverletzung einen starken Formanstieg präsentieren, doch lief es für den Ex-Dortmunder in der Schweiz und Österreich nicht immer rund.

Luis Figo

Alle bisher geschilderten Macken sind aber Kinkerlitzchen im Vergleich zu dem, was sich offenbar der Portugiese Luis Figo geleistet hat. Der für Inter Mailand auflaufende Star soll nach Berichten der italienischen Nachrichtenagentur ANSA absichtlich eine schwarze Katze überfahren haben.

Schwarze Katzen bringen - wie jeder weiß - Unglück, also überfuhr der Altstar auf dem Club-Parkplatz laut ANSA den Unglücksbringer kurzerhand. Die dunkle Samtpfote hätte ja für ihn und Inter Mailand eine Pechsträhne einleiten können. Als der Agenturbericht bekannt wurde, meldeten sich prompt Italiens Tierschützer.

Am Trainingsgelände des Mailänder Clubs platzierten sie Banner mit aggressiven Sprüchen. "Figo, du hast eine schwarze Katze getötet, die ganze Welt ist angewidert von dir." Auf einem weiteren Spruchband war zu lesen: "Figo, eine Schande für Inter - Gerechtigkeit für die Katze."

Franck Ribery

Vor jedem Spiel steht Franck Ribery für sich alleine auf dem Platz, breitet die Hände aus und schaut in diese hinein. Viele Fans fragten sich anfänglich, was das für ein Ritual ist. Doch schnell wurde klar, dass der dribbelstarke Franzose Moslem ist und vor den Begegnungen betet. Längst ist der herausragende Mittelfeldakteur nicht mehr der einzige Moslem, der seinen Glauben auf deutschen Fußballplätzen zeigt.

Bereits im Alter von 15 Jahren konvertierte Franck Ribery zum Islam, seitdem betet er. Sein muslimischer Name lautet "Bilal". Ganz im Gegensatz zu vielen Kollegen hat sein Glaube etwas mit Ritualen, aber nichts mit Aberglaube zu tun.

Luca Toni

Riberys Münchner Mannschaftskollege, Luca Toni, ist sehr abergläubisch: Als der Ausnahmestürmer während der EM den Ball im Tor nicht unterbrachte, griff er zu einem besonderen Mittel. Der italienische Nationalspieler ließ sich einen Schnurrbart wachsen. Aber auch mit Oberlippenbart stellte sich der Erfolg nicht ein.

Nach dem Halbfinale rasierte sich Luca Toni den Schnorres ab: Er hatte versprochen dies zu tun, wenn er gegen Spanien in der Vorschlussrunde kein Tor erzielen würde. Der Stürmer aus Modena ist aber auch für ein besonderes Ritual bekannt. Er hat es sich zur Angewohnheit gemacht, sich nach einem Treffer "das Ohr abzuschrauben". "Macht die Ohren auf! Habt Ihr mein Tor mitbekommen", will er damit signalisieren.

Vielleicht sollte er sich lieber die Augen reiben, dann würden seine Fans wahrscheinlich auch bei der italienischen Nationalmannschaft mehr Toni-Treffer zu sehen bekommen.

Iker Casillas

Der frischgebackene Europameister Iker Casillas hat alles richtig gemacht. Für das Turnier in der Schweiz und Österreich zog sich der Spanier beim Autogrammeschreiben seine Torwarthandschuhe nicht aus. Außerdem band er sich Ring- und Mittelfinger der linken Hand zusammen. Der Schlussmann in Diensten von Real Madrid ließ sich für dieses Mätzchen eigene Handschuhe fertigen.

Die Marotte geht auf eine Verletzung während der Weltmeisterschaft 2006 zurück. Damals hatte sich der Spanier den Ringfinger ausgerenkt. Um ihn zu stützen, tapte er mit Klebesteifen die beiden Gliedmaßen zusammen.

Längst war die Verletzung zur Euro ausgeheilt. Doch hatte sich Iker Casillas so an die Spezialhandschuhe gewöhnt, dass er auch bei der Euro 2008 nicht darauf verzichten wollte - mit Erfolg: Der Madrilene hielt im Endspiel gegen die Deutschen sensationell und sicherte den Spaniern nach 1964 die zweite Europameisterschaft.

Mario Gomez

Wir bleiben bei der Euro: Nach seinen Ritualen zu urteilen, hatte der Stuttgarter Stürmer Mario Gomez ebenfalls alles richtig gemacht. Er sang die Nationalhymne nicht mit und verhielt sich auf der Toilette richtig. Trotzdem brachte der Fußballer aus kürzester Distanz den Ball nicht im Tor unter.

Laut Agenturberichten hatte Mario Gomez mit seiner Gesangsverweigerung eigentlich Erfolg: "Bis ich 15 Jahre alt war, hab ich die Hymne nie mitgesungen und ein Tor erzielt." Bei der Europameisterschaft 2008 hatte sich der Stürmer außerdem auf ein zweites Ritual verlassen. Er gehe auf der Toilette "immer ans Pissoir ganz links außen", sagte er dem Magazin "Men's Health".

Im Interview schob der Nationalkicker gleich eine Begründung nach: "Wenn ich es mal nicht mache und wir verlieren, dann würde ich die ganze Zeit denken: Vielleicht lag es ja daran." Trotz der Rituale traf der Stuttgarter jedoch bei der EM nicht.

Wayne Rooney

Diese Macke hat nicht direkt etwas mit Fußball zu tun, ist aber trotzdem außergewöhnlich. Englands Goldfuß Wayne Rooney braucht mechanisches Summen zum Einschlafen. Egal ob Fön, Staubsauger oder Klimaanlage - was andere um die Nachtruhe bringt, wirkt auf den Knipser von Manchester United einlullend.

Doch mit dem brummenden Einschlaf-Ritual bringt der Engländer sein Umfeld auf die Palme. Ex-Freundin Coleen McLoughlin nervten die Geräusche so sehr, dass sie den Nationalkicker nach vier Jahren gemeinsamer Zeit verließ. "Coleen hasst das. Ich habe schon so viele ihrer Haartrockner ruiniert. Sie lässt mich keinen Staubsauger anschalten, wenn wir zusammen sind", erklärte Rooney in seiner 2006 erschienenen Biografie.

Cristiano Ronaldo

Rooneys Sturmpartner bei ManU hat einen weitaus harmloseren Spleen. Cristiano Ronaldo hat sich für seine Arbeitskleidung ein Ritual aus Jugendzeiten bewahrt: Er zieht die Stutzen so weit nach oben wie nur möglich.

"Von klein auf hatte ich die so hochgezogen. So bin ich berühmt geworden. Jetzt ist es Aberglaube und ich lasse sie immer über dem Knie", verriet der Portugiese 2006 der "Bild"-Zeitung. Doch dem Portugiesen halfen die hochgezogenen Socken im Euro-Viertelfinale nichts. Die Seleccion musste gegen Deutschland die Segel streichen.