Sein Gesicht kennt in Deutschland fast jeder Fußballfan. Dennoch hat er weder Titel gewonnen noch "große" Mannschaften trainiert. Und doch ist es nicht nur der unverwechselbare Schnauzer, der Peter Neururer zu einer der populärsten Persönlichkeiten im deutschen Fußball macht.

Dieser Mann braucht Fußball wie die Luft zum Atmen. So sehr, dass er fußballfreie Zeit als "Stress" bezeichnet. Peter Neururers Leidenschaft sucht Ihresgleichen. Getrieben von dieser Leidenschaft hat sich der gebürtige Marler vom Sportstudenten, der aus Interesse regelmäßig die Trainingseinheiten des 1. FC Köln besuchte, zum Bundesligatrainer gemausert.

Allerdings ist der Trainer Peter Neururer nun schon drei Jahre ohne Anstellung. Das zehrt an seinen Nerven und daher stellt er in seiner Biografie "Peter Neururer – Aus dem Leben eines Bundesligatrainers" sich selbst und der Bundesliga ein Ultimatum: "Wenn ich in der Saison 2012/13 keinen Job als Cheftrainer oder als Sportdirektor bekomme, dann ist Schluss." Das ist ernst zu nehmen, denn Neururer steht zu seinem Wort. Das mussten sie schon beim VfL Bochum erfahren. Der VfL konnte 2005 die Klasse nicht halten. Der dennoch äußerst beliebte Neururer verließ den Verein – entgegen allen Bitten von Vereinsführung und Spielern. Er hatte seinen Abschied im Falle des Abstiegs angekündigt. Heute bezeichnet er diesen Entschluss als größten Fehler seiner Trainerlaufbahn. Zum VfL Bochum würde er immer zurückkehren. Das Ultimatum gilt hier nicht.

Auch der FC Schalke 04 und der 1. FC Köln sind von der Frist ausgenommen. Zuviel verbindet Neururer mit den Vereinen. Auf Schalke wird er als der Mann verehrt, der die „Königsblauen“ 1990 vor dem Abstieg in die Amateur-Oberliga bewahrte. Neururer, der Retter. Köln hingegen ist seine Kinderliebe. Eineinhalb Jahre hat er den Verein trainiert, bis ihm schließlich seine Feindschaft zum wichtigsten Kölner Boulevardblatt „Express“ das Genick brach. Im Umgang mit Medienvertretern fehlt dem Sprücheklopfer Neururer manchmal das Fingerspitzengefühl.

Manchmal fehlt ihm das Glück

Bei den "Geißböcken" fehlte ihm außerdem ein wenig Glück. Denn wäre es nach Neururer gegangen, wäre 1997 ein gewisser Andrij Shevtshenko für geradezu lächerliche 150 000 DM zum FC gewechselt. Sportdirektor Rühl holte stattdessen Goran Vucevic. Er sollte nur 16 Spiele für Köln bestreiten. Shevtshenko hätte Neururers Königstransfer werden können – und vielleicht auch seine Eintrittskarte bei den ganz großen Vereinen.

"Herzblut für die Arbeit"

Neururer erleidet im Sommer 2012 einen Herzinfarkt. Er wird gerettet – gerade so. Heute wirkt er stärker und gesünder als je zuvor. Und auch das Feuer brennt noch. Es ist wohl diese nie erloschene Leidenschaft für den Fußball, die ihn zum Trainervorbild vieler seiner ehemaligen Spieler, wie Dariuz Wosz, macht. Dieser sagt über seinen ehemaligen Coach beim VfL Bochum: "Peter hat jeden Tag Herzblut für seine Arbeit vergossen." Noch ist offen, ob er es nochmal vergießen darf.