Klägliche 27 Punkte, aber ein Ego größer als der eigene Schuldenberg: Trotz einer katastrophalen Saison hat sich der Hamburger SV irgendwie noch in die Relegation (20:30 Uhr, LIVE bei uns im Ticker oder ARD) gerettet. Gegen den Zweitligisten Greuther Fürth kämpft der Bundesliga-Dino gegen den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte. Unser Vergleich zeigt: Nicht viel spricht für einen Verbleib des HSV in Deutschlands höchster Spielklasse.

Radio Hamburg rief sogar den "Fußball-Vater im Himmel" an: "Vergib uns diese Saison und erlöse uns von den Niederlagen. Denn dein sind die Fans und der HSV in der Herrlichkeit der ersten Liga in Ewigkeit - Amen", betete ein Pastor bei dem Sender für den abstiegsbedrohten Klub.

Aber ob selbst göttlicher Beistand hilft? Kraftlos, verunsichert und ungeschickt - so präsentierte sich der Hamburger SV in der abgelaufenen Saison. Die fünf letzten Spiele gingen allesamt verloren - und das in der heißesten Phase des Abstiegskampfes. Der HSV konnte sich nicht aufgrund einer guten Leistung in die Relegation retten. Die Hamburger waren einfach nur am wenigsten schlecht und hatten Glück, dass Braunschweig und Nürnberg auch keine Punkte holten.

Nun hat es der Hamburger SV also geschafft. Der Katastrophenklub aus dem Norden hat sich in die Relegation gegen die SpVgg Greuther Fürth gerettet. Der Abstieg ist aufgeschoben. Der Größenwahn an der Elbe kann weitergehen. Leider ...

Leihspieler Pierre-Michel Lasogga ist der Hoffnungsträger

Vor den Relegationsspielen gegen Fürth ruhen in der Hansestadt alle Hoffnungen auf einem Leihspieler. Pierre-Michel Lasogga kam im vergangenen Sommer für eine Saison von seinem eigentlichen Arbeitgeber Hertha BSC. Der Stürmer erwies sich als größter Antreiber in der Hamburger Mannschaft. Der 22-Jährige ist der derzeit erfolgreichste HSV-Torschütze, obwohl er nur 20 Einsätze in der Saison verbuchen konnte. Ohne seine vielen Verletzungspausen hätte er den Verein vielleicht sogar vor der Relegation bewahren können. Seine Tore in den Entscheidungsspielen könnten die Hamburger in der Bundesliga halten.

Die größte Schwäche des HSV ist seine miserable Verteidigung. 75 Gegentore kassierte kein anderer Profiverein in Deutschland. Dummerweise trifft der Bundesliga-Dino mit Greuther Fürth auf die Mannschaft, die mit 64 Treffern die meisten Tore in der zweiten Liga erzielt hat. Top-Torjäger Ilir Azemi befindet sich weiter im Angriffsmodus. "Ich will unbedingt in die erste Liga mit dieser Mannschaft, mit diesem Verein. Und mit dieser Stadt", sagt der 22-Jährige den "Nürnberger Nachrichten". Azemi hat einen tollen Lauf: 13 Mal traf der Angreifer in den vergangenen 13 Partien. Zudem hat der Kleeblatt-Klub in Wolfgang Hesl einen der besten Zweitliga-Torhüter als Kapitän.

Hesl selbst war sieben Jahre bei seinem heutigen Gegner angestellt. Der damalige Nachwuchskeeper bekam in Hamburg jedoch nie eine Chance. Die dortigen Verantwortlichen haben ein Händchen dafür, Spieler abzugeben, die dann bei einem anderen Verein plötzlich aufblühen. Artjoms Rudnevs (Hannover 96) oder Marcus Berg (Pokalheld bei Panathinaikos Athen) sind die jüngsten Beispiele.

Mit Schulden in Höhe von 100 Millionen Euro, hektischen Trainerwechseln und jeder Menge Fehlentscheidungen sorgt der HSV seit Jahren für Schlagzeilen. Trotzdem neigt das Management gern zur Selbstüberschätzung. "Der Erstligist ist in solchen Partien immer Favorit", tönt HSV-Sportchef Oliver Kreuzer vor den Alles-oder-nichts-Spielen. Zu Größenwahn neigt das kleine fränkische Fürth kaum. "Der Erstligist hat immer mehr zu verlieren", stichelt Kreuzers Berufskollege Rouven Schröder gegen den norddeutschen Rivalen. "Ich glaube, dass sich ein Traditionsverein wie Hamburg die Zweite Liga gar nicht vorstellen kann."

Im Gegensatz zu den Hamburgern verspürt Fürth keinen Druck - nur wenige hatten dem Klub nach dem Bundesliga-Abstieg 2013 überhaupt eine so schnelle Genesung zugetraut. Der Zweitligist kann in den beiden Partien völlig befreit auftreten.

Greuther Fürth will den sofortigen Wiederaufstieg

Allerdings hat auch die Spielvereinigung einen wunden Punkt: Im Rennen um den Aufstieg haben die Fürther in den entscheidenden Spielen immer wieder versagt. Nach der Hinrunde noch auf Platz zwei, patzten die Franken so oft, dass die in der Winterpause siebtplatzierten Paderborner vorbeiziehen konnten.

Einen Pluspunkt nimmt der HSV aber mit: Das Pokalspiel gegen Fürth im September 2013 haben die Hamburger mit 1:0 für sich entschieden. Der Torschütze damals: Pierre-Michel Lasogga. Mit ihrem gut aufgelegten Stürmer und göttlichem Beistand könnte der HSV vielleicht doch noch den Klassenverbleib schaffen.