Pep Guardiola hat dem Trainer der MLS-Allstars den Handschlag verweigert. Manch einer mag von der harschen Reaktion des Bayern-Trainers überrascht sein, doch Guardiola hat schon des Öfteren dieses andere Gesicht gezeigt. Das Gesicht eines Mannes, der seinen Stolz mit allen Mitteln verteidigen will.

Frauen himmeln ihn an, Männer bewundern ihn. Pep Guardiola ist einer der beliebtesten Fußballtrainer weltweit. Kein Wunder. Der Mann weiß, wie man sich ordentlich kleidet, er sieht gut aus und wirkt darüber hinaus einfach richtig nett. Der Typ Mann, mit dem man gerne mal ein Bier trinken gehen würde und über Gott und die Welt diskutieren. Doch Guardiola kann auch richtig böse werden. Das bekam der Trainer der MLS-Allstars Donnerstagnacht zu spüren. Caleb Porter war dem Trainer des FC Bayern München zwar noch auf dem Spielfeld hinterhergelaufen, wurde von Guardiola jedoch per Fingerzeig informiert, das er auf einen Handschlag keine Wert lege. Danach ignorierte er den Coach konsequent.

Grund für Guardiolas eiskalten Schulterzeig war das rüde Einsteigen der MLS Allstars vor allem gegen Weltmeister Bastian Schweinsteiger, der mit einer Knöchelprellung vom Platz humpeln musste. Irgendwie kann man verstehen, dass Guardiola diesen Abschluss der Promo-Reise durch die USA nicht besonders lustig fand. Dennoch kann man von einem großen Sportsmann erwarten, dass er in einem solchen Moment über seinen Schatten springt und dem gegnerischen Trainer trotzdem die Hand reicht. Das Spiel gegen den deutschen Rekordmeister dürfte für den hierzulande eher unbekannten Caleb Porter das Jahreshighlight gewesen sein. Immerhin, so gab Parker nach dem Vorfall kleinlaut zu Protokoll, "ist Guardiola ein Idol von mir".

Es ist nicht der erste verweigerte Handschlag

Dennoch, Guardiolas Reaktion ist nicht gerade untypisch für den Spanier - auch wenn auf den ersten Blick sie so gar nicht in das Bild des sonst so höflichen und sympathischen Trainers passen will. Aber es ist nicht das erste Mal, dass er einen Handschlag verweigert. Bei der Gala zum Fifa "Ballon d'Or" 2013 hatte er Cristiano Ronaldo, der ihn begrüßen wollte, ebenfalls knallhart ignoriert. Eine schwere Demütigung für den Weltfußballer von 2014.

Wie kalt Guardiola sein kann, zeigt sich von Zeit zu Zeit auch im Umgang mit seinen Spielern. Schon in der Zeit beim FC Barcelona war mit Pep nicht immer gut Kirschen essen. Zumindest, wenn man den Erzählungen von Über-Stürmer Zlatan Ibrahimovic Glauben schenken darf. Im Interview mit dem "Spiegel" ließ der Schwede kein gutes Haar am Bayern-Trainer. Guardiola sei feige, "kein Mann". Der Grund für Ibrahimovics Stänkereien: "Ich wurde für Lionel Messi geopfert. Aber er (Pep Guardiola, Anm. d. Red.) hatte nicht den Mut, mir das zu sagen." Nach der Episode am Donnerstagabend in den USA kann man sich sehr gut vorstellen, dass der damalige Barca-Trainer "Ibra" tatsächlich konsequent ignoriert haben muss.

Wie stolz ist Guardiola?

Guillem Balagues, spanischer Journalist, schreibt in seinem Buch "Pep Guardiola - die Biografie", Pep sei "ein sehr stolzer Katalane". Vielleicht ist es dieser Stolz, der Guardiola verleitet, einen Handschlag zu verweigern oder einen Superstar wie Ibrahimovic zu ignorieren. Gewisse Dinge - sei es vermeintliche Respektlosigkeit durch einen Spieler oder zu hartes Einsteigen gegen sein Team - kann Guardiola offenbar nicht ungestraft davon kommen lassen.

Auch Ex-Bayern-Stürmer Mario Mandzukic hat Guardiolas dunkle Seite - wenn man sie denn so nennen möchte - zu spüren bekommen. Als der Kroate nach dem feststehenden Lewandowski-Transfer zur Rückrunde von akuter Unlust gepackt wurde, fand er sich schneller auf der Tribüne wieder, als er "Training" sagen konnte. Buchautor Daniel Martinez, ebenfalls Pep-Biograf, hat es in der "Münchner Abendzeitung" einmal sehr treffend zusammengefasst: "Wenn Guardiola das Gefühl hat, mit einem bestimmen Spieler keinen Erfolg mehr zu haben, lässt er ihn verhungern", sagte Martinez. Einmal bei Guardiola in Ungnade gefallen, gibt es kein Zurück. Das scheint der Stolz des Bayern-Trainers nicht zu erlauben.

Auch mit seinem ehemaligen Klub, dem FC Barcelona, hat sich Guardiola bereits angelegt. Er hatte behauptet, die Barca-Führung habe falsche Informationen über ihn in Umlauf gebracht. Der Auslöser für diese völlig unmotiviert scheinende Attacke blieb im Verborgenen. Doch es ist anzunehmen, dass sich der Bayern-Trainer auch in diesem Fall provoziert gefühlt hatte.