Bleibt Pep Guardiola ein Bayer oder sagt er schon bald "servus München"? Erst nach dem Ende der laufenden Saison wollen der spanische Coach und der FC Bayern München über eine Vertragsverlängerung sprechen. Das nährt die Spekulationen: Wieso lässt Pep die Bayern zappeln? Dabei gibt es völlig nachvollziehbare Gründe für Guardiolas Zurückhaltung.

Pep Guardiola ist nicht der beste Trainer der Welt. Das behauptet zumindest Pep Guardiola. Der Katalane, mit zahllosen Meriten binnen weniger Jahre schwer dekoriert, blickt immer noch zu Marcelo Bielsa auf, seinem Idol, Mentor und sportlichen Übervater.

Doch für den FC Bayern München ist Pep Guardiola die Nummer eins. Für die Münchner gibt es nur die eine Lösung auf der Trainerbank. Und die heißt Guardiola. "Er ist ein Genie", schwärmt Karl-Heinz Rummenigge. "Wäre ich heute noch Profi bei Bayern München, würde ich dem Trainer jeden Tag einen Kuchen mitbringen", sagte er im "Kicker". Und auch Bastian Schweinsteiger lobte den Katalanen überschwänglich. "So einen Trainer gibt es nicht so oft auf der Welt und die Verantwortlichen bei Bayern wissen das. Natürlich würde es mich freuen, wenn er verlängern würde", sagt der Weltmeister, der wie fast alle seiner Mitstreiter unter Guardiola nochmal einen großen Entwicklungsschritt gemacht hat.

Der Gelobte besitzt in München noch einen Vertrag bis Juni 2016. Aber natürlich wollte der Rekordmeister einen Trainer wie ihn so früh wie möglich zu Gesprächen um eine mögliche Verlängerung bitten. Bisher lehnte Guardiola freundlich ab, seit wenigen Tagen haben sich beide Parteien darauf geeinigt, sich im Sommer zusammenzusetzen.

Was steckt hinter der Zurückhaltung des Katalanen? Einige interpretieren diese als Hinhaltetaktik. Der Boulevard stellte sofort die Frage, ob Pep seinen vorzeitigen Abgang plant. Einige diffuse Aussagen beim Treffen mit einem Bayern-Fanklub am Wochenende schürten angeblich diese These.

Pep Guardiola will den Kopf frei haben

Doch das alles dürfte nichts weiter als Spekulation sein. Der wahre Grund liegt wohl viel näher: Guardiola steht mit seiner Mannschaft unmittelbar vor dem Auftakt in die für die Bayern entscheidende Phase der Saison. Der mittlerweile 44-Jährige will Ruhe und den Kopf frei haben für die anstehenden Aufgaben in der Rückrunde. Weitreichende Entscheidungen hat Guardiola noch nie überstürzt oder nebenbei getroffen. Der Stand der Gespräche ist der, dass es momentan keine Gespräche gibt.

Natürlich wird einiges davon abhängen, ob die Double-Bayern der vergangenen Saison in dieser Spielzeit zu Triple-Bayern werden. Die These, dass Guardiola nach einem Sieg in der Champions League sofort gehen würde, weil er dann mit den Bayern alles erreicht habe, ist aber kaum zu halten.

Zum einen hat er in Barcelona schon bewiesen, dass er einen einmaligen Erfolg gerne bestätigen würde: Mit den Katalanen holte er nach 2009 auch zwei Jahre später nochmals den Henkelpott. Und zum anderen ist Guardiola bei Barca nicht wie oft falsch behauptet wird ausgeschieden, weil er keine Ziele mehr hatte, sondern weil ihn die Ränke- und Machtspiele der Vereinsoberen ermüdet und letztlich vom Hof gejagt haben.

Bietet die Weltmarke FC Bayern München genug Perspektive?

Pep Guardiola ist zweifellos ein ewig Suchender mit einer unstillbaren Neugier auf Fußball. Und diese Neugier bringt früher oder später den Wunsch nach Veränderung mit sich. Doch die Perspektiven beim FC Bayern mit Spielern, die sich Guardiola wünscht und auch bekommt, mit dem neuen Jugendkonzept, der Weltmarke FC Bayern München und dem besonderen Flair des Münchner Klubs bieten sich selbst einem Toptrainer wie ihm nicht überall.

Guardiola ist sich der Unwägbarkeiten des Geschäfts bewusst. Eine (zu) frühe Entscheidung bringt zwar Planungssicherheit. Bleibt der eine oder andere Erfolg aber aus, fallen die getroffenen Vereinbarungen mit doppelter Wucht auf einen zurück. Der Trainer weiß ganz genau, was er will und wann er wie vorzugehen hat. Dafür muss er nicht einmal der Beste der Welt sein. Dafür reicht es auch, einfach nur Pep Guardiola zu sein.