Da hatten wir - und damit ist ganz Fußballdeutschland gemeint - doch irgendwie mehr erwartet. Die Verlobung von Pep Guardiola mit dem FC Bayern versprach eine Feuerwerk an Emotionen - und wunderschönem Fußball. Doch noch gleicht der Spanier in seiner Suche nach der perfekten Aufstellung einer Braut, die mit keinem Brautkleid so recht zufrieden sein will.

5:0 ist kein schlechtes Ergebnis. Und die Leistung des tapfer kämpfenden Regionalligisten aus Rehden darf natürlich nicht unterschätzt werden. Trotzdem war der Sieg in dieser ersten Runde des DFB-Pokals ein Arbeitssieg. Oder um es mit den Worten von Thomas Müller zu sagen: "Es war kein Highlight." Zumindest hält der dreifache Torschütze eine passable Erklärung für dieses glanzlose Stück Fußball auf seiner Facebook-Seite parat: "Spiele gegen Dritt- oder Viertligisten sind nicht so leicht, da diese Teams meist extrem tief stehen, körperlich austrainiert sind und auch gut verschieben."

Das stimmt natürlich. Lästig nur, dass sich die Bayern auch in den Testspielen gegen Erstligisten nicht mit Ruhm bekleckert haben. Vornehmlich natürlich gegen den Bundesligakonkurrenten schlechthin. Die Niederlage im Supercup gegen Borussia Dortmund hat Guardiola damals schnell wegerklärt. Die Mannschaft sei einfach noch nicht fertig. Man sei noch nicht lange genug zusammen. Ein Mantra, das der Spanier auch nach dem müden Kick in Rehden wiederholt: "Wir sind erst seit sieben Wochen zusammen und müssen noch viel verbessern."

Allerdings beginnt am Freitag die Bundesliga und dann ist man eben acht Wochen zusammen. Ob sich in diesen letzten Tagen vor dem Auftakt gegen Borussia Mönchengladbach noch alle Schwachstellen ausmerzen lassen?

Das Brautkleid ziept

Zumal die Mannschaft noch nicht besonders gut eingespielt wirkt. Ein Zustand, der dem wilden Position-wechsel-dich-Spielchen, das Guardiola in der Vorbereitungsphase zelebriert hat, geschuldet sein könnte. Es ist natürlich selbstverständlich, dass ein Trainer, der neu zu einer Mannschaft kommt, seine Spieler und seine Taktik erst einmal ausprobieren muss. Nur wirkt er dabei manchmal wie eine Braut auf der Suche nach dem perfekten Kleid. Wenn es auch nur an der kleinsten Stelle zwickt, wird das nächste anprobiert. Und es muss perfekt sein, denn immerhin war diese Mannschaft schon einmal verheiratet - mit Jupp Heynckes.

Dennoch, die Beziehung zwischen Guardiola und dem FC Bayern funktioniert. Sie gewinnen die meisten Spiele. Allein der Glanz fehlt. Noch.

Um diesen Glanz zurückzubringen, braucht Guardiola Zeit. Zeit, die ihm hoffentlich zugestanden wird. Denn irgendwie scheint man bei dem ganzen Bohei um den Spanier schon vergessen zu haben, was Guardiola nach dem Pokalspiel eindringlich in die Kameras der ARD spricht: "Ich bin nur 42 Jahre und nur fünf Jahre Trainer."