Otto Rehhagel feiert seinen 75. Geburtstag. Ein Interview mit dem Jubilar wäre der ideale Weg gewesen, um "König Otto" angemessen zu würdigen. Leider sind wir beim bloßen Gedanken daran, uns in der Präsenz des allmächtigen "Rehakles" wiederzufinden, bereits in haltloses Hyperventilieren verfallen. Deshalb hat es leider nur zu einem fiktiven Interview mit den besten Sprüchen aus Rehhagels langer Trainerlaufbahn gereicht. Aber was heißt da leider? Diese Aussagen sind für die Ewigkeit!

Stefan Kießling, der Torschützenkönig der vergangenen Bundesliga-Saison, spricht exklusiv bei uns über Saisonziele, Bundestrainer Jogi Löw und die "falsche Neun".

Herr Rehhagel, erst einmal alles Gute zu Ihrem 75. Geburtstag! Was halten Sie für Ihre größte Errungenschaft - neben dem Europameistertitel 2004 mit Griechenland natürlich?

Otto Rehhagel: Ich habe die demokratische Diktatur eingeführt. Einer muss ja das Sagen haben.

Können Sie uns das genauer erklären?

Otto Rehhagel: Das ist eigentlich ganz einfach: Jeder kann sagen, was ich will. Bei Kaiserslautern habe ich zum Beispiel Andi Brehme als Kapitän bestimmt. Die Mannschaft schloss sich meiner Meinung demokratisch an.

2012 sollten Sie Hertha BSC vor dem Abstieg retten. Obwohl das nicht geklappt hat, haben Sie sich die zwölf Spiele auf der Trainerbank ordentlich bezahlen lassen. Sind Sie ein harter Verhandlungsgegner?

Otto Rehhagel: Ich bin ein erfahrener Cowboy, mir pinkelt keiner in die Satteltasche! Ein Fußballtrainer muss allein deshalb so viel Geld verdienen, damit er sich als Pensionist ein Zimmer erster Klasse in der Klapsmühle leisten kann.

Sie haben mit Griechenland sehr konservativen Fußball spielen lassen. Da ist die moderne Spielweise der Mannschaft heutzutage doch schöner anzusehen, oder?

Otto Rehhagel: Ihre Gedanken, die Sie jetzt haben, die kenne ich. Ich bin viel älter als Sie. Alles, was Sie im Kopf haben, das weiß ich längst, bevor Sie es ausgesprochen haben. Es ist doch ganz einfach: Modern spielt, wer gewinnt.

Gab es eine Stärke, die alle Ihre Mannschaften immer ausgezeichnet hat?

Otto Rehhagel: Wir haben immer am besten gespielt, wenn der Gegner nicht da war.

Haben Sie manchmal das Gefühl, die jungen Spielern heutzutage nicht mehr zu verstehen?

Otto Rehhagel: Natürlich habe ich mit der modernen Sprache Schwierigkeiten. Wenn einer behauptet, das war ein geiles Tor, antworte ich: Junger Mann, geil hat für mich eine andere Bedeutung.

Was war der härteste Kampf, den Sie in Ihrer langen Trainerlaufbahn ausfechten mussten?

Otto Rehhagel: Bei Werder habe ich sechs Jahre um ein eigenes Klo gekämpft. Bei Real hätten sie mich gefragt: Welche von den zehn Toiletten möchten Sie benutzen?

Das hört sich fast wie Sehnsucht an. Würde Sie ein Job bei Real Madrid immer noch reizen?

Otto Rehhagel: Ich biete mich nirgendwo an - außer bei meiner Frau.

Der FC Bayern ist derzeit die Übermacht im deutschen Fußball. Mit welchen Worten würden Sie eine Mannschaft auf ein Spiel gegen den Deutschen Meister einstimmen?

Otto Rehhagel: Ihr braucht keine Angst haben, jeder Gegner hat auch nur zwei Augen und zwei Beine.

So einfach?

Otto Rehhagel: Ja, eigentlich zählt doch ohnehin nur ein Motto: Mal verliert man - und mal gewinnen die anderen.

Verraten Sie uns ganz zum Schluss noch Ihr Erfolgsgeheimnis?

Otto Rehhagel: Ich treffe alle Entscheidungen mit Verstand - und mit meiner Ehefrau Beate.

Otto Rehhagel absolvierte als beinharter Verteidiger insgesamt 201 Bundesligaspiele für Hertha BSC und den 1. FC Kaiserslautern. Sein Bundesligadebüt als Trainer gab er 1974 bei den Kickers Offenbach. Große Erfolge feierte er mit Werder Bremen, die er zweimal zur Deutschen Meisterschaft führte (1988 und 1993). Ein besonderes Kunststück gelang ihm mit dem 1. FC Kaiserslautern. 1998 machte er die "Roten Teufel" vom Aufsteiger zum Meister. "König Ottos" größter Triumph war jedoch der überraschende Gewinn der Europameisterschaft 2004 als Trainer der griechischen Nationalmannschaft.