Nordrhein-Westfalen möchte zur kommenden Saison die Polizeieinsätze bei Fußballspielen stark reduzieren. Damit geht der Streit zwischen der Polizei, DFL und den Vereinen um die Sicherheit in den Stadien in eine neue Runde. Sicherheitsexperten warnen vor einem großen Risiko.

Das Innenministerium in NRW plant einen spürbaren Rückzug seiner Polizeikräfte aus den Bundesligastadien. Das geht aus einem geheimen Erlass "Einsatz der Polizei aus Anlass von Fußballveranstaltungen" vom 31. Juli hervor, den die "Bild" heute exklusiv veröffentlichte. Demnach möchte "mit Beginn der Spielsaison 2014/15 (...) die Polizei NRW ein Signal setzen und die Eigenverantwortung der fußballbegeisterten Fans und der Vereine stärken". In der neuen Einsatzkonzeption geht es konkret darum, die Polizei bei den Spielen verdeckt aufzustellen und sich nicht offen im Stadion zu zeigen. Außerdem wird die Begleitung von Besuchern vom und zum Stadion grundsätzlich eingestellt. Der Grund hinter den Maßnahmen sei für NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) der Zwang zu Einsparungen: In der vergangenen Saison seien Polizisten über 300.000 Stunden in der Bundesliga im Einsatz gewesen, während sich die Liga nicht an den anfallenden Kosten beteiligen will.

Anstelle der Polizei sollen nun Ordner für Ruhe rund um die Stadien sorgen und die Gästefans notfalls auch mit Hilfe von "Volunteers" begleiten. Das Innenministerium appelliert an die Fans, sich verantwortlich und friedlich zu verhalten. Für viele stellen die neuen Pläne jedoch ein großes Sicherheitsproblem dar. Der Gewerkschafts-Chef der Polizei in NRW, Arnold Plickert, zweifelt der "Bild" gegenüber an dem neuen Konzept: "Wenn das Innenministerium Einsatzkonzeptionen wie verdeckte Aufstellung, keine Busbegleitung sowie keine Polizei im Stadion vorgibt, gehe ich davon aus, dass es auch die Verantwortung für die zu erwartenden Ausschreitungen und Gewalttätigkeiten übernimmt. (...) Statt gewaltbereite Fußballstraftäter zu isolieren und konsequent strafrechtlich zu verfolgen, ziehen wir uns jetzt auf Hinterhöfe und in Seitenstraßen zurück, überlassen denen die Straße. Besonders kritisch ist es, dass die Eigensicherung der Kollegen gefährdet wird. Das ist völlig inakzeptabel."

Auch in Bremen forderte die Polizei bereits kürzlich eine Beteiligung der Liga an den Polizeieinsätzen. Bei Hochsicherheitsspielen soll die DFL die Kosten decken.

Der Erlass in Nordrhein-Westfalen gilt vorerst bis 27. September und beschränkt sich auf die Spiele auf Schalke, in Dortmund, Gladbach und Köln. (lep)