Das Innenministerium in Nordrhein-Westfalen plant einen Rückzug der Polizei aus den Bundesligastadien. Kritiker des neuen Einsatzkonzepts warnen vor einem Sicherheitsrisiko. Nun hat sich Innenminister Ralf Jäger (SPD) zu den Vorwürfen geäußert.

Laut einem Geheimpapier, das die "Bild" am heutigen Vormittag veröffentlichte, hat das Innenministerium in Nordrhein-Westfalen eine neue Einsatzkonzeption für Polizeieinsätze bei Bundesligaspielen in der kommenden Saison erarbeitet: Zukünftig wird sich die Polizei bei den Spielen verdeckt in Seitenstraßen aufstellen, sich nicht offen im Stadion zeigen und auf die Begleitung von Besuchern vom und zum Stadion verzichten. Anstelle der Polizei sollen von nun an Ordner und "Volunteers" rund um die Stadien für Ruhe sorgen.

"Das ist völlig inaktzeptabel"

Für Innenminister Ralf Jäger (SPD) sind die Pläne eine notwendige Reaktion auf die Entwicklung der Polizeieinsätze bei über 200 Spielen im Jahr: "Bereits jetzt verwendet die Bereitschaftspolizei ein Drittel ihrer Einsatzzeit nur für die Sicherheit bei Fußballspielen. Machten wir weiter wie bisher, würde sich das nochmal deutlich erhöhen. Das kann ich dem Steuerzahler nicht mehr vermitteln." Arnold Plickert, Gewerkschafts-Chef der Polizei in NRW, sieht im neuen Einsatzkonzept hingegen ein erhöhtes Sicherheitsrisiko. "Statt gewaltbereite Fußballstraftäter zu isolieren und konsequent strafrechtlich zu verfolgen, ziehen wir uns jetzt auf Hinterhöfe und in Seitenstraßen zurück, überlassen denen die Straße. Besonders kritisch ist es, dass die Eigensicherung der Kollegen gefährdet wird. Das ist völlig inakzeptabel", sagte er der "Bild". Innenminister Jäger betont jedoch, dass die Sicherheit beim Fußball nach wie vor gewährleistet sei: "Einsätze bei Risikospielen bleiben unangetastet. Gleiches gilt für das konsequente Vorgehen gegen Gewalttäter. Es geht uns allein um die Spiele, die in den letzten drei Jahren ohne Krawalle geblieben sind. Hier wollen wir den Kräfteeinsatz der Bereitschaftspolizei lageangepasst runterfahren."

Ferner sieht er die Verantwortung für ein sicheres Stadionerlebnis nicht nur bei der Polizei, sondern vor allem bei den Fans und Verbänden: "Gespräche mit Fans haben mir gezeigt, dass sie bereit sind, mehr Verantwortung zu übernehmen. Das können sie jetzt unter Beweis stellen. (...) Wir sind uns einig, dass es unser gemeinsames Anliegen ist, Krawallmacher und Gewalttäter vom Fußball fernzuhalten."

Das neue Einsatzkonzept ist vorerst ein Pilotprojekt, dass an den ersten vier Spieltagen auf Schalke, in Dortmund, Gladbach und Köln getestet wird. Danach wird entschieden, ob sich die Polizei langfristig aus den Stadien zurückziehen kann und wird. (lep)