(ska/mac/dpa) Titel von der Bank aus gewinnen? Das klingt erstmal eher widersprüchlich. Doch genau diese Devise hat Bayern-Trainer Jupp Heynckes für die neue Saison ausgegeben. Die Neuzugänge Mario Mandzukic, Xherdan Shaqiri und Claudio Pizarro wurden vornehmlich geholt, um den Stammkräften Druck zu machen. Doch vor allem Mandzukic und Shaqiri drängen nun auf die Stammplätze.

Das bestimmende Thema derzeit ist zwar der anstehende Königstransfer von Europameister Javi Martínez, doch schon jetzt dürfen sich die Münchner Macher um Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zu den schon getätigten Millionen-Investitionen gratulieren: Denn es waren die Neuzugänge, die im Pokalspiel gegen Jahn Regensburg den Favoritensieg herausschossen.

Mandzukic profitiert derzeit von der Verletzung von Stürmer Mario Gomez. Und er nutzt seine Chance: Bisher schoss er drei Tore in zwei Pflichtspielen. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. "Es macht einfach Spaß, hier zu sein und Fußball zu spielen. Bis jetzt funktioniert das gut", sagte Mandzukic.

Noch eindrucksvoller spielte der nur 1,69 Meter große Shaqiri nach seiner Halbzeit-Einwechslung für Franck Ribery auf. Bis dahin waren die Bayern zwar überlegen gewesen, hatten aber mit deutlich angezogener Handbremse gespielt. Mit Shaqiri kam jemand aufs Feld, der Lust hatte, Fußball zu spielen. Der 20-Jährige wollte sich unbedingt beweisen und das bekam in diesem Fall der Zweiligist zu spüren. Shaqiri wirbelte, dribbelte, traf prompt wunderschön per Freistoß zum 2:0 und bereitete das 3:0 durch Mandzukic vor.

"Shaqiri tut uns gut"

In dieser Form wäre das Energiepaket eigentlich ein klarer Kandidat für die Startelf, allerdings stehen in der Hierarchie vor ihm Hochkaräter wie Franck Ribery, Arjen Robben und Thomas Müller. Doch davon lässt sich Shaqiri nicht einschüchtern. Der Jungspund legt eine beachtenswerte Coolness an den Tag: "Ich habe keine Angst, vor nichts. Wovor muss ich Angst haben? Ich habe höchstens Angst vor dem Tod." Dem Schweizer "Tages-Anzeiger" sagte er: "Ich will mein Ziel einfach erreichen, am liebsten so schnell als möglich."

Klar, dass er mit dieser Einstellung auch nicht vor einem Kräftemessen mit den bayerischen Superstars zurückschreckt. Doch Shaqiri wirkt dabei nicht arrogant. Er weiß, dass es ihm nicht hilft, das Mannschaftsgefüge des FC Bayern mit Stammplatzforderungen zu erschüttern. Stattdessen nutzt er lieber seine Einsatzzeiten bestmöglich und gibt sich abseits des Platzes bescheiden: "Ich will nicht, dass in der Mannschaft Krieg ist. Ich will, dass wir füreinander spielen dieses Jahr, nur so können wir Erfolg haben." Es ist vermutlich eine der klügsten Aussagen, die ein Bayern-Spieler in langer Zeit getroffen hat.

Das dürfte auch Trainer Jupp Heynckes und Sportdirektor Matthias Sammer aufgefallen sein, die die Entwicklung ihres Neuzugangs überaus wohlwollend betrachten. So meinte Sammer nach dem Pokalspiel, wohl nicht nur im Bezug auf Shaqiris fußballerische Qualitäten: "Er ist ein Spieler, der uns grundsätzlich sehr gut tut." Heynckes ergänzte: "Er hat ein riesiges Talent."

Es scheint, als würde die Taktik der Bayern-Bosse aufgehen. In einer Mannschaft, in der Hochkaräter wie Shaqiri auf der Bank sitzen, kann sich kein Spieler seines Stammplatzes sicher sein. "Keiner kann sich ausruhen, jeder muss Volldampf machen", erklärt Heynckes das Konzept. "Deswegen haben wir diese Transfers gemacht."