Reinhard Grindel tritt als DFB-Präsident zurück: Eine Karriere mit vielen Tiefen

Reinhard Grindel ist am Dienstag von seinem Posten als DFB-Präsident zurückgetreten. Nach gut drei Jahren war der Druck auf den 57-Jährigen zu groß - und die Uhr endgültig abgelaufen.

15. April 2016: Reinhard Grindel wird nach dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach zum Präsidenten des Deutschen Fußball Bundes (DFB) gewählt - allerdings nur wegen mangelnder Alternativen, berichtete die "Bild" anschließend. Zähneknirschend habe man sich auf den ehemaligen CDU-Politiker geeignet. Der Beginn einer heftig kritisierten Präsidenten-Karriere.
Vor seinem Amt als DFB-Präsident war Grindel als Schatzmeister beim DFB und gleichzeitig im Sportausschuss des deutschen Bundestages zuständig. Für seine Doppelrolle erntete Grindel viel Kritik.
Ungemütlich zu werden, begann es im Sommer 2018: Die Deutsche Nationalmannschaft schied bei der Weltmeisterschaft in Russland bereits nach der Gruppenphase aus. Grindels Problem: Er hatte den Vertrag von Bundestrainer Joachim Löw (rechts) vor Turnierbeginn verlängert, woraufhin er ihn nach dem desaströsen Auftreten der Nationalelf nicht herausschmeißen konnte.
Bereits vor der WM kam es beim DFB zum Skandal um die Nationalspieler Ilkay Gündogan (zweiter von rechts) und Mesut Özil (zweiter von links): Beide ließen sich zusammen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für ein Foto ablichten und teilten es in den sozialen Medien. Ein Shitstorm brach aus, die Mittelfeldspieler wurden heftig beleidigt - und der DFB um Löw, Grindel und Manager Oliver Bierhoff (von links) verpasste es, sich schützend vor die Spieler zu stellen und zu dem Thema Stellung zu beziehen ...
... Özil, der sich zum Treffen mit Erdogan zunächst nicht äußerte, durfte als einziger Nationalspieler dem Medientag des DFB vor der WM fernbleiben. Grindel war deshalb von Medien, Fans und Fußball-Experten vorgeworfen worden, er wolle das Thema unter den Teppich kehren.
Erst nach der WM äußerte sich Mesut Özil zum Erdogan-Foto - und wie: In einem dreiteiligen und über mehrere Stunden verteilten Twitter-Post verkündete er zum einen seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft, zum anderen kritisierte er Grindel scharf. Er warf dem 57-Jährigen fehlenden Rückhalt sowie das fehlende Interesse an seiner Position, das reine Verfolgen eigener politischer Interessen und Rassismus vor. "In den Augen von Grindel und seinen Unterstützern bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, aber ein Migrant, wenn wir verlieren", so Özil.
Die nach der WM anhaltenden schlechten Ergebnisse der Deutschen Nationalmannschaft zwangen Bundestrainer Joachim Löw zum Handeln. Im März 2019 erklärte er der "Bild", dass er auf die langjährigen Nationalspieler Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng (von links) zukünftig verzichten werde. Darüber hatte Löw Grindel persönlich nicht informiert. Dafür und für die Art und Weise der Verkündung wurde Löw von Grindel kritisiert. Die DFB-Spitze begann auseinanderzubrechen.
Etwa zeitgleich zum Aus der drei Bayern-Profis brach Grindel vor laufender Kamera ein Interview mit der Deutschen Welle ab, stand verärgert auf und ging. Was hatte dem Präsidenten nicht gepasst? Er war der Meinung, der Journalist wolle ihm "irgendetwas in die Schuhe schieben", Aussagen treffen lassen, die er später einmal bereuen könnte.
Die Liste der Verfehlungen Grindels ist lang - und wie in so vielen bekannten Fällen ging es auch bei Grindel um Geld: Der DFB-Präsident soll Nebeneinkünfte verschwiegen haben. Medienberichten zufolge hatte Grindel von Juli 2016 bis Juli 2017 78.000 Euro aus einem Nebenjob erhalten. Grindel streitet ab, die Einkünfte verheimlicht zu haben. Immerhin gibt er zu, das Geld bekommen zu haben.
Bei der Einweihung der Hall of Fame des deutschen Fußballs in Dortmund, einen Tag vor Grindels Rücktritt, mied der 57-Jährige die Medien. Bloß keine unangenehmen Fragen, etwa zu der Luxusuhr, die Grindel 2017 zum Geburtstag von einem ukrainischen Fußball-Oligarchen geschenkt bekommen hatte - und die letztlich dafür sorgte, dass Grindel vom Posten des DFB-Präsidenten zurücktrat.
2. April 2019: Fast drei Jahre nach seinem Amtsantritt ist die Uhr für Reinhard Grindel als DFB-Präsident abgelaufen. Aber nicht wegen seiner Verfehlungen oder der in den vergangenen Wochen immer lauter werdenden Kritik an seiner Person. Sondern wegen einer 6.000 Euro teuren Uhr, die Grindel geschenkt bekommen hatte, aber darüber nicht den DFB informierte, wozu er bei Präsenten in dieser Größenordnung verpflichtet gewesen wäre. Sein "wenig vorbildliches Handeln" habe nur einen Ausweg gekannt: den Rücktritt.