Tobias Haupt ist angetreten, den Deutschen Fußball-Bund einmal auf links zu drehen, als Leiter der neuen DFB-Akademie füllt er die Schlüsselrolle in der Neustrukturierung des größten Sportfachverbands der Welt aus. Aber wer ist der 36-Jährige überhaupt?

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In der Geschäftswelt wird gern mit Bildern kommuniziert. Das vereinfacht teilweise komplexe Sachverhalte, macht Dinge besser darstellbar. Es freut den Laien und der Kenner stört sich nicht daran. Auch Tobias Haupt nutzt die Macht der Bilder.

Haupt ist in einem Geschäftszweig unterwegs, in dem die Kulturen regelrecht aufeinander prallen. Der Fußball, so wie er Generationen zuvor gelebt und geliebt wurde, hat sich in den letzten zehn, 15 Jahren so radikal verändert, dass aus dem "einfachen Spiel" eine ebenso tief greifende wie vielschichtige Veranstaltung geworden ist. Das Spiel des "kleinen Mannes" wird verwissenschaftlicht.

Das kann man nun gut finden oder ganz schlimm, an der Tatsache als solcher ändert sich dadurch aber nichts. Das Sportspiel Fußball ist in einem rasanten Wandel, und immer wenn es schnell und eng und unübersichtlich wird, bekommen gerade die großen Tanker ernsthafte Probleme.

Der Deutsche Fußball-Bund ist so ein Tanker. Und steuert der größte Sportfachverband der Welt erst einmal in eine Richtung, sind Änderungen nurmehr schwer zu bewerkstelligen.

Vor fast auf den Tag genau anderthalb Jahren ist Tobias Haupt angetreten, den DFB zu reformieren. Dessen Neuausrichtung ist eine Herkulesaufgabe, das gilt im Inneren wie im Äußeren.

Wie so oft haben die Erfolge die Sicht auf Missstände getrübt, der Gewinn des WM-Titels der Männer 2014, die WM- und EM-Titel der Frauen sowie deren Olympiasieg vor vier Jahren, die vielen Triumphe in den Jugendmannschaften. Deutschlands Eliten waren immer ganz vorne dabei, nicht selten sogar Spitze im internationalen Vergleich.

Was sich aber bei den Frauen schon angedeutet hatte und derzeit mit voller Wucht durchschlägt, droht nun auch den Männern: Eine Dürre, wie sie der deutsche Fußball seit 15 Jahren nicht mehr hatte.

Deutschland hat den Anschluss verpasst

Der U-21-Vizeeuropameister des vergangenen Jahres ist die bislang letzte verheißungsvolle Gruppe an Talenten beim DFB, aber selbst von diesen Spielern dürfte sich langfristig nur Kai Havertz auch in der A-Nationalmannschaft durchsetzen.

Dahinter, im Leistungsbereich von der U 15 bis hoch zur U 20, hat Deutschland längst den Anschluss verpasst. Andere Nationen sind in Windeseile vorbeigezogen, die Engländer, Franzosen, Belgier und zuletzt auch wieder Niederländer, die eine fantastische Generation an 16- bis 20-Jährigen herangezüchtet haben. Von den Spaniern ganz zu schweigen.

Von einem "Fünffachen" an guten Spielern in anderen Ländern sprach sogar der Sportliche Leiter der Nationalmannschaften, Joti Chatzialexiou.

"Es gibt klare Anzeichen, dass wir uns massiv bewegen müssen. Wir müssen die Weichen stellen, dass wir auch in zehn, 15 Jahren eine erfolgreiche Nationalmannschaft haben", sagte Oliver Bierhoff vor ein paar Wochen im Rahmen einer Gesprächsrunde im DFB-Fußballmuseum in Dortmund, der DFB-Direktor sprach weiter von "warnenden Tendenzen".

Dabei blieb Bierhoff sogar noch einigermaßen diplomatisch, auf seiner viel beachteten Rede beim DFB-Bundestag vergangenen Herbst klang Bierhoff noch schonungsloser, noch konkreter.

Reformen auf allen Ebenen

Das ist die gute Nachricht: Den Entscheidungsträgern beim DFB ist der Ernst der Lage bewusst. Die schlechte Nachricht ist: So schnell bewegt sich ein Verband wie der DFB nicht, die bis ins Detail ausgetüftelten Lösungsstrategien benötigen Zeit und jede Menge Ressourcen.

Verfasst sind die Reformpläne im sogenannten "Projekt Zukunft - Für die Weltmeister von Morgen", die neue DFB-Akademie als Zentrale der Macht soll sich logistisch wie inhaltlich an die Umsetzung aller Themen machen - mit Tobias Haupt als ihrem Kapitän.

Als Leiter der Akademie, die derzeit in Frankfurt gebaut wird und im Laufe des nächsten Jahres fertiggestellt sein soll, laufen alle Fäden bei ihm zusammen.

Es gibt konkrete Pläne für die Reform der Talentförderung und -ausbildung in Deutschland, auch die Trainerausbildung ist derzeit im Begriff, einen ziemlich frischen Anstrich zu erhalten. Davor wurde an den Konzepten über ein Jahrzehnt lang kaum etwas verändert.

Haupts andere wichtige Aufgabe ist der permanente Austausch mit den Nachwuchsleistungszentren der ersten, zweiten und dritten Liga. Diese Inseln gilt es inhaltlich zusammenzubringen, einen oder mehrere gemeinsame Nenner zu schaffen und Grundlagen, auf denen ein fruchtbarer Austausch möglich ist.

"Synergien schaffen" ist dabei ein Schlagwort, Haupt will "Leute ins Boot holen", "Dinge auf die Straße bringen", solche Sachen.

Dahinter verbergen sich aber sehr konkrete Handlungsweisen, so wird etwa die Trainerausbildung deutlich praxisbezogener, die Lehrgänge zum Fußballlehrer sind bunter gemischt, mit dem Ziel, neben den Erfahrenen (Ex-Profis) auch Altersspezialisten und Innovatoren, vulgo: Laptoptrainer, zuzulassen.

Haupt hat seine Leute aber auch in anderen Disziplinen längst in die Spur geschickt, der DFB geht nun auch in Sachen neuroathletisches Training, Regeneration, Schlafverhalten, Ernährung, (Sport-)Psychologie, Taktikanalyse oder Big Data neue Wege. Von oben nach unten soll dies den deutschen Fußball durchdringen. Denn nur mit einer starken Basis ist letztlich auch in der Spitze eine neue Weltklasse auszubilden.

Selbstbewusst und demütig

Die Entscheidung, den damals erst 34-jährigen Haupt mit dieser wahnsinnig vielschichtigen Aufgabe zu betrauen, kam durchaus überraschend. Haupt war bis dahin zwar in Höchstgeschwindigkeit durch seine Studien geflogen, hatte mit 29 Jahren schon promoviert, zwischenzeitlich auch mal bei Hannover 96 gearbeitet.

Bevor er Bierhoffs Ruf folgte, war er Leiter am Internationalen Fußball-Institut in Ismaning bei München. In der Branche bekannt, für die Öffentlichkeit aber ein völlig neuer Name.

Haupt geht seinen Job zwar selbstbewusst genug an, um sich auch durchzusetzen. Aber eben auch klug genug, um sich nicht zu überschätzen und immer ein Mindestmaß an Demut und Lernbereitschaft zu zeigen.

So definiert er seine Rolle, die ihn zwar als Anführer ausweist, in der er aber unmöglich alles wissen oder kennen kann. "Du muss als Leader immer offen für Neues sein, und du musst bereit sein, Menschen um dich zu versammeln, die besser sind als du selbst", sagt er deshalb und setzt diese doch recht offenen Worte auch in die Tat um.

Eine Gesprächsrunde jagte und jagt deshalb die nächste, nur über einen geregelten und ergebnisoffenen Austausch können neue Impulse entstehen und sich verbreiten. Für den ehemaligen Bayernliga-Torhüter ist die DFB-Akademie "ein wesentlicher Faktor für das 'Projekt Zukunft'". Die große Verantwortung dafür übernimmt er offenbar gerne.

Verwendete Quellen:

  • Sportschau.de: Schonungslose Analyse, konkrete Lösungsansätze – das "Projekt Zukunft" von Bierhoff
  • Sportschau.de: Tobias Haupt: "DFB-Akademie als wesentlicher Faktor für das Projekt Zukunft"
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