Erstmals nach dem blamablen Vorrunden-Aus bei der WM in Russland äußert sich Jogi Löw öffentlich - und zeigt sich selbstkritisch: Das Ausscheiden sei ein "absoluter Tiefschlag" gewesen, Löw selbst sagte über seine Taktik: "Sie war fast schon arrogant". Auch der Fall Mesut Özil wird nochmals thematisiert. Veränderungen gibt es auch im Kader und auf der Trainerbank.

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Bundestrainer Joachim Löw hat das Vorrunden-Aus bei der Fußball-WM als "absoluten Tiefschlag" bezeichnet.

Es gebe nichts zu beschönigen, sagte Löw auf einer Pressekonferenz in München und fügte hinzu: "Wir sind weit unter unseren Möglichkeiten geblieben und haben zu Recht die Quittung dafür bekommen." Die ersten zwei, drei Tage nach dem Ausscheiden seien von Frust, Niedergeschlagenheit und einer großen Portion Wut geprägt gewesen.

Löw: Taktik war "fast schon arrogant"

Zudem gestand Joachim Löw auch eigene Fehleinschätzungen ein: "Mein allergrößter Fehler war, dass ich geglaubt habe, dass wir mit unserem dominanten Stil durch die Vorrunde kommen. Wenn wir dieses Spiel spielen, müssen alle Rahmenbedingungen stimmen, damit wir dieses hohe Risiko auch tolerieren können. Diese Rahmenbedingungen haben in diesen Spielen bei uns nicht gepasst", sagte der Bundestrainer am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in München.

"Es war fast schon arrogant. Ich wollte das auf die Spitze treiben und es noch mehr perfektionieren. Ich hätte die Mannschaft vorbereiten müssen so wie es 2014 der Fall war, als es eine Ausgewogenheit gab zwischen Offensive und Defensive."

Harsche Kritik von Bierhoff an der Mannschaft

Auch Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff hat harsche Kritik am Auftritt des DFB-Teams bei der Fußball-WM in Russland geäußert. "Uns hat die richtige Einstellung gefehlt. Wir sind selbstgefällig aufgetreten, wir haben die Unterstützung der Fans für zu selbstverständlich gehalten", sagte Bierhoff auf einer Pressekonferenz am Mittwoch in München.

Man habe gedacht, dass das ein Selbstläufer sei, ergänzte Bierhoff. Deutschland hatte sich als amtierender Weltmeister bei der WM-Endrunde in Russland mit dem Vorrunden-Aus blamiert.

Auch Fall Özil wird angesprochen

Löw und Bierhoff äußerten sich zudem zum Rücktritt von Mesut Özil. Löw gab an, die Situation um den Ex-Nationalspieler "unterschätzt" zu haben und erläuterte, wie er vom Rücktritt erfahren habe. Mesut Özils Manager habe Löw kurz vor dem Rücktritt des Spielers kontaktiert. Bis heute habe der Bundestrainer den Ex-Nationalspieler allerdings "nicht persönlich ans Telefon bekommen".

Löw und Bierhoff traten für die Präsentation seiner WM-Analyse und anlässlich der Bekanntgabe des Aufgebots für die Länderspiele am 6. September in München in der neuen Nationenliga gegen Weltmeister Frankreich sowie drei Tage später in Sinsheim beim Test gegen Peru erstmals seit dem WM-Aus vor die Presse.

Khedira nicht mehr dabei, Chance für Kehrer, Schulz und Havertz

Dabei sprach Löw auch über den Kader für die anstehenden Länderspiele in der Nations League. Nicht mehr mit dabei sein wird Weltmeister Sami Khedira. Eine Chance erhalten dagegen Thilo Kehrer (Paris Saint-Germain), Nico Schulz (1899 Hoffenheim) und Kai Havertz (Bayer Leverkusen). Auch die kurz vor der WM aus dem Kader gestrichenen Leroy Sané (Manchester City), Nils Petersen (SC Freiburg) und Jonathan Tah (Bayer Leverkusen) sind von Löw wieder berufen worden.

Dass Khedira nicht mehr dabei ist, hatte sich bereits angedeutet. Der Mittelfeldspieler von Juventus Turin hatte dafür im Vorfeld bereits Verständnis gezeigt. "Wenn es aktuell Bessere gibt, dann werde ich das akzeptieren", hatte sich Khedira zuletzt in seinen sozialen Kanälen geäußert. Löw sagte zu seiner Entscheidung gegen Khedira: "Ich habe ihm gesagt, dass ich jetzt Raum und Platz schaffen möchte auf dieser Position. Wir sprechen zu gegebener Zeit weiter."

Eine Veränderung gibt es auch auf der Trainerbank. Thomas Schneider wird nicht mehr als Co-Trainer der Nationalmannschaft fungieren. Er soll zukünftig die Leitung der Scouting-Abteilung des DFB übernehmen. (mgb/szu/dpa)

Bundestrainer Jochim Löw hat während seiner Aufarbeitung des blamablen Vorrunden-Aus bei der WM in Russland auch den Fall Mesut Özil noch einmal thematisiert. Der Trainer habe die Situation "völlig unterschätzt", die Art und Weise des Rücktritts könne er nicht nachvollziehen.