Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft spielt zum Ende ihres schlechtesten Länderspieljahres unter Joachim Löw groß auf - weil der Bundestrainer gegen Russland die Jungen ran lässt. Nach dem 3:0 wird vor allem ein 19-Jähriger gefeiert, der erstmals in der Startelf stand. Ein Kollege lockt ihn im Überschwang zum FC Bayern.

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Geht doch: Das 3:0 der deutschen Nationalelf über Russland in Leipzig wirkt wie Balsam auf viele Wunden, die das WM-Jahr 2018 geschlagen hat. Dank furioser erster 45 Minuten feierte Joachim Löws Mannschaft ihren klarsten Sieg seit dem 5:1 über Aserbaidschan zum Abschluss der WM-Qualifikation am 8. Oktober 2017.

Kimmich lockt Havertz zum FC Bayern

Löws Startelf war im Durchschnitt nur 24,5 Jahre alt. Erstmals darin aufgeboten: Kai Havertz.

Nach seinem zweiten A-Länderspiel kassierte der 19-jährige Jungstar von Bayer Leverkusen für seinen beeindruckend coolen Auftritt Lob von allen Seiten. "Einer für die Bayern", setzte Joshua Kimmich in der Mixed-Zone ein Ausrufezeichen. "Ich kann ihn nicht kaufen, aber er würde sehr gut zu uns passen", zitierte die "Bild"-Zeitung Kimmich weiter.

Am gleichen Tag hatte Bayern-Boss Uli Hoeneß bekräftigt, die Bayern würden hinsichtlich der kommenden Saison "viel machen", um das Gesicht des Kaders zu verändern und auf Zukunft zu trimmen. Super-Talent Havertz käme als neuer Strippenzieher im Mittelfeld wie gerufen.

Der gebürtige Aachener träfe in München nicht nur auf Kimmich, sondern auch auf Serge Gnabry. Den 23-Jährigen bediente Havertz vor dem 3:0 mustergültig.

Auch Löw hat Spaß an Havertz

"Ich versuche immer, eher die Mitspieler glänzen zu lassen", erklärte Havertz nach dem Spiel. "Heute hat es mir ziemlichen Spaß gemacht."

Den hatte beim Zuschauen unter anderen der Bundestrainer: "Der Pass war super", lobte Löw. "Auch der Laufweg von Serge Gnabry war sehr gut. Das kann ein Gegner schwer verteidigen."

Havertz ist ihm gedanklich immer schon einen Schritt voraus. "Wenn er den Ball bekommt, versucht er den Ball immer mit nach vorne zu nehmen. Er hat eine wahnsinnig gute Übersicht und Ballbehandlung, das sieht man auch im Training. Das ist einfach klasse", beschrieb Löw die herausragenden Fähigkeiten Havertz'.

Havertz selbst ging mit seiner Leistung genauso abgeklärt um wie zuvor mit dem Ball. "Ich versuche, auf dem Platz Spaß zu haben und mein Spiel durchzuziehen. Das basiert auf Aktionen, die nicht hektisch sind, sondern durch Übersicht geprägt."

Havertz kopiert Özil

Abgeschaut hat sich Havertz das bei Mesut Özil. Ironie der Geschichte: Özil floh nach der verkorksten WM aus der Nationalelf. Die wochenlange Kritik an seiner Leistung und an dem Posieren mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan raubten Özil den Nerv und die Lust, weiter Nationalspieler zu sein. Er trat zurück. Der Geist seines Spiels aber lebt in Havertz weiter.

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Mesut Özils wohl ereignisreichstes Jahr in Bildern

Von seinem Foto mit Erdogan, über das WM-Aus in Russland bis zu seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft und seinem fulminanten Spiel gegen Leicester City. Sehen Sie hier Mesut Özils Trubel-Jahr in Bildern.

Dessen Reife kommt nicht von ungefähr. Mit 19 Jahren hat der neue Hoffnungsträger des deutschen Fußballs schon 65 Bundesligaspiele absolviert. Bei seinem Debüt in Bremen am 15. Oktober 2016 war Havertz gerade 17 Jahre alt. Ein Juwel, dem nicht nur der "kicker" "eine große Zukunft" vorhersagt.

Im Paket mit Brandt zu den Bayern?

Vereinskollege Julian Brandt, der gegen die auffallend schwachen Russen nach 65 Minuten Timo Werner ersetzte, spricht sogar vom "Zeug zum Weltstar", das Havertz besitze.

Auch Brandt wollen die Bayern nach wie vor. Der 21-jährige Offensivallrounder band sich im Frühjahr aber lieber bis 2021 an Leverkusen. Dort steht Havertz sogar noch ein Jahr länger unter Vertrag.

Verwendete Quellen:

  • Bild.de
  • kicker.de
  • transfermarkt.de
  • Spiegel.de
Teaserbild: © Sören Stache/dpa