Altgediente Spieler in Formkrisen, eine verfehlte Jugendarbeit und eine planlose Verbandsspitze: Viele Faktoren erschweren momentan den Neuanfang der deutschen Nationalmannschaft nach dem frühen WM-Aus – und nicht jeder ist an Bundestrainer Joachim Löw festzumachen.

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Das Ausscheiden bei der Weltmeisterschaft sollte eigentlich einen Hallo-Wach-Effekt für die deutsche Nationalmannschaft haben.

Obwohl die Auswahl bereits in den Monaten vor dem großen Turnier in Russland spielerische Schwächen offenbarte, glaubte wohl keiner beim DFB an ein Ausscheiden in der Gruppenphase. Doch genau das passierte.

Die Fehleranalyse von Bundestrainer Joachim Löw ließ einige Wochen auf sich warten und blieb recht dürftig. Der 58-Jährige gestand ein, dass er und sein Stab sich gerade zu Beginn des Turniers zu sehr auf das altbewährte Spielsystem verlassen hätten. Künftig wolle man taktisch flexibler agieren.

Löw deutete jedoch ebenso an, dass er das "Feuer", sprich den absoluten Erfolgshunger, bei seinen Spielern vermisst habe.

Unruhe und Altgediente

Der Bundestrainer versuchte in den ersten Partien nach der WM, den spielerischen Neuanfang mit einer vorsichtigeren und stärker auf defensive Absicherung bedachten Herangehensweise einzuleiten.

Doch auf ein vielversprechendes 0:0 gegen Frankreich folgten einmal mehr ernüchternde Auftritte. Der Neuanfang möchte einfach nicht gelingen, so scheint es.

Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist dabei denkbar schlecht. Gestandene Spieler wie Manuel Neuer, Mats Hummels und Jérôme Boateng kämpfen mit Formkrisen und erleben aktuell auch mit Bayern München eine Schwächephase.

Andere Veteranen wie etwa Thomas Müller müssen sich kurz- oder mittelfristig mit einem Reservistendasein anfreunden – und tun dies nicht immer lautlos.

Löw wurde es bei der WM zum Verhängnis, dass er an der langjährigen Mittelfeldbesetzung mit Toni Kroos, Sami Khedira und Mesut Özil stur festhielt. Auf Khedira scheint Löw ab sofort zu verzichten. Özil ging mit dem DFB im Bösen auseinander.

Der Bundestrainer hat angedeutet, er wolle auch einen personellen Umbruch einleiten - bislang setzt er indes weiterhin auf so manchen altgedienten Spieler.

Anschluss im Nachwuchs verpasst

Die jüngere Generation um Leroy Sané, Timo Werner und Joshua Kimmich spielt sich mehr und mehr ins Rampenlicht. Allerdings fehlt es bei der Altersklasse der Anfang-Zwanzigjährigen an der Breite.

Neben den drei genannten Nationalspielern gibt es allenfalls noch eine Handvoll Fußballer, die das qualitative Niveau für die DFB-Auswahl besitzen.

Der langjährige U21-Nationaltrainer Horst Hrubesch kritisierte erst kürzlich im "kicker": "Wir haben den Anschluss verpasst und uns nach dem Jahrgang um Boateng, Hummels, Neuer und Özil zu lange zurückgelehnt."

Eventuell tut Hrubesch der Generation um Kimmich und Sané unrecht - aber er weiß um die schwachen Jahrgänge 1997 bis 1999. Dort tut sich momentan allenfalls Bayer Leverkusens Kai Havertz hervor. Ansonsten sind hochbegabte Spieler weit und breit nicht in Sicht.

Der DFB und die Nachwuchsleistungszentren waren zuletzt nicht in der Lage, in diesen Jahrgängen für Nachschub zu sorgen. Spitzenclubs wie Bayern München und Borussia Dortmund scouten zunehmend im Ausland.

"Es gibt schon noch ein paar gute Jahrgänge bis 1995 und 1996", urteilte Löw kürzlich bei einer Rede auf der FIFA-Fußballkonferenz in London. "Danach merkt man auch bei den ganzen Ergebnissen, dass wir in den U-Bereichen nicht unbedingt führend sind."

Planlose Verbandsspitze

Die Verantwortlichen an der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt am Main, dem Hauptsitz des DFB, bedienen sich zumindest in der Öffentlichkeit lediglich einiger Allgemeinplätze.

"Uns war seit einiger Zeit klar, dass wir an mehreren Stellschrauben dringend drehen müssen, um nachhaltig in der Spitze zu bleiben. Schon vor der WM waren wir an diesen Themen dran, da wir um unsere Schwachstellen wussten", sagte Meikel Schönweitz, Leiter der U-Nationalmannschaften im DFB, der "dpa", ohne jedoch die Schwachstellen konkret zu benennen.

Bei allen Beteiligten sei die Bereitschaft gestiegen, "angestrebte Dinge tatsächlich in die Praxis umzusetzen" - derartige Aussagen sind von Seiten des Verbandes in diesen Tagen häufig zu hören.

Löw selbst wird das wenig weiterhelfen. Der Bundestrainer ist in den nächsten Partien schon fast zum Siegen verdammt, um die Abwärtsspirale zu stoppen. Von einem Neuanfang und dazu noch einem erfolgreichen ist jedoch wenig zu spüren.

Verwendete Quellen:

  • Sportschau.de: WM-Analyse - Die Pressekonferenz mit Joachim Löw
  • Transfermarkt.de: DFB will Nachwuchsprobleme stoppen & besser ausbilden: "Ertrag in 4 bis 7 Jahren"
  • n-tv.de: Wie der DFB die Nachwuchs-Wende plant
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