Spätestens seit der desaströsen WM ist der deutsche Fußball das Etikett "Weltklasse" los. Teams mit starken Individualisten wie Weltmeister Frankreich mit Mbappé oder Finalist Kroatien mit Spielmacher Modric geben im Weltfußball den Ton an. Wie zu ihnen aufschließen? Es gibt eine Idee. Doch diese umzusetzen erfordert viel Zeit und Geduld.

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Das schlechteste Abschneiden bei einer WM steckt dem deutschen Fußball noch in den Knochen.

Das sportliche Versagen, dazu die Querelen um den Rücktritt von Mesut Özil und die daraus resultierende Rassismus-Debatte in der deutschen Gesellschaft verschärften die Diskussion um den Zustand des Fußballs "Made in Germany". Jetzt scheint es zumindest eine flächendeckende Idee zu geben.

Die Stichworte lauten Leidenschaft, Identifikation und individuelle Klasse - damit soll der deutsche Fußball wieder zum Markenzeichen werden. "'Made in Germany' muss wieder Ausdruck für Weltklasse sein", forderte der Sportliche Leiter der DFB-Nationalmannschaften, Joti Chatzialexiou, am Montag zum Auftakt des Internationalen Trainer-Kongresses in Dresden.

Aber wie, nach dem krachenden Absturz der Nationalmannschaft in Russland? Mit vier Qualitätsmerkmalen, die anderen Teams bei der WM Erfolg brachten: Einstellung, Variabilität, Individualität, Schnelligkeit.

Geheimrezept "verschworenes Team"

Weltmeister Frankreich mit "Roadrunner" (U21-Trainer Stefan Kuntz) Kylian Mbappé und weiteren außergewöhnlichen Starspielern, die Trainer Didier Deschamps zu einer Einheit formte, oder auch die überraschend bis ins Finale vorgestoßenen Kroaten machten es vor.

"Als verschworenes Team aufzutreten und sich dabei auch gegen Widerstände durchzusetzen, war eine der Grundlagen für erfolgreiche Mannschaften. So konnten sie in der Gesamtperformance mehr leisten, als nur die Summen der Einzelleistungen möglich gemacht hätten", sagte Chatzialexiou.

Lange wurde in Deutschland die Mannschaft als Star propagiert. Die immer dichter zusammengerückte Fußball-Welt braucht aber offensichtlich auch Superstars. Und in Deutschland sollen sie wieder mehr gefördert werden, geht es nach Chatzialexiou. Man müsse wieder Spieler mit herausragenden und spielentscheidenden individuellen Fähigkeiten ausbilden, forderte er.

Es klingt eigentlich so einfach ...

Schon in jungen Jahren müssen die technischen Grundlagen gefestigt werden, das ABC des Nachwuchskickers. Ballannahme, Dribbeln, Schuss- und Passtechnik. Es nütze nichts, nur schnell zu sein, wenn man den Ball verstolpere oder ihn nicht zum Mitspieler bringe, meinte U21-Coach und Ex-Nationalspieler Stefan Kuntz.

Es klingt eigentlich so einfach. Wille gepaart mit Talent, das durch eine umfassende Ausbildung perfektioniert werden soll. Die Trainer im großen Saal des Internationalen Congress Centers in Dresden verfolgten gespannt die Vorträge der DFB-Männer, die bei ihrer WM-Analyse auf das Scheitern der Nationalmannschaft nicht konkret eingingen.

Das bleibt der Job von Joachim Löw, über dessen Besuch sich der Bund Deutscher Fußball-Lehrer am Ufer der Elbe gefreut hätte. "Es ist schade, dass der Bundestrainer sich seit Jahren nicht auf unserem Symposium sehen lässt", sagte Frank Engel von der Verbandsgruppe Nordost bei der Programmeinführung - und erhielt dafür Applaus.

Spieler müssen sich "mit ihrer Mannschaft identifizieren"

Individuelle Klasse ist das eine, nur mit der richtigen Einstellung und zusammen mit den Teamkollegen kann daraus Teil einer Erfolgsformel werden, wie bei Frankreichs Mbappé oder Kroatiens Luka Modric, der zum besten Spieler der WM gewählt worden war.

Dabei gilt: "Wir wünschen uns Spieler, ob in der Kreisliga, der Bundesliga oder in unseren Nationalmannschaften, die sich mit ihrer Mannschaft identifizieren", sagte Chatzialexiou. "Dann nämlich werden sie sich für das Team zerreißen und stolz darauf sein, für dieses spielen zu dürfen."

Man wisse, dass Leidenschaft nicht über Knopfdruck entstehen könne. Man müsse sie vermitteln, lehren und aktiv einfordern.

Das unangeleitete Spiel zulassen

Man müsse sich im Nachwuchsbereich auch wieder trauen, das unangeleitete Spiel zuzulassen. "Lasst uns den Straßenfußball in die Vereine holen", sagte Chatzialexiou, der seit dem 1. Januar den Posten als Sportlicher Leiter der DFB-Nationalmannschaften innehat und den deutschen Fußball nun an einem "Scheideweg" sieht.

Neben dem WM-Debakel der Nationalmannschaft mit dem Vorrunden-Aus in Russland bezog er sich unter anderem auch auf das Abschneiden deutscher Teams in den europäischen Vereinswettbewerben.

"Keine einfache Situation, die mich nicht nur hinsichtlich der Ergebnisse nachdenklich stimmt", sagte er. "Unser System braucht neue Impulse. Der deutsche Fußball braucht gezielte Veränderungen." (szu/dpa)

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