Erkut Sögüt teilt gegen Mesut Özils Kritiker aus: In einem aktuellen Interview stellt sich der Berater hinter seinen Schützling - und holt zum Rundumschlag aus.

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Mesut Özils Berater hat sich in einem Interview mit "11Freunde" erstmals ausführlich zum Rücktritt seines Schützlings geäußert. "Mesut hat keinen Fehler gemacht. Dabei bleibt es", sagte Erkut Sögüt mit Blick auf dessen Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

"Es ist eine Frage des Respekts, den Präsidenten zu treffen, wenn dieser darum bittet", betonte Sögüt. Özil und Erdogan hätten sich über die Jahre immer wieder getroffen. "Das war nie ein Problem in der deutschen Öffentlichkeit."

Konsequenzen aus dem veränderten Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei seit Özils erstem Treffen mit Erdogan im Jahr 2010 ergeben sich für Sögüt nicht. Es leuchte nicht ein, Özil zu sagen, "Jetzt darfst du den Präsidenten nicht treffen, aber in zwei Monaten wieder."

Sögut über Özil: Berichterstattung befeuerte Wahlverhalten der Deutsch-Türken

Er habe Özil weder zu dem Treffen gedrängt, noch ihm davon abgeraten. "Mesut ist alt genug, er hat seinen eigenen Kopf", betonte Sögüt.

Von "11Freunde" auf den Vorwurf angesprochen, Özil habe Wahlkampfhilfe für Erdogans AKP geleistet, sagte der Berater: "Das kann so aussehen. Aber in Wirklichkeit hat die deutsche Presse mit ihren ausufernden Berichten dem Präsidenten viel mehr geholfen. Viele Wahlberechtigte in Deutschland haben gedacht: 'Jetzt erst recht!'".

Neuers Aussagen nach Özil-Rücktritt "nicht akzeptabel"

Sögüt teilt in dem Interview auch gegen einige von Özils Ex-DFB-Kollegen aus. Neben Kapitän Manuel Neuer hatten sich Thomas Müller und Toni Kroos öffentlich zu der Affäre geäußert. "Neuer wirft Mesut indirekt vor, nicht mit Stolz das deutsche Nationaltrikot getragen zu haben. Das ist nicht akzeptabel. Müller hat die Diskussion nicht verstanden", urteilte der Özil-Berater.

"Und Kroos sollte als gestandener Nationalspieler erklären, was er mit dem Vorwurf 'Quatsch' meint." Kroos hatte in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung erklärt, er sehe einen "hohen Anteil an Quatsch" in Özils Äußerungen zu seinem Rücktritt.

Die Aussagen aller drei Spieler nannte Sögüt "mehr als enttäuschend und deplatziert". Er habe nur zwei mögliche Erklärungen dafür: "Sie sind entweder naiv oder berechnend."

Nicht nur die drei Nationalspieler, auch Trainer Joachim Löw hatte mehrfach zurückgewiesen, dass es rassistische Vorfälle im DFB-Team gegeben habe. Laut Sögüt ein Missverständnis: "Löw verteidigt sich gegen einen Vorwurf, der nie erhoben wurde. Mesut wurde nicht im Team, sondern von der Mitte der Gesellschaft rassistisch angefeindet – da hätte ihn der DFB schützen müssen."

Der Özil-Berater griff auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß und FCB-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge an. Beide hätten mit ihren Aussagen nur ablenken wollen - "von der Leistung ihrer eigenen Spieler, von ihrer Steuerhinterziehung, ihren unverzollten Rolex-Uhren und von der Vetternwirtschaft in ihrem Verein". Rummenigge hatte die Debatte eine "Phantomdiskussion" genannt, Hoeneß hatte Özil vorgeworfen, in der Nationalmannschaft seit Jahren nur "Dreck gespielt" zu haben, worauf Sögüt ihn schon einmal hart attackiert hatte. (ank)

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