In Georgien spielt Deutschland nur eine Halbzeit lang wie ein Weltmeister. Dem DFB-Team fehlt gegen einen schwachen Gegner wiederholt die Souveränität. Vor allem die Offensive und Mario Götze bereiten Sorgen.

Spielen wie ein Weltmeister. Das ist ein hoher Anspruch. Das DFB-Team erfüllt diesen momentan nicht. Das offenbart auch der 2:0-Sieg in Georgien. Ist die erste Halbzeit eine Demonstration der eigenen Stärke, wirkt Deutschland nach der Pause von der Rolle. "Wir sind noch nicht in der Spur", sagt Kapitän Bastian Schweinsteiger nach der Partie in Tiflis. Bundestrainer Joachim Löw meint: "Ich wäre zufriedener gewesen, hätten wir drei oder vier Tore geschossen."

Auf den 55-Jährigen wartet die Fehleranalyse. Nach fünf teils sehr durchwachsenen Leistungen in der Qualifikation ist selbst die Teilnahme am Endturnier in Gefahr. Und das, obwohl die neuen Statuten des europäischen Fußballverbandes Uefa bis zu drei Teams einer Gruppe die Qualifikation ermöglichen.

Der Blick auf die Tabelle der Gruppe D zeigt: Polen (11 Punkte), Schottland (10), Deutschland (10) und Irland (8) liegen dicht beieinander. Immerhin wäre das DFB-Team wegen des direkten Vergleichs mit den Schotten (2:1) aktuell Zweiter.

In der Offensive hakt's

Dass der Sieg in Georgien nicht in Gefahr war, lag an der zweikampfstarken Innenverteidigung bestehend aus Jerome Boateng und Mats Hummels. Der nervös wirkende Sebastian Rudy als rechter Außenverteidiger dürfte nicht mehr als ein Back-up für Benedikt Höwedes und Shkodran Mustafi sein. Der Kölner Jonas Hector könnte die jahrelangen Probleme hinten links lösen - somit wäre das Projekt Dreierkette erstmal vom Tisch. Die Probleme liegen also nicht in der Abwehr. Offensiv hakt's. Gegen Australien geht das Spiel am vergangenen Mittwoch verloren, wenn Lukas Podolski nicht kurz vor Schluss trifft. In Georgien wirkt die deutsche Mannschaft nach dem Seitenwechsel vorne teils vogelwild. Immerhin zeigt Marco Reus eine tadellose Leistung.

Der Dortmunder schießt sechs Mal aufs Tor - und damit doppelt so häufig wie der Gegner insgesamt. Zweimal zimmert der 25-Jährige den Ball mit herausragender Schusstechnik an die Latte. Das Tor zum 1:0 ist ebenso sein Verdienst wie die Führung gegen Australien. In der taktischen Drei-Mann-Offensive mit zwei hängenden Spitzen und der sogenannten falschen Neun ist er in dieser Form auf der linken Seite nicht wegzudenken. "Ich bin bin froh, dass Marco wieder zurück ist. Das Spiel ist mit ihm variabler und gefährlicher, weil er gerne in den Zwischenräumen agiert. Er hat eine sehr gute Ballkontrolle, nimmt die Bälle nach vorne mit", sagt Löw über seine Leistung. "Und er ist im Abschluss sehr gefährlich. Mit ihm sind wir schwerer auszurechnen."

Mario Götze nicht der ideale Mann für die Sturmspitze

Doch ideal ist längst nicht alles. Rechts ist Thomas Müller gesetzt. Der Bayern-Star kommt in der EM-Qualifikation mittlerweile zwar auf fünf Treffer - und ist damit Zweiter der Torschützenliste. Doch auch der 25-Jährige machte bei seinen Aktionen nicht immer einen glücklichen Eindruck. Das eigentliche Problem aber ist das Zusammenspiel der Achse Spielmacher und Mittelposition. Mario Götze ist in dieser Verfassung als Stürmer nicht die Idealbesetzung. Gegen die tiefstehenden Georgier in ihrem 5-4-1-System fanden Götze und Mesut Özil keine Mittel.

Besser wirkte in dieser Konstellation Toni Kroos. Der 25-Jährige spielte insgesamt 170 Pässe - was einem neuen Bestwert in der EM-Qualifikation entspricht. 132 Mal setzte er Mitspieler in des Gegners Hälfte in Szene. Einzig, es kam zu wenig dabei raus. Oft, weil Özil zu selten antizipierte - ebenso wie Götze. Der 22-Jährige zeigte längst vergessen geglaubte Nachlässigkeiten: Schludrig oder gar lethargisch war er in manchen Situationen.

Muss nun also doch wieder Mario Gomez her? Der einst von den Fans verschmähte Mittelstürmer traf zuletzt für den AC Florenz doppelt. Löw stellte dem 29-Jährigen bereits vor der Länderspielreise eine Rückkehr in Aussicht. Offenbar hat er die Offensive als stark verbesserungsfähig eingestuft.

Mit ein Grund dürfte die Furcht vor dem Worst-Case-Szenario sein: Im Herbst steht die heiße Phase mit den Spielen gegen Polen sowie in Schottland und Irland an.