Zum zwölften Mal nacheinander ist Deutschland bei einer EM-Endrunde dabei. Bundestrainer Löw sieht in den neun Monaten bis zum Turnier in Frankreich noch viel Arbeit. Und auch die Spieler sind mit ihrer Leistung keinesfalls zufrieden.

Mit einem "Ende gut, alles gut" wollten sich die deutschen Nationalspieler nicht in die Leipziger Nacht verabschieden. Dafür hatte der Auftritt gegen biedere Georgier noch mehr Fragezeichen hinterlassen als die Pleite zuvor in Irland. "Die EM ist wieder etwas anderes", sagte Abwehrchef Jérôme Boateng, ergänzte aber deutlich: "So wie wir heute gespielt haben, brauchen wir nicht anzutreten. Gegen ein Spitzenteam kannst du so nicht spielen. Ich glaube nicht, dass es so passieren wird. Aber man muss schon Klartext reden", forderte der 27 Jahre alte Münchner.

Die großen Mühen und Probleme zum Qualifikations-Abschluss werden die deutschen Fußball-Nationalspieler und den Bundestrainer noch eine ganze Weile begleiten. "Wir sind im Moment ein Boxer, der viele Treffer landet, aber nicht frühzeitig den K.o. schafft", bemühte Bundestrainer Joachim Löw ein Bild aus einer härteren Sportart.

"Wir brauchen die Geilheit, ein Tor machen zu wollen"

Um das größte Defizit gab es im Lager des Weltmeisters keine Diskussionen. "Wir müssen dahin kommen, dass wir diese absolute Geilheit, ein Tor machen zu wollen, wieder haben", betonte Real-Madrid-Star Toni Kroos nach 90 zähen Minuten. Und auch sein Chef Löw sagte deutlich: "Wir wissen, dass wir da in den nächsten Monaten schon noch einige Arbeit vor uns haben, um wieder auf das Niveau wie bei der WM zu kommen."

Wie die Korrekturen beim amtierenden Weltmeister bis zum Start der Fußball-Europameisterschaft am 10. Juni 2016 konkret aussehen sollen, wollten und konnten Trainer und Spieler nach dem mühevollen 2:1-Sieg gegen den Weltranglisten-110. Georgien noch nicht näher erläutern. Auf Knopfdruck wird das kaum gelingen. "Der Schnitt liegt jetzt bei sieben oder acht Torchancen, die wir brauchen", beklagte Löw erneut die fehlende Effizienz des deutschen Spiels, rätselte aber selbst: "Unsere Spieler haben schon Vollstreckerqualitäten, Marco Reus, Thomas Müller oder André Schürrle normalerweise."

Doch gerade die ließen vor 43.630 unzufriedenen Zuschauern in der ausverkaufen Arena in Leipzig den Punch vermissen, obwohl sie sich den Gegner gleich serienweise an den Seilen zurechtgestellt hatten. Allein der Dortmunder Reus versemmelte in der kalten sächsischen Herbstnacht ein halbes Dutzend vorzüglicher Tormöglichkeiten. "Im Verlaufe des Spiels hat sich dann ein gewisser Frust breitgemacht. Der Gegner bleibt in dieser Situation wach, weiß, wir können vielleicht mit einer Aktion einen Gegenschlag machen", versucht sich Löw an einer Erklärung. Englands Fußballlegende Gary Lineker hingegen hat seine ganz eigene Begründung für den schwachen Auftritt der DFB-Elf: "Ich glaube, Deutschland veralbert uns nur ... außer sie sind plötzlich scheiße geworden."

Eine andere Erklärungsvariante wählt Manuel Neuer: den Gegner stark reden. "Man hätte schon denken können, dass das nicht Georgien ist, sondern Italien oder Frankreich", bemerkte Neuer. Der Welt-Torhüter verhinderte mit zwei Weltklasse-Paraden, dass Deutschland sogar noch in Gefahr geriet, in die Playoffs zu müssen. Erst Bayern-Stürmer Robert Lewandowski mit seinem 2:1 für Polen gegen Irland, dann Max Kruse mit dem DFB-Siegtreffer bannten schließlich diese Gefahr. "Ich habe den Ball ganz gut getroffen und zum Glück ist er reingegangen", sagte der Torschütze.

Löw ist nicht zufrieden

"Wir haben jetzt die Gruppe gewonnen, damit können wir sicherlich zufrieden sein. Mit den letzten zwei Spielen kann ich und bin ich nicht zufrieden, das muss man mit aller Klarheit sagen. Wie wir gespielt haben gegen Irland und Georgien, das ist nicht unser Anspruch", fasste Löw die Ausscheidungsrunde zusammen: "Es war in dieser Qualifikation so schwierig wie nie in den letzten zehn, zwölf Jahren. Der Weg war kein einfacher."