Der Start der deutschen Nationalelf ins Länderspieljahr 2019 fällt mit dem Remis daheim gegen Serbien vom Ergebnis her unbefriedigend aus. Bundestrainer Joachim Löw spricht trotzdem von einem "guten Signal" und ist froh, Leroy Sané nicht schwer verletzt verloren zu haben.

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Fragen an Bundestrainer Joachim Löw in der Pressekonferenz nach dem 1:1 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zum Jahresauftakt am Mittwochabend in Wolfsburg gegen Serbien.

Wie fällt Ihr Fazit aus nach dem Remis zum Jahresstart?

Joachim Löw: "Wir haben zwei unterschiedliche Halbzeiten gesehen. In der ersten war es für unsere Mannschaft nicht so einfach, vor allem auch nach dem Rückstand.

Man hat gemerkt, dass doch gegen relativ tief stehende Serben so manche Automatismen noch nicht vorhanden waren.

Was sehr positiv war, und da hat die Mannschaft ein sehr gutes Signal ausgesendet, dass wir in der zweiten Halbzeit in der Lage waren, das Spiel größtenteils absolut zu bestimmen. Wir haben uns viele Chancen im Spiel erarbeitet. Wir haben druckvoll nach vorne gespielt."

Was hat Ihnen gut gefallen?

"Die Mentalität der Mannschaft, die so noch nicht zusammengespielt hat, war sehr gut. Das war ein deutliches Signal. Die Erfahrungen in der ersten Halbzeit müssen wir machen, aber mit der zweiten Halbzeit bin ich absolut zufrieden. Was die Chancen betrifft und das Übergewicht, hätten wir das Spiel gewinnen müssen."

Wurden ihre Anforderungen in der zweiten Halbzeit schon komplett erfüllt?

"Das kam dem schon nahe. Da haben wir auch mit viel mehr Tempo gespielt, wir waren viel präsenter. Das hat unsere Gefährlichkeit immens erhöht."

Wie haben Sie das Foul an Leroy Sané gesehen?

Der Serbe Milan Pavkov, hinten, tritt Deutschlands Stürmer Leroy Sané am 20. März 2019 in Wolfsburg im Testspiel auf Höhe der Mittellinie rüde um.

"Das war in so einem Testspiel an der Mittellinie ein ganz, ganz übles Foul. Der Trainer hat sich bei mir entschuldigt. Das ist eine Situation, da kann er sich auch den Fuß brechen. Aber ihm ist nichts passiert."

Sie haben gesagt, der Fokus liegt auf Holland. Haben Sie deshalb experimentiert?

"Ich wollte einigen Spielern die Möglichkeit geben, sich zu zeigen. Was ein Marco Reus, ein Toni Kroos oder ein Toni Rüdiger können, weiß ich, sie sind schon länger bei uns.

Ich wollte gewisse Erkenntnisse sehen, wie so eine junge, unerfahrene Mannschaft sich auf dem Platz verhält, wie sie reagiert und was jeder individuell zu zeigen in der Lage ist. Einen Toni Kroos und diese Kräfte brauchen wir dann schon am Sonntag."

Wie wollen Sie die schon lange schlechte Chancenverwertung beheben?

"Konsequenz ist ein Thema. Das war die Erkenntnis schon im letzten Jahr. Konsequentes Agieren im Verteidigen vor dem Tor, zum Beispiel bei der Standardsituation vor dem Tor.

Genau das Gleiche betrifft unsere Konsequenz im Abschluss. Wir haben uns sehr viele Möglichkeiten herausgespielt, ähnlich wie in Paris gegen Frankreich und gegen die Niederlande. Am Ende stehen wir mit leeren Händen da. Diese Dinge müssen wir nochmal ansprechen."

Marco Reus brachte die Wende. Wie sehen Sie seine Entwicklung?

"Marco hat uns leider wahnsinnig häufig gefehlt, so dass er sehr selten in den letzten sieben, acht Jahren bei der Mannschaft war. Wenn man seine Qualitäten und seine große Klasse als Maßstab nimmt, hätten wir ihn in vielen Spielen gebrauchen können. Er ist sicherlich reifer geworden, weil er mehr Verantwortung übernimmt. Er hat ein sehr gutes Standing und genießt Respekt."

Hilft ihm die Kapitänsbinde in Dortmund auch beim DFB-Team?

"Ich denke, dass es ihm schon hilft, in Dortmund als Kapitän aufzulaufen. Das prägt einen Spieler. Dann weiß er, dass er ein Sprachrohr der Mannschaft ist.

Auf dem Platz will Marco immer den Ball, egal bei welchem Spielstand. Marco übernimmt immer Verantwortung. Er hat einen Prozess durchlaufen zu einem gestandenen Spieler, der, egal in welchem Spiel, keine Nervosität kennt."

Haben Sie überhaupt genug Zeit, die Mannschaft auf das Spiel in Holland einzustellen?

"Jetzt haben wir schon zwei, drei Tage Zeit, mit Training und Regenerationstraining. Wir werden jetzt das Spiel unter die Lupe nehmen, aber ab Freitag beginnt die Vorbereitung.

Das heißt viele Gespräche führen, Situationen aufzeigen, der Mannschaft und einzelnen Spielern. Was können wir besser machen? Wo waren die Fehler? Daran müssen wir arbeiten. Dann bleiben uns noch zwei Einheiten für das taktische Arbeiten. Das ist nicht viel, aber in Gesprächen und Sitzungen können wir uns schon einiges aneignen.

Wir müssen uns mit Holland noch auseinandersetzen. Der Gegner ist uns mehr vor Augen als Serbien."

Wird Manuel Neuer gegen Holland im Tor stehen?

"Davon kann man ausgehen."

Und wie stehen die Chancen von Marc-André ter Stegen?

"Marc wird im Laufe des Jahres in einigen Spielen auf seine Einsätze kommen."

Ilkay Gündogan war in der zweiten Halbzeit Kapitän. Eine besondere Geste?

"Auf jeden Fall ist er der erfahrenste Spieler auf dem Platz gewesen, nachdem Manuel Neuer raus ist. Er war ja schon 2011, 2012 bei der Mannschaft. Bei ihm war es ein bisschen wie bei Marco Reus. Er war oft verletzt. Er hat die meiste Erfahrung, deswegen war er Kapitän in der zweiten Halbzeit."

Wie fanden sie Lukas Klostermann bei seinem Debüt?

"Ich fand, er hat ein richtig gutes Spiel gemacht auf der rechten Seite. Da bin ich froh, dass er einen so guten Einstand hatte. Denn das ist nicht so selbstverständlich." (dpa/hau)

"Ganz ganz übles Foul" an Leroy Sané: Bundestrainer Joachim Löw hatte die schlimmsten Befürchtungen

Leroy Sané habe sich nicht verletzt. Das war für Joachim Löw nach einem unnötig harten Einsteigen des Serben Milan Pavkov im Test-Länderspiel in Wolfsburg die wichtigste Erkenntnis. Pavkov habe riskiert, Sané den Fuß zu brechen. Löws Kollege Mladen Krstajic entschuldigte sich für die hässliche Szene. © DAZN
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