Trennungen sind offensichtlich nicht Joachim Löws Ding. Wen der Bundestrainer nicht mehr braucht, den serviert er ab - das ist der zumindest Eindruck, der in der Öffentlichkeit entsteht. Aktuelle Beispiele sind Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller. Aber schon bei Michael Ballack damals blieb ein fader Beigeschmack.

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Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller sind zweifelsohne Spieler, die sich um die Nationalmannschaft große Verdienste erworben haben. Gemeinsam wurden sie 2014 in Brasilien Weltmeister und haben das zurückliegende Jahrzehnt fußballerisch mitgeprägt.

Joachim Löw jedoch ist der Meinung, das beim FC Bayern München unter Vertrag stehende Trio könne ihm in der Nationalmannschaft nicht mehr weiterhelfen. Seine Entscheidung verkündete der Bundestrainer via "Bild"-Zeitung, nachdem er sie den drei Spielern persönlich in München mitgeteilt hatte. Das verwundert gerade angesichts der Tatsache, dass längst viel nichtigere Anlässe wie neue Trikots wichtig genug sind, um dafür Pressekonferenzen einzuberufen.

Bundestrainer Joachim Löw wirft Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels aus der Nationalmannschaft

Joachim Löw krempelt die Nationalmannschaft um. Der Bundestrainer bestätigte der "Bild"-Zeitung, mit Beginn der Qualifikation zur EM 2020 nicht mehr auf ein verdientes Trio des FC Bayern München zu setzen. Die Länderspielkarrieren von Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng sind beendet. © ProSiebenSat.1

Mesut Özil tröstet Jerome Boateng

Die Art und Weise der Verabschiedung stößt nicht nur vielen Beobachtern und Fans auf. "Es tut mir leid, dass einer der besten deutschen Fußballer der letzten Jahrzehnte die Nationalmannschaft auf diese Weise verlassen muss." Mesut Özil schrieb dies auf Instagram über seinen Kumpel Jerome Boateng.

Boateng sei "ein wahrer Freund und eine großartige Person, auf und neben dem Platz." Mesut Özil und Boateng marschierten gemeinsam aus den Nachwuchsmannschaften des DFB bis zum WM-Titel.

Auch Özil hat seine eigene Geschichte mit Löw: Die Beziehung der beiden zerbrach nach der verkorksten WM 2018, Özil trat aus der Nationalelf zurück, seitdem herrscht Funkstille. Inzwischen hat sich auch Thomas Müller zu seinem DFB-Rauswurf geäußert.

Verletzter Michael Ballack verschwand schnell

Michael Ballack fiel einst wegen seiner schweren Knöchelverletzung vor der WM 2010 vom Thron des "Capitanos" direkt ins Aus.

Legendär sind die Berichte davon, wie Ballack seinen Kollegen während des Turniers in Südafrika auf Krücken im Trainingslager hinterherhumpelte, aber keinen Zugang mehr fand. Auch Philipp Lahm wollte die Kapitänsbinde nicht mehr hergeben. Löw sah das offenbar ähnlich: Ballack machte kein Spiel mehr in der Nationalmannschaft.

Ballacks Kumpel Torsten Frings war da schon nicht mehr dabei. Löw hatte Frings, der dafür ebenso wenig Verständnis aufbrachte wie Ballack, bereits zu Jahresbeginn 2010 in der Nationalelf den Stuhl vor die Tür gesetzt.

Dem "Stadionflüchtigen" Kevin Kuranyi wurde im Herbst 2008 seine Überreaktion zum Verhängnis, als Löw ihn - zunächst nur vorübergehend - aus dem Kader strich, nachdem Kuranyi in der Halbzeit eines Länderspiels das Stadion verließ.

Im Fall von Leverkusens Torjäger Stefan Kießling arbeitete Löw mit dem Mittel, sportliche Leistung und Empfehlungen aus den Medien zu ignorieren. Kießling gab die Nationalmannschaft 2013 genervt auf.

Hummels und Boateng posten

Bei Boateng, Hummels und Müller ist der Schmerz, aussortiert worden zu sein, derweil noch frisch. Boateng ließ die Welt per Instagram ebenso schnell wie trotzig wissen, "dass ich weiterhin auf höchstem Niveau spielen kann". Das werde er "auch in Zukunft zeigen".

Halt bietet aber immer auch die Familie. Hummels veröffentlichte nach Informationen der dpa eine Story auf Instagram mit einem Foto von sich und seinem einjährigen Sohn Ludwig. Darüber schrieb Hummels "Aufmunterer".

Boatengs Patentochter Mayla sprach Löw kurzerhand das Urteilsvermögen ab, zumindest, was die Leistungsfähigkeit ihres Patenonkels betrifft. "Kopf hoch! Die sind doch balla-balla", sagte die Siebenjährige in einem Clip, den Boateng laut AFP bei Instagram veröffentlichte - und die Kleine wissen ließ: "Danke, dass Du meinen Tag aufhellst, Mayla." (hau/dpa/AFP)

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Diese Nationalspieler dienten unter Joachim Löw aus

Vor diesem Moment graut jedem Trainer: Einem Spieler sagen zu müssen, dass es für ihn nicht mehr reicht. Jede Kadernominierung für eine WM oder eine EM bringt für Bundestrainer Joachim Löw schlaflose Nächte mit sich, weil er Turnier-Kandidaten aussortieren und daheim lassen muss. Schlimmer ist nur noch, Nationalspieler gänzlich auszusortieren. Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller sind in dieser Reihe nur die jüngsten "Opfer".