Stefan Kuntz und Oliver Bierhoff hatten es bereits gesagt: Dem DFB-Nachwuchs fehlt Qualität. Nun schlägt auch der Sportliche Leiter beim Deutschen Fußball-Bund Alarm.

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Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) läuft es nicht. Weder bei der A-Nationalmannschaft, geschweige denn beim Nachwuchs.

Wären es lediglich die zuletzt erzielten Ergebnisse, die dem DFB Sorgen bereiten, hätten die Verantwortlichen des größten Fußballverbandes der Welt schon genug zu tun. Doch das Problem ist offenbar weitaus größer.

Chatzialexiou: "Haben nicht die hohe Qualität wie andere Nationen"

Joti Chatzialexiou, Sportlicher Leiter Nationalmannschaften, mahnt beim DFB-Nachwuchs einen Qualitätsabfall an. "Wir sind bereits lange im Nachwuchsbereich tätig, kennen alle Jahrgänge in- und auswendig, haben viele Vergleiche zu früheren Zeiten und merken einfach, dass sie nicht die hohe Qualität haben wie in einigen anderen Nationen", sagte Chatzialexiou dem "kicker" am Donnerstag.

Joti Chatzialexiou, Sportlicher Leiter Nationalmannschaften

Der Sportliche Leiter ist verärgert: Zum zweiten Mal musste sich der DFB-Nachwuchs am Dienstag den Belgiern in der laufenden EM-Qualifikation geschlagen gegeben (2:3 und 1:4) - und gab damit die Tabellenführung aus der Hand. Die Mannschaft von Trainer Stefan Kuntz droht die EM-Endrunde im kommenden Jahr in Ungarn und Slowenien zu verpassen.

"Ich bin mit allen aktuellen Ergebnissen unserer Teams unzufrieden. Die Ergebnisse sind ein Abbild der Entwicklung im deutschen Nachwuchsfußball, da mache ich mir Sorgen", sagte Chatzialexiou weiter.

DFB ist bereit, größere Schritte zu gehen

Der DFB habe das Problem "schon lange erkannt". Es gehe nun darum, viele kleine Dinge zu verändern, aber auch größere Schritte zu gehen.

Die sollen wie folgt aussehen: "Wir sehen, dass andere Nationen Spieler mit einer gewissen Waffe und Stärke entwickeln, die spielentscheidend sein kann und das auch noch in einer größeren Breite", so Chatzialexiou.

Und weiter: "Ich sehe es als unsere Aufgabe an, also meine, die von Meikel Schönweitz (Cheftrainer der U-Mannschaften, Anm d. Red.), unserer Trainer, aber natürlich auch gemeinsam mit den Vereinen, in denen die tägliche Ausbildung erfolgt, Spieler für die A-Mannschaft zu entwickeln, die in der internationalen Spitze nicht nur mithalten, sondern Akzente setzen können. Idealerweise so viele wie möglich, damit Bundestrainer Jogi Löw eine breite Auswahl hat."

Doch das ist einfacher gesagt, als getan: "Aktuell ist dieses Ziel äußerst gefährdet, wenn ich mir unsere Spiele und vor allem unsere Art und Weise anschaue. Deswegen brauchen wir unbedingt Veränderungen in unserem Ausbildungssystem, im Bereich der Trainerentwicklung, müssen neue Wege gehen", sagte Chatzialexiou.

Diese würden im "Projekt Zukunft" bereits seit 2018 erarbeitet. Und trotz der Negativ-Schlagzeilen betonte Chatzialexiou, dass "wir in Deutschland weiterhin hohes Potenzial haben".

Nachwuchsspielern fehlt die Spielpraxis

Doch die Frage nach der Ursache des Problems bleibt. Chatzialexiou sieht etwa Gründe für die Niederlage der U21 gegen Belgien darin: "Ein entscheidender Unterschied ist, dass unsere Talente generell zu wenig Spielpraxis bekommen. Damit fehlen ihnen entscheidende Erfahrungen."

Ähnliches hatte Kuntz bereits im März bemängelt: Es gibt immer weniger hoffnungsvolle Talente, denen der Durchbruch in die Elite gelingt. Oder Oliver Bierhoff, Direktor beim DFB, sagte einmal: "Bis zur Europameisterschaft 2024 sind wir noch gut aufgestellt, die Jahrgänge 95 bis 99 sind stark." Doch anschließend drohe eine Delle. Nun ist sie offenbar gegenwärtig.

Verwendete Quellen:

  • kicker.de: Chatzialexiou: "Unsere Jahrgänge haben nicht die Qualität wie in anderen Nationen"