Mario Basler, Lothar Matthäus und Stefan Effenberg bewerben sich seit Jahren erfolglos um einen Posten bei einem Bundesligisten. Basler selbst glaubt zu wissen, woran es liegt, dass es bisher nicht geklappt hat. Aber was ist dran an seiner Argumentation?

Sie sind erfahrene Bundesligaspieler, haben unzählige Titel gewonnen und werden gerne von den Medien als Experten zitiert. Ein Lebenslauf, der eigentlich prädestiniert sein sollte für die Arbeit als Trainer bei einem deutschen Bundesligaverein.

Und doch finden Mario Basler, Lothar Matthäus oder auch Stefan Effenberg keine Anstellung bei einem deutschen Erst- oder Zweitligaverein.

"In Deutschland traut sich keiner, Mario Basler zu verpflichten. Ich sage halt immer, was ich denke. Es ist ausgeschlossen, dass ich einen Zweit- oder Erstligisten trainiere", sagte Basler selbst am Wochenende der "Bild".

Der 48-Jährige hat gerade sein Debüt als Trainer des Fünftligisten Rot-Weiß Frankfurt gegeben. Seine bisherigen Stationen lesen sich ähnlich unglamourös: Jahn Regensburg (damals noch Regionalligist), Eintracht Trier und Wacker Burghausen.

Basler: "Leute denken, bin zu unbequem"

Über die dritte Liga ging es für den Europameister von 1996 also nie hinaus und das liegt laut Basler selbst nicht etwa an seiner Erfolglosigkeit bei seinen bisherigen Trainerstationen.

"Das geht Stefan Effenberg oder Lothar Matthäus genauso. Uns wollen sie in Deutschland halt nicht. Wir sind vermutlich von unserer Persönlichkeit zu stark für die Klub-Bosse", meint Basler in der "Bild". Die Leute würden immer noch denken, er sei vor allem zu unbequem und zu wenig diplomatisch.

Aber lassen sich Basler, Effenberg und Matthäus überhaupt in einen Topf werfen? Ihre Gemeinsamkeit ist natürlich offensichtlich. Alle drei scheinen für renommierte Bundesligaklubs verbrannt zu sein, noch bevor sie überhaupt einen trainiert haben.

Bei Basler mag seine Eigenanalyse auch tatsächlich zutreffen - in Teilen zumindest. Der ehemalige Offensivspieler galt schon als aktiver Spieler als Enfant terrible - und er pflegt dieses Image bis heute.

Das manifestiert sich bei Basler vor allem über das Rauchen. Seiner Stimme hört man an, dass er schon als Spieler lieber qualmte als Extraschichten im Fitnessstudio zu schieben. In seinen ersten Pressekonferenz als neuer Trainer von Rot-Weiß Frankfurt wird er prompt darauf angesprochen und stellt in aller Deutlichkeit klar: "Und jetzt nochmal für alle: Ich rauche nach wie vor."

Basler als Trainer schwer vermittelbar

Für Bundesligaspieler, die heute mehr denn je auf ihre Gesundheit achten, dürfte ein solcher Trainer tatsächlich schwer vermittelbar sein.

Natürlich gibt es auch andere Trainer, die rauchen. Carlo Ancelotti ist beispielsweise so einer. Auch Deutschlands Nationaltrainer Jogi Löw gehört dazu. Der Unterschied: Sie gehen mit ihrer Raucherei diskret um. Und sie haben Erfolge wie den Gewinn der Champions League oder der Weltmeisterschaft vorzuweisen.

Basler hingegen war bei seinen bisherigen Engagements notorisch erfolglos. Und einen Wandel zum Asketen wie Thomas Tuchel würde ihm nach Jahren des zur Schau gestellten ungesunden Lebenswandels auch niemand abnehmen.

Stefan Effenberg wird langsam seriös

Stefan Effenberg ist Mario Basler gar nicht so unähnlich. Auch er ist in seiner aktiven Zeit nicht nur auf dem Platz aufgefallen. Komische Frisuren, Frauengeschichten, Mittelfingerskandale, Großkotzinterviews und Alkoholfahrten - Effenberg hat nun wirklich nichts anbrennen lassen. Und das hängt dem Liebling der Boulevardzeitungen bis heute nach.

Dennoch hat es Effenberg geschafft sich eine halbwegs seriöse Rolle in der Fußballwelt zurückzuerarbeiten.

Als TV-Experte lässt er sich zwar immer noch ab und zu einen markigen Spruch hinreißen, im Großen und Ganzen ist es in den vergangenen Jahren jedoch deutlich ruhiger um den "Tiger" geworden.

Wahrscheinlich traute sich der SC Paderborn deshalb 2015 auch, Effenberg als Trainer zu verpflichten.

Riesiges Medienecho bei Paderborn-Vorstellung

Das Medienecho bei Effenbergs Vorstellung zeigte jedoch deutlich: Die Fußballwelt vergisst nicht. Sämtliche Skandale Effenbergs wurden wieder ausgegraben, Medienvertreter aus ganz Deutschland fanden sich bei seiner Vorstellung in Paderborn ein. Dass sich Effenberg selbst mit den Worten "Ich bin es wirklich" vorstellte, tat für den Hype dieser ersten Wochen sein Übriges.

Jeden anderen Bundesligaverein dürfte dieses Bohei eher abgeschreckt als angesprochen haben. Ein Klub hat schließlich kaum Interesse daran, dass der Trainer derart im Fokus steht. Ruhiges Arbeiten sieht anders aus.

Nach nicht mal einem halben Jahr war dann für Effenberg auch schon wieder Schluss. Wegen anhaltender Erfolgslosigkeit und dem Vorwurf, seine Spieler nicht im Griff zu haben, wurde er beim damaligen Zweitligisten vor die Tür gesetzt.

Effenbergs Selbstbewusstsein hat unter dem Rauswurf jedoch nicht gelitten. Im Januar diesen Jahres erklärt er im Interview mit dem "kicker" vollmundig: "Auch ich habe ein zweite Chance verdient". Und: "Bayern ist immer interessant, für jeden".

Matthäus: Oft im Gespräch, geklappt hat es nie

Sich selbst bei den Bayern ins Gespräch zu bringen hat Lothar Matthäus schon vor zehn Jahren versucht. Nach seinem Rauswurf als Co-Trainer bei RB Salzburg 2007 sagte er: "Ich bin ein Kind der Bundesliga, so sehe ich mich, und deshalb möchte ich auch gern dahin zurück. Ich würde mir den FC Bayern schon zutrauen."

Zehn Jahre später hat er noch immer keinen Bundesligisten trainiert. Dabei hat er tatsächlich Trainererfahrung im höherklassigen Bereich vorzuweisen. Neben seiner Co-Trainertätigkeit unter Giovanni Trapattoni in Salzburg hat Matthäus schon unter anderem Rapid Wien und die Nationalmannschaften von Ungarn und Bulgarien trainiert.

Sein letztes Trainerengagement ist jedoch auch schon wieder sechs Jahre her.

Das liegt jedoch nicht daran, dass ihn die Vereine nicht auf dem Schirm hätten. Dafür sorgt Matthäus im Normalfall schon selbst.

Beim 1. FC Nürnberg wurde es 2016 sogar richtig ernst. Die Gespräche waren fortgeschritten. Die Franken waren bereit sich auf das Experiment Matthäus einzulassen. Doch noch bevor der ehemalige Bayernspieler sein Servus unter den Vertrag setzen konnte, machte der "Club" einen Rückzieher.

Die Begründung: "Der Trainerwechsel soll bei uns neben der sportlichen und menschlichen Komponente, die Lothar zweifelsohne hat, auch Euphorie auslösen. Und vor allem wieder bei unseren Fans den verloren gegangenen Kredit zurückgewinnen." Mehrere Fangruppen waren gegen Matthäus auf die Barrikaden gegangen.

Reality-Show war peinlich

Immer wieder wird dem ehemaligen Weltfußballer auch seine starke Medienpräsenz zum Verhängnis. Hätten sich seine Auftritte auf Sportsendungen beschränkt, hätte daran wohl kaum ein Verein etwas auszusetzen gehabt. Doch dank öffentlich ausgetragener Schlammschlachten mit seinen Ex-Frauen und die überaus peinliche Reality-Doku "Lothar - Immer am Ball" hat sich Matthäus selbst fast unverpflichtbar gemacht. Als potentielle Respektsperson ist er - so offenbar die Meinung vieler Vereine - nach all den intimen Einblicken in sein Privatleben nicht mehr tragbar.

Zu seiner Verteidigung muss man sagen, dass Matthäus offenbar aus den Fehlern seiner Vergangenheit gelernt hat. Seit seiner arg gefloppten Reality-Show hält sich Matthäus zurück. Dabei spielt sicherlich auch sein privates Glück eine große Rolle. Mit Anastasia Klimko, seiner fünften Ehefrau, hat der 56-Jährige endlich eine Frau an seiner Seite, die nicht selbst in die Öffentlichkeit drängt.

Privates bleibt endlich privat

Und auch beruflich läuft es gut. Als TV-Experte bei "Sky" wird Matthäus für seine klaren und fundierten Analysen geschätzt. Unlängst erhielt er sogar den Deutschen Sportjournalistenpreis als "meistzitierter Fußballexperte".

Es ist ein für ihn ungewohnter Weg, den Matthäus da in den vergangen Jahren und Monaten eingeschlagen hat. Sollte er es jedoch weiterhin schaffen, nur mit sportlichen Aussagen in den Boulevardmedien vertreten zu sein, könnte sein neues Verhalten ihm vielleicht tatsächlich die Türen bei dem ein oder anderen Bundesligaverein öffnen.

Im Triumvirat Basler, Effenberg, Matthäus hat der Weltmeister von 1990 damit die besten Chancen, dass sich sein Traum vom Job in der Bundesliga irgendwann doch noch erfüllt.