Dortmund (dpa) - Marco Reus hält dem abgestürzten Bundesligisten Borussia Dortmund die Treue. Der Fußballnationalspieler verlängerte trotz vermutlich zahlreicher Top-Offerten seinen bis 2017 datierten Vertrag beim BVB vorzeitig um zwei Jahre.

Sogar die bisherige Ausstiegsklausel ließ Reus streichen. Damit ist dem BVB im Abstiegskampf ein echter Coup geglückt. Bis vor wenigen Wochen schien ein Abschied von Reus angesichts der prekären Tabellensituation wahrscheinlich.

"Marco kann in Dortmund eine Ära prägen, so wie es vor ihm Uwe Seeler in Hamburg oder Steven Gerrard in Liverpool getan hat", kommentierte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke die Entscheidung.

Auch Reus ist von seinem Schritt überzeugt: "Ich bin sehr glücklich mit meiner Entscheidung für den BVB. Dortmund ist meine Heimatstadt, und die Borussia einfach mein Verein." Er freue sich auf eine erfolgreiche Zukunft mit dem Team "und unseren fantastischen Fans im Rücken."

Gemäß einer Ausstiegsklausel hätte der 25-Jährige den Revierclub zum Saisonende für 25 Millionen Euro verlassen können. Anders als die ehemaligen BVB-Profis Mario Götze und Robert Lewandowski, die in den vergangenen beiden Jahren zum FC Bayern gewechselt waren, denkt der gebürtige Dortmunder aber nicht an einen Abschied: "Es gibt viel zu tun, und da möchte ich kräftig mit anpacken!"

"Marco Reus hätte zu fast jedem Topclub auf der Welt wechseln können", machte Sportdirektor Michael Zorc aus seiner Genugtuung keinen Hehl. "Durch seine Entscheidung hat er gezeigt, dass sein Herz für seine Heimatstadt und für seinen Heimatverein schlägt. Er ist ein ganz wichtiger Baustein für Borussia Dortmunds sportliche Zukunft."

Die Aktie des börsennotierten Clubs zog angesichts der Nachricht an. Gegen Mittag legte die Aktie um zeitweise 2,18 Prozent auf 4,03 Euro zu.

Die Entscheidung von Reus gilt auch als wichtiges Signal im Abstiegskampf. Erst am Wochenende hatten die Westfalen durch ein 3:0 beim SC Freiburg die direkten Abstiegsplätze verlassen. Allerdings nimmt Reus nun in Kauf, in der nächsten Saison international nicht vertreten zu sein.

"Dass sich Marco inmitten einer sportlichen Krise für den BVB entschieden hat, zeigt ein Höchstmaß an Identifikation, auf das wir sehr stolz sind", ergänzte Watzke.

Reus war 2012 für 17 Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach zum BVB gewechselt. In den bisherigen drei Spielzeiten für die Westfalen entwickelte sich der Offensivstar zum Leistungsträger und Publikumsliebling. So erzielte Reus in 72 Bundesligaspielen insgesamt 34 Tore für den BVB.

Von den Verantwortlichen hatte erhielt Reus die hundertprozentige Unterstützung erhalten, als er Ende des Jahres in die Negativschlagzeilen geraten war. Reus war seit Jahren ohne Führerschein gefahren, wofür er eine satte Geldbuße von 540 000 Euro bezahlen musste. Es war der Tiefpunkt nach einem enttäuschenden Jahr 2014 mit zahlreichen Verletzungen, die ihn auch um den WM-Triumph mit der deutschen Nationalmannschaft gebracht hatten.