Als Turnierchef der EM 2024 tritt Philipp Lahm in die Fußstapfen von Franz Beckenbauer. Steigt der ehemalige Außenverteidiger somit zur nächsten Lichtfigur des deutschen Fußballs auf?

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In sechs Jahren trägt Deutschland das nächste "Sommermärchen" aus. Der Zuschlag für die Austragung der Europameisterschaft 2024 hat für Begeisterung gesorgt - vor allem bei Philipp Lahm.

"Wir können gemeinsam in Europa ein großes Fest feiern - und das auch noch bei uns zu Hause", sagt der 34-Jährige auf "DFB.de". "Wir haben tolle Stadien. Wir haben Zuschauer, die Fußball lieben. Wir sind gastfreundlich und offen, und das wollen wir zeigen. Wir haben uns viel vorgenommen, wir wollen das teilen und alle mitnehmen."

Lahm wird das Gesicht dieser Europameisterschaft sein. Nachdem er bereits als Botschafter am Bewerbungsverfahren beteiligt war, soll er nun auch als deutscher Organisationschef bei der EM Verantwortung übernehmen.

"Es war von Beginn meiner Tätigkeit als Botschafter für die EM 2024 an mein Wunsch, langfristig Verantwortung zu übernehmen", sagte der DFB-Ehrenspielführer im Kicker. "Die neue Aufgabe als Turnierchef bietet mir eine sehr interessante Möglichkeit dazu."

Ist Lahm der neue Beckenbauer?

Philipp Lahm tritt damit praktisch die Nachfolge von Franz Beckenbauer an, der bei der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land Präsident des Organisationskomitees war. Wird Lahm somit auch die neue Lichtgestalt des deutschen Fußballs?

Gemeinsamkeiten zwischen Lahm und Beckenbauer liegen auf der Hand: Beide führten in ihrer aktiven Zeit die deutsche Nationalmannschaft zum WM-Titel, beide haben die Geschichte des FC Bayern München geprägt, beide sind sehr sozial engagiert und haben eine eigene Stiftung. Kurzum: Lahm zählt wie Beckenbauer zu den bedeutsamsten Persönlichkeiten unserer Fußballgeschichte.

Gleichwohl sind beide aber auch Querdenker, die keine Scheu davor haben, den Finger in die offene Wunde zu legen - selbst wenn sie damit anecken. Diesen Beweis trat Lahm erst im Sommer an, als er nach dem WM-Vorrundenaus der deutschen Nationalmannschaft den Führungsstil von Bundestrainer Joachim Löw kritisierte.

Lahm will kritisch bleiben

Auch als Spieler vertrat er immer seine Meinung, kritisierte 2009 in einem Interview sogar die Einkaufspolitik des FC Bayern München und kassierte dafür die bis dato höchste Geldstrafe der Vereinsgeschichte. Rückblickend bezeichnete er dies als "lohnende Investition". Ganz nach dem Motto: Was gesagt werden muss, muss eben gesagt werden.

In seinem Buch schreibt der DFB-Ehrenspielführer: "Ich bin kein Mensch, der Ärger sucht. Aber ich nehme Ärger in Kauf, wenn ich etwas damit bewirken kann."

Auch in seiner Rolle als OK-Chef ist davon auszugehen, dass er gegen den Strom schwimmen wird, wenn er mit bestimmten Gegebenheiten unzufrieden ist.

Im Interview mit dem "Handelsblatt" kündigte der 113-malige Nationalspieler an, auch im Bezug auf die Nationalmannschaft kritisch zu bleiben: "Ich werde das immer wieder tun, den Finger in die Wunde legen. Ich will, dass wir wieder erfolgreich werden. Wie soll das funktionieren? Und wie will ich, dass die Spieler auftreten?"

Neuer: "Philipp ist unser Vorzeigeprofi gewesen"

Lahm ist ein Mensch, der sich kaum von seinen Vorstellungen und Idealen abbringen lässt - zielstrebig sagen die einen dazu, unbelehrbar die anderen.

Der Ex-Profi weiß, dass sein Ehrgeiz auch von Nachteil sein kann. "Ich bin Sternzeichen Skorpion, von denen sagt man, sie seien ein bisschen stur. Das passt, glaube ich, ganz gut zu mir", sagte er einmal im Gespräch mit "Spiegel Online".

Sein langjähriger Mannschaftskamerad Manuel Neuer ist dennoch davon überzeugt, dass Lahm ein guter Turnierchef sein wird: "Philipp ist unser Vorzeigeprofi gewesen, unser Kapitän. Ich denke, alles was er macht, macht er sehr professionell."

Ist seine Funktion als OK-Chef nach der EM 2024 vorüber, hat er viele Karriereoptionen. Auch wenn er ein Jobangebot als Sportdirektor des FC Bayern München zunächst abgelehnt hat, steht die Tür laut Vereins-Boss Karl-Heinz Rummenigge weiter offen.

Funktionärsposten beim DFB?

Oder strebt Lahm eine Karriere als Funktionär beim DFB an? Rummenigge jedenfalls würde Lahm auch diese Rolle zutrauen und sagte bei "Sport 1": "Philipp hat diese Qualität, für einen Verband zu arbeiten. Es wäre vielleicht eine interessante Lösung, Philipp Lahm dort als Vize-Präsidenten zu installieren, um dem Präsidium ein Stück weit mehr Professionalität zu geben."

Doch ist der ehemalige Außenverteidiger überhaupt gewillt, sein ganzes Leben im Stil von Franz Beckenbauer nach dem Fußball auszurichten? Lahm ist vielseitiger interessiert, hat sich daher an fünf Unternehmen beteiligt - zum Beispiel an dem Lebensmittel-Unternehmen Schneekoppe und dem Pflegeprodukte-Hersteller Sixtus.

Lahm gibt nicht nur Geld, sondern bringt sich auch in das Tagesgeschäft ein, kennt laut eigener Aussage alle Mitarbeiter persönlich.

Ob da wirklich noch genug Zeit bleibt, um sich zur nächsten Lichtgestalt des Fußballs zu entwickeln, bleibt somit trotz aller Kompetenz abzuwarten.

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