Die älteste Ultragruppe der Alemannia Aachen hat sich aufgelöst. Die Meldung an sich mag nicht besonders aufregend klingen, die Begleitumstände, die zu diesem Schritt führten, sind dafür umso erschreckender. Denn die "Aachen Ultras" (kurz: ACU) wurden von rechten Anhängern des Drittligaklubs buchstäblich aus dem eigenen Stadion geprügelt.

Pyrotechnik, Nacktkontrollen, Gewalt im Stadion, Sicherheitspapiere - seit Monaten kennt der deutsche Fußball kaum andere Themen. DFL, DFB und Vereine haben dabei eindeutig falsche Prioritäten gestellt. Denn die schrittweise Unterwanderung des Fußballs durch rechtsextreme Gruppe ist ein sehr viel drängenderes Problem.

Die Ultras von Alemannia Aachen wurden jahrelang von den rechtsgerichteten Gruppe "Karlsbande Ultras" körperlich angegriffen, teilweise in der eigenen Kurve überfallen. Dass sie nun klein beigeben, stellt einen traurigen Präzedenzfall im deutschen Fußball dar. Dabei ist der ACU kein Vorwurf zu machen. Vielmehr wäre es am Verein gewesen, frühzeitig gegen die Anarchie auf den eigenen Rängen vorzugehen und die eigenen Fans zu schützen.

Leider kam von der Alemannia selbst nicht viel mehr als heiße Luft. "Vor der aktuellen Lage darf und wird der Verein seine Augen nicht verschließen", sagte Geschäftsführer Frithjof Krämer bei "spiegel.de" nach einem der vielen Vorfälle auf der Aachener Heimtribüne. Vielleicht hat der Klub hingeschaut, getan hat er jedenfalls nichts. Das mag daran liegen, dass die Alemannia gerade gegen die Insolvenz kämpft und damit sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Als Ausrede reicht das jedoch nicht.

Brauner Einfluss in den Kurven ist ein Problem mit dem nicht nur Alemannia Aachen zu kämpfen hat. Auch Borussia Dortmund musste unlängst einen vermeintlich rechtsextremen Ordner suspendieren. Immer wieder tauchen Banner mit Solidaritätsbekundungen für rechte Gruppierungen im Signal-Iduna-Park auf.

Der Deutsche Meister hat inzwischen in einer Stellungnahme Position gegen Rechtsradikalismus bezogen und Stadionverbote gegen einige Anhänger ausgesprochen. Diese Maßnahmen reichen jedoch im Kampf gegen Nazis in den Kurven bei weitem nicht aus. Jetzt sind auch DFL und DFB gefragt. Beide Verbände verhängen zwar schon eifrig Geldstrafen gegen Pyrotechnik - Rassismus und nationalsozialistisches Gedankengut bekämpfen sie jedoch nur mit Plattitüden. Hier müssen viel härter Strafen ausgesprochen werden! Es ist ein positives Zeichen, wenn die Kapitäne der Bundesligamannschaften vor einem Spiel "Botschaften" vorlesen, doch den "Aachen Ultras" hat es nichts genutzt.

Ein erstes Zeichen setzt Werder Bremen: Die Norddeutschen haben vor dem Rückrundenauftakt gegen Borussia Dortmund Stadionverbote gegen mehrere rechtsorientierte Fans des deutschen Meisters erlassen. Ein erster kleiner Schritt in die richtige Richtung!