Im Schatten der Krise von Borussia Dortmund und des FC Bayern gedeiht beinahe unbemerkt ein junges, zartes Pflänzchen, das uns allen Hoffnung macht. Hoffnung auf spannende Zeiten im deutschen Klubfußball, in dem ja nun schon seit einem Jahrzehnt nichts mehr los ist: Achtmal wurde in dieser Zeit der FC Bayern Meister, zweimal Dortmund.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk, Sportjournalist, Kolumnist

Kein Wunder, haben wir jetzt alle wochenlang über Kovac, Flick, Müller, Mentalität und Favre diskutiert und dabei ein bisschen außer acht gelassen, dass sich nebenher ein ganz besonderes und in jeder Hinsicht neues Führungstrio an der Spitze der Bundesliga-Tabelle formiert hat: Auf Platz eins steht nach einem knappen Drittel der Saison Borussia Mönchengladbach, auf Platz zwei RB Leipzig, Dritter ist der FC Schalke 04.

Junge Sportchefs zeigen Wirkung

Den Aufstieg dieser Vereine könnte man als Zufall abtun, nur der Krise der großen Zwei geschuldet. Aber das wäre zu kurz gesprungen – was, wenn sich hier gerade der Fußball der Zukunft etabliert und wir den Anfang einer Wachablösung erleben?

Was die These stützt: Keiner dieser Klubs arbeitet mehr mit herkömmlichen Mitteln. Zwei haben junge, eher unbekannte Sportchefs an die Ruder gesetzt - RB Leipzig mit Markus Krösche (39) sogar einen superjungen, Schalke 04 hat Jochen Schneider (49), Borussia Mönchengladbach (das am Samstag den FC Bayern empfängt) den nur scheinbar alten Hasen Max Eberl, der auch erst 46 ist.

U-50: Frischer Wind bei RB Leipzig, Gladbach und Schalke

Und alle drei hatten den Mut, junge Trainer zu verpflichten, verdammt junge: Leipzigs Julian Nagelsmann ist mit seinen 32 Jahren sowieso mit riesigem Abstand der Junior der Liga, Mönchengladbachs Marco Rose (43) der Viertjüngste, Schalkes David Wagner (48) steht auf Altersplatz acht.

Keiner in diesem Führungssextett war übrigens mal Welt-, Europameister oder Champions-League-Sieger, was ja bei Spitzenklubs nicht selten Anstellungsvoraussetzung ist - man macht das halt so. Alle haben sich hochgearbeitet. Keiner dieser sechs Sportchefs und Trainer ist schon 50 Jahre alt.

Ist das der Generationenwechsel, von dem wir so lange reden? Ist die Idee und das kreative Denken endlich wichtiger, als es Erfahrung und Titel sind? Mehmet Scholl sprach einmal abwertend von Laptoptrainern, Bayern-Manager Uli Hoeneß legte Wert auf die Feststellung, dass am Ende immer die erfahrenen, alten Trainer oben stehen.

Mit den Jungen spielst du schönen Fußball, mit den Alten gewinnst du Titel – vielleicht ist diese Zeit jetzt vorbei.

Mehr Fußballthemen finden Sie hier

Pit Gottschalk, 51, ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de/.
Fever Pit'ch ist der tägliche Fußball-Newsletter von Pit Gottschalk. Jeden Morgen um 6:10 Uhr bekommen Abonnenten den Kommentar zum Fußballthema des Tages und die Links zu den besten Fußballstorys in den deutschen Medien.

Das Entsetzen im deutschen Fußball ist groß: Bei der Europameisterschaft im Sommer (ab 12. Juni 2020) muss die Nationalmannschaft gegen Weltmeister Frankreich und Titelverteidiger Portugal ran. Kaum standen zwei der drei Vorrunden-Gegner fest, bekam die EM-Gruppe F ihr Etikett verpasst: "Todesgruppe". Man muss sich trotzdem keine Sorgen machen.