Jürgen Klopp wollte mit dem FC Liverpool wieder in die Spitzegruppe der Premier League zurückkehren. Nach wenigen Wochen der noch jungen Saison bleiben jedoch altbekannte Probleme, die mittlerweile zu teilweise harscher Kritik am Deutschen führen.

Jetzt also auch noch das Aus im Ligapokal. Der ist zwar nur ein Anhängsel der drei anderen großen Wettbewerbe Meisterschaft, Champions League und FA-Cup, und trägt derzeit den etwas merkwürdigen Namen Caraboa-Cup, er wurde einst als Worthless Cup verspottet, als wertloser Pokal. Aber man kann sich als Sieger über ihn immerhin für die Europa League qualifizieren. Und man holt sich natürlich Silberware ins Haus - wenn man ihn denn gewinnt.

Das hat sich für den FC Liverpool in dieser Saison schon wieder erledigt. Das 0:2 bei Leicester City bedeutete das erste frühe Aus in einem der vier Wettbewerbe für die "Reds".

Natürlich kann man bei einem Ligakonkurrenten ausscheiden, zumal der Spielverlauf überdies äußerst unglücklich war für Liverpool.

Jürgen Klopps Mannschaft dominierte den Gegner, vergaß aber dummerweise, zwei oder drei Tore zu schießen und wurde dann nach zwei Standardsituationen von den "Foxes" überrascht.

Es war das vierte Spiel in Folge ohne Sieg für Liverpool. Zuletzt gewann die Mannschaft Ende August beim fulminanten 4:0 gegen den FC Arsenal. Dann kam die Länderspielpause. Und seitdem ist vom tollen Liverpooler Start in die Saison nichts mehr geblieben.

Jürgen Klopp ist jetzt bald zwei Jahre im Amt an der Mersey. Die Euphorie um den Deutschen war sehr lange sehr außergewöhnlich. Fast schon heldengleich wurde Klopp von Teilen der Fans verehrt.

Dabei liest sich seine Bilanz bis zum heutigen Tag eher durchwachsen. In 73 Spielen holte Klopp mit seiner Mannschaft 132 Punkte, unter seinem Vorgänger Brendan Rodgers waren es in genau so vielen Partien 141 Punkte gewesen.

Kritik der Experten

Dazu kommen unerklärliche Leistungen wie zuletzt beim 0:5 gegen Manchester City, dem ersten Spiel nach der Gala gegen Arsenal. Seitdem geht kaum noch etwas, weshalb die Kritik nicht nur auf der Insel lauter wird an Klopp, an seinem Trainerteam und der Transferpolitik der "Reds".

"Reds"-Ikone Didi Hamann griff Klopp vor wenigen Tagen recht schroff an. Man sehe auch nach fast zwei Jahren keinerlei Entwicklung bei der Mannschaft.

Vor dem Spiel in Leicester attackierte Alan Shearer in seiner Kolumne in der "Sun" den Deutschen noch schärfer. "Liverpool ist unter Klopp kein Stück besser als unter Brendan Rodgers. Sie sind brillant im Spiel nach vorn, aber nicht so clever auf dem Weg nach hinten", schrieb Shearer.

Und weiter: "Ich frage mich, was Klopp auf dem Trainingsplatz macht, wenn sich die gleichen defensiven Fehler Woche für Woche wiederholen. Was ich am Wochenende gegen Burnley gesehen habe, war lächerlich." Liverpool hatte gegen Burnley nur ein 1:1 geholt.

Nun sind weder Shearer, der keine Minute seiner gewiss glanzvollen Laufbahn für die "Reds" gespielt hat, noch die "Sun" als Vorzeige-Kritiker für den FC Liverpool geeignet.

Die prinzipielle Tendenz der Kritik treffen die Aussagen der Alt-Vorderen aber im Kern schon. Liverpool kämpft nicht mit neuen Problemen, sondern einer sehr alten Malaise, die auch Klopp bisher nicht in den Griff bekommen hat.

"Das macht mich echt krank"

"Tore wie diese zu kassieren, macht mich echt krank", sagte Klopp auf der Pressekonferenz nach dem Leicester-Spiel und meinte damit die Art und Weise, wie sich seine Mannschaft nach einem Eckball und später einem Einwurf angestellt hatte.

Klopp hat die Defensive in seiner zweiten Saison zuletzt ein wenig stabilisiert. Aber jetzt hat die Mannschaft in neun Pflichtspielen in dieser Saison doch schon wieder 16 Gegentore kassiert. Und das reicht eben nicht für die höchsten Ansprüche.

Schon im Sommer war die eher zögerliche Haltung der Verantwortlichen auf dem Transfermarkt gerügt worden. Es kam kein neuer Innenverteidiger, dafür kamen zwei Rechtsaußen, ein Mittelstürmer und ein linker Verteidiger.

Etwas dünn für eine Mannschaft, die endlich ganz oben angreifen will. Vor allem wenn man bedenkt, wie kostspielig die Konkurrenz aus Manchester und London teilweise aufgerüstet hat.

"Es ist nicht so, dass wir andere Spieler ignoriert hätten - wenn es eine Lösung gegeben hätte, dann hätten wir sie angenommen. Ich musste eine Entscheidung treffen und habe beschlossen, dass meine Jungs nicht schlechter sind als die, die auf dem Markt sind", sagte Klopp.

Weg von eigenem Anspruch

Und trotzdem bleibt der Eindruck, dass die "Reds" in der Offensive zwar eine der aufregendsten Mannschaften der Liga sein können. Das defensive Personal aber lediglich gehobenes Mittelmaß darstellt.

Und wenn dann die Defensivabläufe nicht stimmen oder einzelne Spieler in einen unerklärlichen Sekundenschlaf fallen, werden diese Fehler eben nicht mehr von der individuellen Stärke von Weltklasseverteidigern aufgehoben.

Für die "Reds" und Jürgen Klopp stehen ganz entscheidende Spiele an. Es müsste schon einiges passieren, wenn Klopp an der Anfield Road einmal in Frage gestellt werden sollte. Eigentlich sind Debatten dieser Art in Liverpool kaum erlaubt.

Aber der eigene Anspruch kann es ja auch nicht sein, "nur" einen über die Maßen beliebten Trainer zu haben, der fest im Sattel sitzt. Der Anspruch ist, endlich wieder einzudringen in die Phalanx der Manchester-Klubs und des FC Chelsea.

Aber davon sind die "Reds" derzeit eben auch ein ganzes Stück entfernt. Nach fünf Spieltagen beträgt der Rückstand auf Manchester City und Manchester United an der Spitze schon wieder fünf Punkte.