In der Bundesliga ist ein Kampf entbrannt, bei dem die Vereine mit viel Geld um die größten Talente und zukünftigen Stars buhlen. Der FC Bayern mischt dabei kräftig mit und wirbt offensiv um das Gladbacher Eigengewächs Sinan Kurt.

Eigentlich hätte die Saisonvorbereitung für den Gladbacher Offensivspieler Sinan Kurt der langersehnte Schritt in Richtung Profikader und Bundesliga sein sollen. Stattdessen trainiert er weiter bei den Amateuren von Borussia Mönchengladbach - und das freiwillig. Die Einladung des Vereins, zusammen mit den Profis ins Trainingslager zu fahren, schlug das Gladbacher Ausnahme-Talent sogar aus.

Auch auf das offizielle Mannschaftsfoto mit dem Gladbacher Erstliga-Kader legte Kurt keinen Wert. Der 18-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass er unbedingt zum FC Bayern wechseln möchte - so schnell wie möglich. Gladbachs Manager Max Eberl hoffte, den Offensivallrounder halten zu können, und zeigt sich in der "Bild" über dessen Verhalten nun verärgert: "Eine Frechheit, wie er mit uns umgeht."

Gladbach möchte finanziellen Profit schlagen

Ein Wechsel scheint nur noch eine Frage der Zeit und des Geldes zu sein. Obwohl der 18-Jährige noch keine Minute bei den Gladbacher Profis mitgewirkt hat, boten die Münchner nach Angaben der "Bild" jüngst zweieinhalb Millionen Euro für den Deutsch-Türken. Die Zeiten, in denen kleinere Vereine ihre Nachwuchsspieler behutsam an die erste Mannschaft heranführen konnten, sind offenbar lange vorbei. Heute werben die Vereine mit viel Geld um die jungen Talente, sobald sich deren Sprung ins Profigeschäft abzeichnet.

Von der jahrelangen Ausbildung für Kurt werden die Gladbacher in sportlicher Hinsicht wohl nicht viel haben, daher wollen die Verantwortlichen um den Gladbacher Manager Eberl laut der "Sport Bild" aus dem Transfer das Maximale rausholen: "Wenn Bayern so ein großes Interesse hat, dann ist es an ihnen, das auch entsprechend finanziell zu untermauern." Demnach fordern sie für ihren Nachwuchsspieler, der sämtliche Jugendmannschaften in Mönchengladbach durchlief, rund fünf Millionen Euro.

Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge verriet, dass die Bayern von nun an dauerhaft auf eine Mischung aus erfahrenen Spielern und Talenten setzen möchten: "Pep will 18 Topspieler und fünf oder sechs Talente." Auch andere Bundesligamannschaften schielen auf die Spieler mit einer vielversprechenden Zukunft. Bayer 04 Leverkusen verpflichtete kürzlich den 18-jährigen Mittelfeldspieler Levin Öztunali vom HSV und sicherte sich davor bereits die Dienste von Julian Brandt, der vor wenigen Tagen mit der deutschen U19-Nationalmannschaft Europameister wurde.

Der FC Schalke zahlte dem VfL Bochum im vergangenen Sommer für ihr damals 18 Jahre altes Eigengewächs Leon Goretzka mehr als drei Millionen Euro. Dieser Summe ging ein regelrechter Kleinkrieg voraus, in dessen Verlauf sich Goretzka weigerte, weiterhin für Bochum zu spielen.

ManUtd zahlt 37,5 Millionen Euro für einen 18-Jährigen

Während man sich in Deutschland noch erstaunt darüber zeigt, dass Vereine für blutjunge Talente millionenschwere Ablösesummen zahlen, ist diese Praktik in den anderen europäischen Ligen schon seit geraumer Zeit üblich. Dort wechseln in jeder Transferperiode Nachwuchsspieler für Millionenbeträge die Vereine. Manchester United knackte in dieser Transferperiode sogar den Ablöserekord für einen U19-Spieler. Für umgerechnet 37,5 Millionen Euro lockten sie Luke Shaw, der in Southampton zum Linksverteidiger ausgebildet wurde und dort seine ersten Schritte im Profifußball machte, nach Manchester.

Glaubt man den Medienberichten, steht der Fußballwelt schon die nächste Aufregung bevor: Der neue gefeierte Wunderknabe Martin Odegaard aus Norwegen kommt bereits für den Profiverein Stromsgodset in der ersten norwegischen Liga zum Einsatz. Vater Hans Erik Odegaard bestätigte der norwegischen Zeitung "Verdens Gang", dass schon die ersten Vereine für seinen Sohn Schlange stehen: "Wir haben über 30 Anfragen." Ganz billig wird das für die Interessenten aber nicht: Mit 15 Jahren liegt sein Marktwert nach Angaben von "Transfermarkt.de" bereits bei 1,5 Millionen Euro. Tendenz steigend.