Sami Khedira verlässt Real Madrid. So viel ist klar. Wohin er wechseln wird, hat der Weltmeister noch nicht verraten. Die Interessenten haben klangvolle Namen, kommen aus England und der Bundesliga. Ein Klub buhlt besonders um den Mittelfeld-Star. Der Transfer-Check.

Sami Khedira hat gesprochen. Ja, er wird Real Madrid zum Saisonende verlassen. Aber nein, nicht, weil der 27-Jährige das will. Sondern, weil die Königlichen seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängern werden. "Es wird schwer für mich, diesen Klub zu verlassen", sagte der Weltmeister der spanischen "Marca".

Dabei hat er seit Monaten keinen leichten Stand beim Champions-League-Sieger. An Toni Kroos, Isco und Luka Modric kommt er nicht vorbei. Verletzungen warfen ihn zurück. In dieser Saison stand er nur in zehn Pflichtspielen von Beginn an auf dem Platz. "Das ist für meinen Anspruch absolut unbefriedigend", sagte er zuletzt.

Bei den Fans gilt er als unbeliebt, sie verehren Ballvirtuosen und keine Arbeiter. Im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Schalke gnadenlos aus. "Sie haben schon gepfiffen, als ich eingewechselt wurde", sagte er. Real serviert ihn ab, erwähnte ihn nicht in einem Tweet zum Spiel des DFB-Teams gegen Australien - obwohl er den Weltmeister als Kapitän aufs Feld führte. "Ich muss ruhig bleiben, um aus diesem Teufelskreis herauszukommen", sagt er.

Wohin sein Weg führt, ist offen. "Es gibt keine Einigung mit niemandem und keine Tendenz", erzählte er im Interview dem "Kicker". Sein Berater Jörg Neubauer schweigt auf Nachfrage dieses Portals seit Monaten. Doch ein Klub hat beste Chancen. Der Transfer-Check:

Borussia Dortmund

Der BVB ist in der Krise. "Es muss Veränderungen geben", sagte Coach Jürgen Klopp zuletzt in der der "Sport Bild". Auf Khedira angesproche,n meinte er wiederholt: "Er würde der Liga gut tun." Doch offenbar nicht dem BVB. Zwar gibt es in der defensiven Schaltzentrale Bedarf. Sebastian Kehl will im Sommer seine Karriere beenden. Sven Bender ist seit Jahren häufiger verletzt als fit. Real-Rückkehrer Nuri Sahin enttäuscht in dieser Saison. Und Ilkay Gündogan braucht nach langer Verletzungspause Zeit.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke sagte auf mögliche Top-Transfers im Sommer angesprochen jedoch: "Das verbietet sich mit Blick auf den aktuellen Tabellenplatz."

Fazit: Unwahrscheinlich.

VfL Wolfsburg

Khedira kostet viel Geld. Zwar ist keine Ablöse fällig, weil sein Vertrag bei Real am Saisonende ausläuft. Doch Gehalt und ein mögliches Handgeld kosten wohl dennoch eine zweistellige Millionensumme. Das dürfte der VfL Wolfsburg dank Sponsor VW zwar zahlen können, wie schon der 32-Millionen-Euro-Transfer von Weltmeister André Schürrle gezeigt hat.

"Wir hoffen, in der kommenden Saison die Champions League zu erreichen und dann auch das eine oder andere realisieren zu können", sagte Manager Klaus Allofs im Interview mit "FOCUS Online".

Fazit: Zumindest eine Option.

FC Arsenal

Coach Arsène Wenger steht auf DFB-Spieler. Lukas Podolski, Per Mertesacker und Mesut Özil haben in London einen Vertrag. Auch Top-Talent Serge Gnabry spielt in London. Noch im vergangenen Sommer zeigte der Franzose aber kein Interesse an Khedira. Doch gerade im defensiven Mittelfeld hat Arsenal ein Problem. Die aktuelle Doppelvariante auf der Sechs mit Francis Coquelin und Santi Cazorla hat das Champions-League-Aus gegen AS Monaco mitverschuldet. Wegen der hartnäckigen Knöchelverletzung von Kapitän Mikel Arteta fehlt es an Alternativen. Und kein Team der englischen Top-Vier hat mehr Gegentore kassiert (31).

Fazit: Nicht ausgeschlossen.

FC Chelsea

Ein Name macht diesen Deal wahrscheinlich: José Mourinho. Der portugiesische Startrainer hält große Stücke auf den Weltmeister. "Es gibt auf seiner Position keinen Besseren auf der Welt", sagte der 52-Jährige einst über Khedira. Dessen physischen Attribute und seine Präsenz im Mittelfeld begeistern ihn. Es sind Eigenschaften, die zu seinem pragmatischen Spielstil passen. Unter Mourinho hatte Khedira seine beste Zeit bei Real.

Fazit: Sehr gut vorstellbar.

FC Schalke

"Natürlich würde Sami Khedira Schalke gut zu Gesicht stehen. Er ist der Kopf der Nationalmannschaft. Wenn er zu haben wäre, würden wir ihn natürlich nehmen", meinte Manager Horst Heldt vielsagend. "Es wäre arrogant zu sagen, er wäre nichts für Schalke 04."

Und so führte der 45-Jährige auch schon Gespräche mit Khedira. Sie kennen sich ohnehin bestens. Gemeinsam wurden Heldt als Manager und Khedira als Führungsspieler 2007 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister. Heldt kennt auch Berater Neubauer. Mit diesem handelte er den Transfer von Top-Talent Leon Goretzka nach Gelsenkirchen aus.

"Für mich ist nicht der Name des Vereins relevant und auch nicht der Kontostand, sondern der Plan für die nächsten Jahre", meinte Khedira zu seinen Auswahlkriterien. "Ich möchte einen Weg gehen, in dem ich mitgestalten und junge Spieler führen kann." Genau das ist auf Schalke gegeben. Mit Torwart Timon Wellenreuther (19 Jahre), Max Meyer (19), Felix Platte (19), Marvin Friedrich (19), Leroy Sané (19) und Goretzka (20) gibt’s reihenweise lernwillige Nachwuchs-Stars.

Fazit: Die wahrscheinlichste Variante.