Er kam, traf und dirigierte: Bastian Schweinsteiger hinterließ bei seinem Debüt für Chicago Fire einen starken Eindruck. Der Fußball in der nordamerikanischen Profiliga MLS scheint allerdings zähe Kost zu sein.

Genau 16 Minuten und 27 Sekunden waren gespielt, als Bastian Schweinsteiger seinen großen Moment hatte. Eine Flanke seines Mitspielers David Accam verwandelte der Deutsche per Kopf zum 1:0. Seine Frau Ana Ivanovic klatschte auf der Tribüne munter Beifall.

Obwohl Schweinsteiger erst am Dienstag in Chicago eintraf und Mittwoch erstmals mit der Mannschaft trainierte, stand er bei seinem Debüt in der Startelf.

Bereits die Tage zuvor hatte "Schweini" für ordentlich Furore gesorgt. Rund 500 Fans empfingen ihn am Flughafen. Die offizielle Vorstellung von Schweinsteiger war ein Medienereignis. Aus der Ferne entstand fast der Eindruck, in den USA sei nun das Fußball-Fieber ausgebrochen.

Falsch gedacht: Das 20.000 Zuschauer fassende Stadion im Großraum Chicago war trotz der Schweini-Euphorie nur mäßig besucht. Erst im Verlaufe der ersten Halbzeit, die ohne ersichtlichen Grund mit einer zehnminütigen Verspätung begann, füllte sich die Arena etwas.

Letztendlich sollen 15.103 Zuschauer im Stadion gewesen sein. Mit großem Applaus wurde Schweinsteiger begrüßt. Ansonsten aber hielt sich das US-Publikum vornehm zurück.

Schweinsteiger orchestrierte vom zentralen Mittelfeld aus

Bei einer Temperatur von etwa zehn Grad begann Schweinsteiger im zentralen Mittelfeld. Der 32-Jährige war als Anspielstation immer präsent, verteilte die Bälle gut, gab seinen Mitspielern Anweisungen und ließ in einigen Zweikämpfen seine fußballerische Überlegenheit durchblitzen.

Beachtlich waren auch seine tödlichen Pässe Richtung Tor. Seinen Mitspielern fehlte oftmals nur die Qualität, um damit etwas anzufangen.

Allgemein war das Spiel 80 Minuten lang ein echter Langweiler. Es gab kein Tempo im Spiel, keine schönen Spielzüge und wenig gute Pässe. Die Taktik der meisten Spieler schien darin zu bestehen, den Ball irgendwie nach vorne zu dreschen und dann hinterherzurennen.

Hätte nicht Schweinsteiger auf dem Platz gestanden, hätten die meisten Zuschauer diesseits des Atlantiks die Übertragung wohl nach spätestens 30 Minuten abgeschaltet. Nein, sind wir ehrlich: Niemand hätte das Spiel überhaupt erst eingeschaltet.

Chicaco Fire in Unterzahl

Immerhin wurden die Fans mit einer einigermaßen spannenden Schlussphase entschädigt. Nachdem Montreal Impact in der 61. Minute überraschend das 1:1 erzielte, schien das Spiel zu Ungunsten von "Schweini" & Co. zu kippen. Zumal Chicago Fire von der 71. Minute an einen Mann weniger auf dem Platz hatte.

Nur neun Minuten später sah allerdings auch ein Spieler aus Montreal die Rote Karte. Und das war nicht zuletzt Schweinsteiger zu verdanken: Mit einem genialen Pass schickte er seinen Mitspieler Luis Solignac Richtung Tor, sodass dieser nur mit einer Notbremse gestoppt werden konnte. Und dafür setzt es bekanntlich Rot.

Packende Phase zum Schluss

Was ein Reporter von Schweinsteiger wissen will, ist mehr als abstrus.

In der Schussphase wurde es richtig turbulent: In der 81. Minute hatte "Schweini" nach einem Eckball den Führungstreffer auf dem Fuß, verfehlte das Tor aber knapp. In der Schlussminute traf zunächst Montreal aufgrund eines Torwartfehlers zum 1:2. Fire-Stürmer Solignac glich allerdings in der Nachspielzeit aus und rettete so das "Schweini"-Debüt.

"Es war ein großartiges Debüt. Ein Tor beim Debüt zu erzielen, ist etwas, von dem jeder träumt", sagte Fire-Coach Veljko Paunovic der dpa. "In der zweiten Halbzeit sahen wir seine Gewinnermentalität. Es war alles, was wir uns erhofften."

Journalisten stürmten die Kabine

Nach Spielende erlebte Schweinsteiger etwas, was er zuvor in seiner ganzen Karriere noch nicht erlebt haben dürfte: Die Journalisten stürmten die Kabine. In Deutschland wäre das undenkbar. Im US-Sport hingegen ist das völlig normal.

"Neue Erfahrungen macht man gerne", sagte ein sichtlich gut gelaunter Schweinsteiger zu den vielen Reportern, die sich um seinen Spind versammelt hatten. "Ich habe es einfach genossen, wieder Fußball zu spielen", fügte er hinzu.

Der 121-malige Nationalspieler weiß um den Erfolgsdruck, der mit seiner Verpflichtung verbunden ist: "Die Erwartungen sind da. Aber ich bin es gewohnt, damit umzugehen. Ich will alles dafür tun, dass wir Erfolg haben. Es wäre super, wenn wir es in die Playoffs schaffen."

Den nächsten Schritt dorthin könnte Schweinsteiger kommenden Samstag machen. Dann findet das Heimspiel gegen Columbus Crew SC statt.