Mit einer Schreckensbilanz von mickrigen 27 Punkten und zwei schwachen Auftritten in der Relegation gegen Greuther Fürth darf der Hamburger SV weiter Bundesliga spielen. Weil "der HSV noch so eine Saison nicht überstehen wird" (O-Ton Heiko Westermann), muss sich beim vielbesungenen Bundesliga-Dino einiges ändern. Wir hätte da ein paar Vorschläge.

1. International? Wehe, wir hören da was!

Glückwunsch, lieber Hamburger SV. Da bist du Gevatter Abstieg aber gerade noch so von der Schippe gesprungen. Schön war die Relegation gegen Greuther Fürth wirklich nicht, aber vielleicht war sie notwendig. Denn nun kann eigentlich niemand mehr in diesem Verein dem Lieblingshobby aller Hamburger nachgehen: Saisonziele ausgeben, die übertrieben und realitätsfern sind. Wir möchten in nächster Zeit bitte keinen Menschen von den internationalen Plätzen sprechen hören. Außer vielleicht "Ach, mit den internationalen Plätzen beschäftigen wir uns diese Saison nun wirklich nicht". Das wäre ok. Denn es ist doch so: Wenn ich mir das Ziel Klassenerhalt setze, dann ist ein Platz im Mittelfeld durchaus schon ein großer Erfolg (siehe: FC Augsburg) und Erfolge könnte man beim Hamburger SV doch wirklich mal wieder ertragen.

2. Personelle Rundumerneuerung

Immer wieder haben wir das Gefühl, dass der Hamburger SV seine eigenen Spielern nicht richtig kennt. Heiko Westermann gilt als eine Art Heilsbringer der maroden Mannschaft, weil er aus Versehen einmal das Tor getroffen hat (am 29. Spieltag gegen Bayer Leverkusen). Dabei wird gerne mal vergessen, dass Westermann die wohl schwächste Saison seiner Karriere abgeliefert hat. Selbiges gilt für Rafael van der Vaart, der mit seiner Rückkehr erst die völlig überzogenen Erwartungen des Vereins nährte und dann doch nicht überzeugen konnte. Daran ändert übrigens auch eine gut geschossene Ecke gegen Greuther Fürth nichts.

Statt sich weiterhin an alten Größen wie van der Vaart und Westermann festzuklammern, wäre es für den HSV vielleicht gar nicht schlecht, sich einer personellen Erfrischungskur zu unterziehen. Dem doch sehr jugendlichen Hakan Calhanoglu nach der Ausleihgeschichte eine Chance zu geben, war sicher ein Schritt in die richtige Richtung - auch wenn der vermutlich nicht zu halten sein wird. Aber hey, immerhin stimmt der Ansatz. Also vielleicht könnte man auch einfach mal Talentscouts in die eigenen Jugend schicken und schauen, was da so kommt, anstatt Millionen in einen neuen "Heilsbringer" zu investieren. Nur so eine Idee.

3) Fitness, Fitness, Fitness

Es war natürlich etwas unglücklich, das Relegationsspiel nur einen Tag nach dem Pokalfinale stattfinden zu lassen. Da konnte man als geneigter Fußballanhänger direkt den Schnelligkeitsvergleich der Partien ziehen. Im Vergleich zu der Dortmund-Bayern-Partie wirkten HSV und Greuther Fürth arg zeitlupig. Und trotzdem waren die Spieler nach 90 Minuten fix und fertig. "Mir hat alles weh getan", jammerte van der Vaart, der sogar schon eine Viertelstunde früher vom Platz gehen durfte. Slomka bemerkte also ganz richtig: "Wir hatten ein paar Spieler auf dem Platz, die in den letzten 20 Minuten nichts mehr im Tank hatten."

Das lässt nur einen Schluss zu: Es hakt an der Fitness. Und zwar gewaltig. Wir plädieren also für ein Felix-Magathsches-Gedächtnistraining in der Sommerpause und hoffen sehr, dass Slomka eine leichte Ader des Sadismus bei sich entdeckt. Damit seine Spieler zumindest in der nächsten Saison alles in Grund und Boden rennen können.

4) Strukturelles Umdenken

Am 25. Mai wird abgestimmt. Dann steht fest, ob der HSV mit einer neuen Struktur in die neue Saison gehen wird. Die Initiative HSVPlus will unter anderem die Ausgliederung der Profiabteilung, die Öffnung für Investoren und einen schlankeren sechsköpfigen Aufsichtsrat. In unseren Ohren klingt das durchaus sinnvoll, vor allem die Sache mit dem Aufsichtsrat. Gerade reden einfach zu viele Leute beim HSV mit. Zu viele Köche verderben jeden Verein. Vor allem wenn die Köche hauptsächlich mit ihren eigenen Süppchen beschäftigt sind.

5) Schaltet die Uhr ab!

Diese Uhr. Wer damals auf die Idee gekommen ist, den Hamburger SV mit diesem Monstrum auszustatten, gehört nachträglich zumindest mal kurz ganz böse angeschaut. Wir sind inzwischen zu der Überzeugung gekommen, dass in dieser Uhr der Ursprung allen HSV-Übels liegt. Weil sie den Verein ständig daran erinnert, wie unglaublich lange er schon in der Bundesliga spielt und wie toll er doch eigentlich ist. Daher kommt die Selbstüberschätzung und gleichzeitig die lähmende Angst vor dem Versagen. Diese Uhr übt Druck aus. Brutalen Druck.

Wir glauben aber auch, die Uhr weiß das inzwischen selbst. Schon 2012 hatte sie einen verzweifelten Versuch vernommen, abgeschafft zu werden und war einfach mal unreparierbar stehen geblieben. Anstatt dieses Zeichen zu begreifen, ließ der HSV damals einfach eine neue anfertigen. Selbst Schuld also. Wir wären jedenfalls dafür, das Ding ein für alle mal abzuschaffen. Die Uhr will es doch auch.