(ska) Fußballer stehen im Licht der Öffentlichkeit und geraten damit auch manchmal zur Zielscheibe von Verbrechern. Im jüngsten Fall konnte die Schwester von Brasiliens Nationalspieler Hulk nach 23 Stunden aus der Hand von Kidnappern befreit werden.

Die 22-Jährige Ernährungsberaterin sei aus einem Auto heraus von von Unbekannten verschleppt worden. Das berichten mehrere brasilianische Medien übereinstimmend unter Berufung auf die Polizei. Wenige Stunden nach der Freilassung von Hulks Schwester nahm die Polizei bereits drei Tatverdächtige fest. Sie hatten Angelica, ohne eine Lösegeldforderung zu stellen, an einer Straße in Campino Grande ausgesetzt. Die Entführung hat für Hulks Familie damit ein glückliches Ende genommen. Der Brasilianer, der eigentlich Givanildo Vieira de Souza heißt, spielt derzeit bei Zenit St. Petersburg. Allerdings fällt er momentan verletzungsbedingt aus.

Auch andere Fußballer wurden bereits Opfer von Entführungsgeschichten - einige allerdings wurden nur Opfer ihrer allzu großen Vorstellungskraft. Wir haben die spannendsten Entführungsfälle der Fußballgeschichte für Sie gesammelt.

Quini

Einer der spektakulärsten Kriminalfälle der Fußballgeschichte trug sich in der Saison 1980/81 beim FC Barcelona zu. Quini, seines Zeichens Mittelstürmer, war aus dem Camp Nou entführt und 24 Tage gefangen gehalten worden. Drei Männer hatten ihn nach dem Spiel gegen Hercules überwältigt und ihn nach Saragossa entführt. Der Elektriker und zwei Mechaniker wurden von finanziellen Problemen geplagt und hatten gehofft, diese durch die Entführung lösen zu können. Der Elektriker wurde bei der Geldübergabe in der Schweiz gefasst und verriet Quinis Versteck.

Auch Bernd Schuster spielte damals beim FC Barcelona, teilte sich mit Quini ein Zimmer. Er drohte in den Tagen der Entführung mit einem Fußballboykott: "Ich werde nicht spielen, neben meinen Füßen haben ich auch noch ein Herz. Ich will nur, dass Quini wieder zurückkommt." Erst nachdem ihm ein Tonband mit Quinis Stimme vorgespielt wurde, auf dem dieser die Mannschaft aufgefordert hatte zu spielen, lenkte er ein. Barca verlor mit 0:1 gegen Atletico Madrid und gleichzeitig auch die Meisterschaft.

Quini befand sich 24 Tage in der Gewalt der Kidnapper. Vor Gericht sagte er: "Wenn es nach mir ginge - ich habe ihnen schon verziehen."

Christian Obodo

Auch den Nigerianer Christian Obodo, der in Italien unter anderem bei Udinese Calcio gespielt hatte, ereilte das Schicksal einer Entführung. Der 28-jährige Fußballer wurde in seiner Heimstadt Warri von bewaffneten Männern gekidnappt.

Die Entführer setzten sich mit Obodos Mutter in Verbindung und forderten rund 150.000 Euro Lösegeld. Die nigerianische Polizei befreite den Mittelfeldspieler mithilfe des Militärs innerhalb von 24 Stunden unverletzt aus der Gewalt der Verbrecher. "Ich danke Gott, mehr kann ich nicht tun", hatte Obodo nach Angaben seines Bruders Kenneth gesagt.

Savio Nsereko

Es ist der tiefe Sturz eines großen Talents der Bundesliga. Savio Nsereko wurde Ende Oktober in Thailand festgenommen. Er soll seine eigene Entführung vorgetäuscht haben.

Nserekos Karriere begann beim TSV 1860 München. Mit der U19 wurde er im Jahr 2008 Europameister und zum besten Spieler des Turniers gewählt. Sein Absturz begann mit dem Wechsel zu West Ham United, wo er sich nicht als Stammkraft etablieren konnte. Zuletzt stand er bei der SpVgg Unterhaching unter Vertrag. Doch er verließ den Münchner Vorort in Richtung Thailand, ohne den Verein vorab zu informieren. Sein Vertrag wurde aufgelöst.

In Thailand erschöpfte er scheinbar recht schnell seine finanziellen Mittel und fasste wohl dann den Plan, seine Entführung vorzutäuschen und von seiner eigenen Familie Lösegeld zu erpressen.

Somalia

Auch der Brasilianer Somalia gab vor, entführt worden zu sein. Doch sein Beweggrund waren nicht etwa Geldprobleme, sondern tatsächlich noch um einiges profaner. Der 26-Jährige Mittelfeldspieler hatte bis tief in die Nacht gefeiert. Als er am nächsten Morgen wenig überraschend den Trainingsbeginn verschläft, kommt ihm eine wahnwitzige Idee. Er fährt zur Polizeiwache und erzählt dort, er habe sich zwei Stunden in den Händen von Kidnappern befunden.

So ganz wollte ihm die Polizei diese Geschichte nicht abnehmen und checkte daher die Überwachungsaufnahmen von Somalias Haus. Dort sieht man wie er gegen 4:00 Uhr nach Hause kommt. Um 8:46 Uhr verlässt er zunächst mit Goldkette und Uhr das Haus, überlegt es sich nochmal und geht wieder in seine Wohnung zurück. Wenig später besteigt er wieder den Fahrstuhl - diesmal allerdings ohne Schmuck. Wie er der Polizei erzählt, hätten ihm die Kidnapper Kette und Uhr geklaut.

Zumindest gebührt dem jungen Mann, der Preis für die einfallsreichste Ausrede.

Lothar Emmerich

BVB-Legende Lothar Emmerich hingegen wurde Opfer einer tatsächlichen Entführung. Die Umstände bleiben allerdings bis heute äußerst mysteriös.

Der Nationalspieler kickte 1970 in Belgien für AC Beerschot. Vor dem Spiel seiner Mannschaft gegen Royal Antwerpen geriet er in die Hände von Kidnappern. Erst 24 Stunden nach der Partie wurde Emmerich wieder auf freien Fuß gesetzt. Bis heute weiß man nicht, wer die Entführer waren und wohin sie ihn entführt hatten. Der Verdacht, dass es sich dabei um Fans von Royal Antwerpen gehandelt haben könnte, die Angst vor der linken Klebe des Deutschen hatten, liegt allerdings äußerst nahe.

Lothar Emmerich erlag im Jahr 2003 einem langen Krebsleiden.