Champions League gegen ZSKA Moskau? Uninteressant. Der FC Bayern München ist ohnehin schon weiter. Wichtiger ist die Suche nach dem Maulwurf an der Säbener Straße. Während Trainer Pep Guardiola seine Spieler in die Mangel nimmt, glaubt ein Bayern-Insider exklusiv bei uns: Das war kein Spieler.

Wolfgang Ruiner war Ende der 1990er Jahre der wohl wichtigste Journalist im Umfeld des FC Bayern München. Damals arbeitete der heutige stellvertretende Chefredakteur von "österreich" bei der "Bild"-Zeitung als Bayern-Reporter. Mit Maulwurf-Vorwürfen kennt sich Ruiner bestens aus. Denn ihn verband damals ein spezielles Verhältnis mit Lothar Matthäus. Wenn der "Loddar" etwas wusste, wusste es Ruiner meistens auch. Deshalb, sagt auch Ruiner heute, wurde "Lothar in seiner aktiven Zeit oft als Maulwurf gesehen, was aber nicht stimmte."

Tatsächlich kann man die Matthäus-Situation kaum mit der heutigen vergleichen. Der Franke plauderte keine Aufstellungen, keine Taktik aus. Die Informationen, die er mit der "Bild"-Zeitung teilte, waren auf seine eigene Person bezogen. Matthäus stand wohl einfach gerne in der Zeitung.

Jetzt sieht die Sache ganz anders aus. Der Maulwurf hat Pep Guardiolas Taktik für das Spiel gegen Borussia Dortmund ausgeplaudert. Bisher verläuft die Suche erfolglos.

"Kein Fußballer gibt bewusst Interna weiter"

Aber gibt es vielleicht gar keinen Maulwurf? Wolfgang Ruiner, der auf eine jahrelange Erfahrung als Sportjournalist zurückblickt, meint: "Ich kenne keinen Fußballer, der bewusst Interna an die Presse weitergibt. Maximal Hintergrund-Informationen, die einem Journalisten helfen, die Lage richtig einzuschätzen."

Noch nicht geklärt ist die Frage, ob die Informationen also unbewusst weitergegeben oder in ihrer Brisanz falsch eingeschätzt wurden. Geheime Treffen an Raststätten, bei denen der Spieler dem Journalisten einen braunen Umschlag mit der Aufstellung des nächsten Spieltags überreicht, finden jedenfalls wohl kaum statt. Laut Ruiner funktioniert die Weitergabe von Interna ganz anders: "Die Insider-Informationen kommen tatsächlich mehr aus dem Umfeld. Ein Spieler erzählt zum Beispiel eine heiße Story seiner Frau, die wiederum berichtet sie ihrer Freundin. Schließlich erreicht die Geschichte durch Zufall einen Journalisten."

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Kein Maulwurf also, sondern nur ein Spieler, der gerne mit seiner Frau plaudert oder Interna mit "Hintergrund-Informationen", wie Ruiner sie nennt, verwechselt hat?

Beides scheint plausibel. Denn es ist kaum vorstellbar, dass ein Profi mit einem gutdotierten Vertrag und einem bequemen Leben sein Verhältnis zu Trainer und Verein aufs Spiel setzt, um in der Presse besser da zu stehen.

Und dann hätte Ruiners guter Freund Lothar Matthäus in der "Abendzeitung" Recht behalten: "Wenn es einen Maulwurf gibt, würde er einen großen Preis dafür zahlen müssen - und so dumm ist kein Spieler beim FC Bayern."