Der FC Bayern München befindet sich nach dem Aus in der Champions League in einer Umbruchphase. In der Sommerpause wird sich beim deutschen Rekordmeister einiges tun. Noch ist es schwierig vorherzusagen, wer in der nächsten Saison für die Bayern auflaufen wird. Wir wagen trotzdem einen Ausblick.

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt - dazwischen gibt es nichts beim FC Bayern München. Nach dem für bajuwarische Maßstäbe desaströsen Aus gegen Real Madrid ist es auf einmal egal, dass die Münchner in der Bundesliga Rekorde gebrochen haben, von denen man nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Es ist egal, dass man souverän im DFB-Pokal-Finale steht. Beim Rekordmeister ist die Unzufriedenheit eingekehrt. Angeblich auch unter den Spielern. Selten hat es so viele Abwanderungsgerüchte um den FCB gegeben. Und selten hat ein Finanzvorstand so offensiv mit Geldscheinen gewedelt, wie Jan-Christian Dreesen in der "Sport Bild" ("Wir werden so tief, wie es nötig ist, in die Tasche greifen"). Der FC Bayern will investieren. In "sportliche Qualität".

Die Bayern befinden sich in einer kleinen Umbruchphase. Im Moment ist es fast unmöglich vorherzusagen, welche Mannschaft in der nächsten Saison das Grün der Allianz Arena bespielen wird. Die Liste der vermeintlich Abwanderungswilligen ist lang. Dazu gibt es noch einige, die fast sicher gehen müssen, ein paar die kommen könnten und zwei die schon sicher kommen.

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Der Fluch des Champions

Auf den Königsklassen-Triumph folgte bislang immer die Ernüchterung.

Wer will weg?

Am lautesten, aber trotzdem ganz subtil, meckern derzeit Thomas Müller und Javi Martinez, die gerne ein bisschen öfter spielen würden. 40-Millionen-Mann Martinez habe sich vor Kurzem bei seiner Beraterin ausgeheult, schreibt die "Bild": "So habe ich mir das nicht vorgestellt", soll er gesagt haben. Und Thomas Müller hatte bereits nach dem Hinspiel gegen Real Madrid mitgeteilt, er sei "nicht begeistert" über seine Reservistenrolle. Daraus eine Wechselabsicht herauszulesen, ist vielleicht etwas übertrieben, aber dennoch: Interessenten gibt es für beide genug. Der FC Arsenal, Manchester City und auch der FC Barcelona sollen ein Auge auf Martinez geworfen haben. Müller wird mit Manchester United in Verbindung gebracht, weil dort der Ex-Coach der Bayern Louis van Gaal, der den Bayer einst mit den Worten "Müller spielt immer" geadelt hatte, vermutlich neuer Trainer wird. Wegen van Gaal werden im übrigen auch Toni Kroos und Arjen Robben mit dem englischen Krisen-Klub in Verbindung gebracht. Kroos soll bereits ein Millionen-Angebot von Manchester United vorliegen.

Einem Müller-Transfer hat Trainer Guardiola schon den Riegel vorgeschoben ("Thomas wird nächstes Jahr hier sein") und auch Müller selbst hat die Wechselgerüchte inzwischen dementiert: "Ich hab sie ja nicht in die Welt gesetzt, also möchte ich sie auch nicht groß kommentieren. Aber sagen wir so: Ich steh jetzt sicher nicht vor dem Absprung, kann aber auch keine Garantie für alle Zeiten abgeben." Vorerst ein Problem weniger für die Bayern also. Doch auch Martinez darf der FCB eigentlich nicht ziehen lassen. Im defensiven Mittelfeld braucht Guardiola Alternativen, wenn er in der nächsten Saison erneut die "Mission Triple" angehen will.

Auch Toni Kroos möchte der Trainer gerne behalten. Doch wenn Thiago Alcantara wieder fit ist, ist für Kroos nur noch wenig Platz in der Startelf. Das weiß der deutsche Nationalspieler natürlich und deshalb hat er wohl seinen Vertrag auch noch nicht verlängert. Er hat keine Stammplatzgarantie, zumal auch andere auf seiner Position spielen können. Es wäre keine große Überraschung, wenn Kroos den Bayern im Sommer tatsächlich Lebewohl sagen würde.

Selbiges gilt für die möglichen Weggänge von Xherdan Shaqiri und Diego Contento, die aufgrund ihrer hervorragenden Konkurrenz kaum zum Zug kommen. Fast sicher gehen werden Claudio Pizarro und Daniel van Buyten. Die Verträge der beiden Oldies laufen aus und werden aller Voraussicht nach nicht verlängert.

Wer soll kommen?

Mit dem wahrscheinlichen Abschied von Contento und van Buyten wird die Personaldecke in der Defensive der Bayern noch dünner. Und auch weil Jerome Boateng in den wichtigen Spielen immer wieder Schwächen gezeigt hat, stehen flexible Verteidiger ganz oben auf Guardiolas Wunschliste für die neue Saison. Einmal mehr baggern die Bayern deshalb an David Luiz vom FC Chelsea. Der Mann mit den schönen Haaren glänzt mit hervorragendem Passspiel und starker Balleroberung. Doch bei ihm sind die Bayern bereits im vergangenen Jahr abgeblitzt. Aber vielleicht öffnet der FC Bayern in diesem Jahr den Geldbeutel einfach noch ein kleines Stückchen weiter.

Der Rekordmeister aber auch an anderen Defensivkünstlern interessiert. Wahrscheinlichster Transfer ist derzeit Aymeric Laporte von Athletic Bilbao. Der 19-jährige Linksfuß kann sowohl auf der Außenbahn als auch in der Innenverteidigung spielen und würde damit sowohl auf David Alaba als auch auf Boateng und Dante Konkurrenzdruck aufbauen. Für knapp 40 Millionen Euro Marktwert kann man ein bisschen Flexibilität aber auch erwarten.

Vielseitig ist auch Martin Montoya vom FC Barcelona. Guardiola soll ein großer Fan des Außenverteidigers sein, der sowohl links als auch rechts einsetzbar ist. Jose Angel von Real Sociedad ist ein weiterer Kandidat für die Bayern-Verteidigung.

Und dann gibt es ja noch Holger Badstuber, der nach seinen beiden Kreuzbandrissen seit einigen Tagen wieder mit der Mannschaft trainiert. Vor seiner Verletzung war Badstuber in der Innenverteidigung eine Bank. Es ist ihm zu wünschen, dass er es wieder zum Leistungsträger bei den Bayern schafft, doch darauf verlassen wird sich Pep Guardiola kaum.

Wer bleibt, wer kommt?

Immerhin, zwei Zugänge stehen schon fest und die haben nicht einmal Geld gekostet. Weil Robert Lewandowski aus Dortmund kommt und weder Franck Ribery noch Arjen Robben Abschiedsgedanken hegen, kann Pep Guardiola auch in der nächsten Saison mit einer starken Offensive planen. Und der Noch-Frankfurter Sebastian Rode ist immerhin eine sehr gute Alternative für das defensive Mittelfeld.