Es ist ein echter Hammer: Xabi Alonso steht kurz vor einem Wechsel von Real Madrid zum FC Bayern München - mit dem Spieler sind sich die Münchner bereits einig. Das bestätigte Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen auf einer Pressekonferenz. Doch ergibt der Transfer für den deutschen Rekordmeister überhaupt Sinn?

Am späten Mittwochabend verbreitete sich die Nachricht im Eiltempo über die Medien: Xabi Alonso ist im Anflug auf München. Am Donnerstag folgte die Bestätigung des FC Bayern. Mit dem Spieler sei man sich "grundsätzlich" einig, sagte Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen. Lediglich mit Real Madrid müssen noch letzte Details geklärt werden, dann steht dem Wechsel nichts mehr im Wege. Der Medizincheck soll noch am Donnerstag erfolgen.

Die Real-Madrid-nahe Sportzeitung "Marca" berichtet, dass die Münchner dem 32-Jährigen ein Bruttogehalt von zehn Millionen Euro anbieten. Hinzu käme eine Ablösesumme, die ebenfalls im zweistelligen Millionenbereich liegen dürfte. Ein Leihgeschäft, wie von manchen Medien zuvor berichtet, wird es nach Aussagen von Dreesen und Sportdirektor Matthias Sammer nicht geben.

Es wäre einer der spektakulärsten Coups der Münchner in ihrer ruhmreichen Vereinsgeschichte. Alonso ist spanischer Weltmeister, zweifacher Europameister und zweifacher Champions-League-Sieger. Mit anderen Worten: ein Weltstar. Erst am Mittwoch verkündete Alonso in einem offenen Brief, dass er nicht mehr für die spanische Nationalmannschaft auflaufen werde. "Die Zeit bei der Seleccion ist für mich beendet." Für sein Heimatland bestritt der Mittelfeldspieler 114 Partien und erzielte 16 Tore.

Bayern München reagiert auf Verletztenmisere

Wie bereits beim Transfer von Verteidiger Mehdi Benatia reagiert Bayern-Trainer Pep Guardiola auf die Verletztenmisere in seinem Team. Allrounder Javi Martinez (Kreuzbandriss) und Thiago Alcantara (Syndesmosebandriss) werden den Münchnern noch lange fehlen. Zudem ist weiterhin ungewiss, wann Mittelfeld-Leader Bastian Schweinsteiger (Patellasehnen-Reizung) wieder ins Training einsteigen kann. Da bereits vor Saisonbeginn Toni Kroos verkauft wurde - ausgerechnet zu Real Madrid - sehen die Münchner auf der "Sechs" Handlungsbedarf. Beim Saisonauftakt gegen den VfL Wolfsburg trumpfte zwar der 17-jährige Gianluca Gaudino im defensiven Mittelfeld auf. Doch sobald die großen Aufgaben in der Champions League anstehen, werden Spieler von Weltformat gefordert sein.

Dass sich Guardiola für Alonso entscheidet, verwundert nicht. Der Spanier kennt seinen Landsmann bestens. Guardiola hat als Coach des FC Barcelona zahlreiche epische "Clasicos" gegen Real Madrid miterlebt.

Der 43-Jährige dürfte Alonso zunächst als Ersatz für Schweinsteiger einplanen. Die Stärken der beiden Weltmeister ähneln sich. Sie sind technisch versiert, haben ein exzellentes Spielverständnis, können ein Spiel aus der Tiefe heraus dirigieren und die perfekten Pässe auf die Mitspieler spielen. Von diesen Qualitäten Alonsos werden nicht nur die Superstars Franck Ribery, Arjen Robben und Co. während des Spiels profitieren. Auch die Youngster Gaudino, Pierre-Emile Höjbjerg oder Zugang Sebastian Rode können an der Seite Alonsos reifen - und sei es nur im Training.

Birgt der Transfer von Xabi Alonso auch Gefahren?

Doch es wird auch kritische Stimmen geben: Mit Alonso hat Guardiola in seiner Amtszeit bereits den fünften Spanier verpflichtet. Die Gefahr der Grüppchenbildung wird größer. Zudem wird es interessant zu beobachten sein, wie sich die Situation verändert, wenn die aktuell verletzten Stars wieder fit sind. Ob sich Schweinsteiger oder Thiago über längere Zeit wortlos auf die Bank setzen werden?

Aktuell dürfte bei den Bayern-Fans allerdings die Vorfreude überwiegen. Mit Alonso schließt sich den Münchnern auf der "Triple"-Mission ein weiterer großer Name an. Die größten Baustellen - die im Abwehrzentrum und im defensiven Mittelfeld - wurden mit den Transfers von Mehdi Benatia und Alonso behoben. Zu Benatia sagte Sammer, er sei "überzeugt, dass er alles mitbringt und die Berechtigung hat, für Bayern München zu spielen."

Zweifel an der Berechtigung Alonsos dürfte es nach dessen Weltkarriere keine geben.