Der VfL Wolfsburg hat vorgemacht, wie der FC Bayern zu schlagen ist. Eine Erkenntnis aus dem 4:1: Das Duo Xabi Alonso und Bastian Schweinsteiger ist eine Schwachstelle. Doch ohne Philipp Lahm ist Pep Guardiola beim FC Schalke 04 (um 20:00 Uhr bei uns im Livescore und auf "Sky") wieder auf beide im defensiven Mittelfeld angewiesen. Sie müssen gemeinsam funktionieren.

Vier Erkenntnisse des 18. Spieltags der Fußball-Bundesliga.

Pep Guardiola hat Bastian Schweinsteiger keinen Gefallen getan. Abwesend stand der Weltmeister nach der deutlichen Niederlage des FC Bayern München beim VfL Wolfsburg zum Rückrundenstart der Bundesliga am "ARD"-Mikrofon Rede und Antwort. Nur, er wusste selber nicht so genau, was er sagen sollte. "Das darf uns nicht passieren", meinte der 30-Jährige mehrfach, und "wir müssen dieses Spiel analysieren". Ein Spiel, das an ihm völlig vorbeilief.

Der Eindruck, der sich einem aufdrängt, ist selten. Aber: Die Taktik von Bayern-Coach Guardiola versagte. Schweinsteiger funktionierte nicht in seiner ihm angedachten Rolle. Er musste weit vorne agieren, stieß mehrfach sogar bis in die Spitze vor. Das alles nur, um Xabi Alonso in der Schaltzentrale Platz zu schaffen. Doch die Vorgabe ging nicht nur nicht auf - sie ging voll daneben. Funktionieren Schweinsteiger und Alonso doch nicht miteinander? So, wie es Guardiola prophezeit hatte, als Schweinsteiger fast die gesamte Hinrunde noch verletzt ausfiel? Oder: Ist dieses Duo sogar die unerwartete Schwachstelle im System des Katalanen?

Xabi Alonso ungewöhnlich fahrig

"Wir waren nicht immer richtig geordnet und haben die Bälle unglücklich verloren", meinte Schweinsteiger. Unglücklich traf vor allem auf Alonso zu. Der Spanier wirkte völlig überfordert mit dem permanenten Pressing. Er reihte sich ein in die zahlreichen Fehlpässe seines Teams. 102 Pässe spielte er, 16 Mal kam der Ball nicht an. Zwar lag er mit seiner Passquote von 84 Prozent noch über Schweinsteiger (78). Doch es gelang dem 33-Jährigen alleine nicht, die Mitte zu verteidigen. Der Wolfsburger Trainer Dieter Hecking ist bekannt dafür, die gegnerischen Sechser in Manndeckung zu nehmen. Und Guardiola wollte dies eigentlich umgehen, indem er Schweinsteiger vor Alonso positionierte.

Bayern kassiert bittere Niederlage gegen Wolfsburg - die Pressestimmen.

Doch damit überließ der Katalane seinen Landsmann ungewollt sich selbst. "Damit gaben die Bayern zeitweilig das Zentrum komplett auf und isolierten Alonso nur noch weiter", schrieb Taktik-Experte Constantin Eckner in seiner Kolumne bei "Focus". "Alonso trifft oftmals unter Druck die falschen Entscheidungen und macht strategische Fehler im Passspiel. Heckings Wolfsrudel umkreiste Alonso vor allem in der Anfangsphase und erzwang Ballverluste."

Pressing an der Grenze zu legalen Zweikämpfen gefolgt von überfallartigen Angriffen. Heckings Wolfsburger legten offen, wie diesen mutmaßlichen Über-Bayern beizukommen ist. Und so warnte Guardiola eindringlich vor dem Heimspiel gegen den FC Schalke 04 vor Anfälligkeiten bei Kontern: "Dann sind wir kaputt. Nicht nur in der Bundesliga, auch in der 2. Bundesliga können wir verlieren", sagte er. Und für die, die dachten, er übertreibe, hatte er noch eine Überraschung parat. Seiner Mannschaft könne dasselbe passieren, wie Borussia Dortmund, meinte er weiter. Nun ja, soweit ist es noch lange nicht.

Wenig Chancen für den FC Schalke 04

Doch die Konkurrenz hat Mut geschöpft. "Wir versuchen, es genauso gut zu machen wie Wolfsburg", sagte Schalkes Manager Horst Heldt vor dem Gastspiel in München. Einzig, er hat ein Problem. Stürmer Klaas-Jan Huntelaar wurde nach seinem rüden Foul im Spiel gegen Hannover 96 für sechs Spiele gesperrt. Und Weltmeister Julian Draxler sowie Tempodribbler Jefferson Farfan fallen weiter verletzt aus. Ergo: Das nötige Spielermaterial fehlt. Auch ist der Coach der Gelsenkirchener, Roberto Di Matteo, dafür bekannt, mit einem 4-4-2 und sehr defensiv spielen zu lassen.

Das kommt dem großen Taktierer Guardiola entgegen. Er wird dem Duo in der Zentrale sehr wahrscheinlich eine zweite Chance geben. "Basti und Xabi werden sich schnell kennenlernen, sie sind beide große Spieler, das ist kein Problem", hatte er noch Ende November gesagt. Vor allem aber Schweinsteiger steht unter Druck. Denn Guardiola gilt als großer Alonso-Fan.

Erst recht, wenn der verletzte Kapitän Philipp Lahm und Thiago Alcantara zurückkehren. Alonso und Lahm funktionierten nebeneinander prächtig. Dass Schweinsteiger auch diesen Part beherrscht, muss er erst beweisen. Sonst ist für ihn im System Guardiola kein Platz mehr - und die großen Ziele der Bayern sind in Gefahr.