Es ist das Duell der rot-weißen Giganten: Im Achtelfinale der Fußball-Europa League trifft am Donnerstag der österreichische Meister auf den Schweizer Champion. Rot-Weiß-Rot gegen Rot-Weiß, Red Bull Salzburg gegen den FC Basel, österreichischer Vize-Meister gegen Schweizer Titelverteidiger – welche Alpenrepublik hat im europäischen Klub-Fußball die Nase vorn?

Die "Bullen" aus der Mozartstadt kommen mit breiter Brust nach Basel: Erst am vergangenen Wochenende hat Red Bull mit einem 3:1-Sieg gegen die SV Ried seinen zehnten Sieg in Folge gefeiert – neuer Rekord in der österreichischen Bundesliga. Da hat das Team des deutschen Trainers Roger Schmidt die Meisterschaft ohnehin schon so gut wie in der Tasche: Aktuell beträgt der Vorsprung auf den Zweitplatzierten SV Grödig beeindruckende 25 Punkte. In der nationalen Liga also dominiert Red Bull das Geschehen. Die wahre Herausforderung liegt für die Salzburger – die aus rechtlichen Gründen im Europapokal unter dem Namen "FC Salzburg" geführt werden – im internationalen Wettbewerb.

Der Schweizer Dauermeister FC Basel führt zwar auch die heimische Super League an, hat dort aber "nur" fünf Punkte Vorsprung auf das Verfolger-Trio Grasshoppers Zürich, Young Boys Bern und den FC Zürich. Am vergangenen Wochenende ließ der FCB im Heimspiel gegen St. Gallen etwas überraschend Punkte liegen – es reichte nur zu einem 1:1-Unentschieden. Nimmt man die jüngsten Leistungen in den nationalen Ligen als Maßstab, scheint Salzburg der Favorit auf das Weiterkommen in der Europa League zu sein. In der österreichischen Bundesliga haben die "Bullen" aktuell eine ähnlich unantastbare Stellung wie der FC Bayern in der deutschen Elite-Klasse.

Allerdings gilt der FC Basel auf internationalem Parkett als deutlich erfahrener. Das Team von Coach Murat Yakin qualifizierte sich in den vergangenen Jahren immer wieder für die Champions League und lieferte sich dort mit Weltklasse-Teams wie dem FC Barcelona oder Bayern München packende und enge Duelle. In der Europa League stieß die Mannschaft im vergangenen bis ins Halbfinale vor und schlug dabei unter anderem den englischen Spitzenclub Tottenham Hotspur. Am Ende verlor man die beiden Halbfinalspiele gegen den späteren Europa-League-Sieger FC Chelsea denkbar knapp.

Red Bull Salzburg hingegen setzte in Champions- und Europa League bisher noch keine "Big Points" – von einem Sieg gegen Paris St. Germain in der EL-Gruppenphase einmal abgesehen. Allerdings ließen die "Bullen" diese Saison mit Siegen gegen Ajax Amsterdam aufhorchen. Beobachter bescheinigen dem Verein, nun auch für internationale Erfolge bereit zu sein. Dennoch: Die Resultate der vergangenen Jahre auf europäischer Ebene sprechen für den FC Basel.

Trotzdem hat Salzburgs Trainer ein klares Ziel ausgegeben: Roger Schmidt möchte das Auswärtsspiel in der Schweiz unbedingt gewinnen. "Bei uns gibt es nur 100 Prozent. Nur wer in der Meisterschaft gut spielt, kann auch gegen Mannschaften wie Basel auf den Platz kommen", stellt der Coach fest. Die Leistungen in der Bundesliga geben dazu reichlich Rückenwind. Für Salzburgs Mittelfeld-Spieler Kevin Kampl ist die Partie gegen den Schweizer Dauermeister "das wichtigste Spiel der bisherigen Saison". Er und seine Mannschaftskameraden seien "sehr motiviert" für das Spiel.

Ähnliches kann man aber auch vom Team des FC Basel sagen. Doch den plagen Verletzungssorgen: Stürmer-Star Marco Streller – mit zwei Toren gegen Maccabi Tel Aviv der Garant für das Weiterkommen der Basler – hat sich im Spiel gegen St. Gallen verletzt, eine Wadenquetschung macht seinen Einsatz gegen die "Bullen" fraglich. Zusätzlich fällt Linksverteidiger Kay Voser aus.

Eine Prognose darüber, wer nach den beiden Spielen in Basel und Salzburg ins Halbfinale der Europa League einzieht, ist also schwierig. Sicher ist allerdings: In beiden Fanlagern herrscht eine Art "Derby-Stimmung". Es geht gegen den Nachbarn, das Duell der Spitzenteams der beiden Alpenrepubliken.

Das Interesse der Zuschauer ist groß: Sogar das Rückspiel am 20. März im nicht unbedingt für seine Hexenkessel-Atmosphäre bekannten Salzburger Stadion ist bereits ausverkauft. Was den Fan-Zuspruch angeht, könnte der FCB indes einen kleinen Vorteil haben: Die Schweizer spielen zuerst zuhause und können vorlegen – und der St. Jakob-Park gilt dank der Basler Fans als nur schwer einnehmbare Festung. Es ist also angerichtet im großen rot-weißen Duell um die Fußball-Vorherrschaft in den Alpen.