Die Fangewalt zum Auftaktwochenende der EM hat die UEFA zu einer harten Strafandrohung veranlasst. Erstmals könnte ein Team von einem Turnier ausgeschlossen werden. Russland und England werden für das Verhalten ihrer Anhänger zunächst offiziell verwarnt.

Das Exekutivkomitee der UEFA hat die Fußballverbände Russlands und Englands nach den Ausschreitungen von Marseille offiziell verwarnt. Im Wiederholungsfall sei auch ein Turnierausschluss möglich, teilte die Europäische Fußball-Union am Sonntag mit.

Nach einer am Sonntag einberufenen Sondersitzung verwarnte das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union beide Verbände. Man werde "nicht zögern" weitere Sanktionen zu verhängen, "inklusive der möglichen Disqualifikation der betreffenden Teams vom Turnier, sollte sich die Gewalt wiederholen", hieß es in einem UEFA-Statement.

Eine solche Drohung hatte es bislang erst einmal in der EM-Geschichte im Jahr 2000 gegen England gegeben.

Bei der Partie England gegen Russland in Marseille am Samstagabend waren russische Zuschauer auf in benachbarten Blöcken sitzende englische Fans losgestürmt und hatten diese attackiert. Einige Anhänger mussten sich wegen der Angriffe sogar im Innenraum des Stadions in Sicherheit bringen.

UEFA beschließt Sondermaßnahmen

Bei der mehrstündigen Sondersitzung des Exekutivkomitees soll es nach dpa-Informationen zu emotionalen Vorträgen mehrerer Mitglieder gekommen sei. Erste Sondermaßnahmen beschloss das Gremium um das deutsche Mitglied Wolfgang Niersbach.

Zusätzliche private Sicherheitskräften sollen in den Stadien schon für die Partien am Sonntag - darunter auch für das deutsche Auftaktspiel am Abend gegen die Ukraine in Lille - eingesetzt werden. Primär gehe es darum, die Fans der gegnerischen Mannschaften besser zu trennen.

Verfahren gegen russischer Verband eröffnet

Zuvor hatte die Europäische Fußball-Union (UEFA) ein Verfahren gegen den russischen Verband eröffnet. Die Disziplinarkommission der UEFA will am Dienstag ein Urteil verkünden, wie der Verband am Sonntag mitteilte. Ermittelt wird gegen Russland auch wegen angeblich rassistischen Verhaltens und des Zündens von Feuerwerkskörpern.

Der russische Sportminister und FIFA-Funktionär Witali Mutko hatte indes die schlechte Organisation im Stadion bemängelt.

Die UEFA-Regularien sehen Maßnahmen von einer Ermahnung bis zum Turnierausschluss der Teams vor, deren Fans an den Ausschreitungen beteiligt waren. In früheren Fällen hatte die UEFA Geldstrafen für Erstfälle verhängt. Russische Fans waren bereits bei der EM 2012 in Polen mehrfach negativ aufgefallen. (cai/dpa)