• Niklas Dorsch glänzt bei der U21-EM für Europameister Deutschland.
  • Seine Oma würdigt das nun mit einer ganz besonderen Belohnung.
  • Nachdem der 23-Jährige einst beim FC Bayern keine Chance hatte, steht er nun schon wieder vor einer ungewissen Zukunft.

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Soeben hatte Niklas Dorsch den bislang größten Erfolg seiner Karriere gefeiert und bedankte sich daher bei einem ganz besonderen Menschen.

"Als erstes muss ich meine Oma grüßen, die sitzt gerade am Fernseher. Die hat mir gestern die schönste Nachricht seit Langem geschickt. Oma, ich liebe dich. Danke für alles", sagte der U21-Nationalspieler bei "ProSieben", nachdem er mit dem DFB-Nachwuchs soeben im Finale gegen Portugal (1:0) die Europameisterschaft gewonnen hatte.

Dorschs Großmutter hatte per Videobotschaft einen Sauerbraten und eine Haxe ausgelobt, sollte ihr Enkel mit Pokal wieder nach Hause kommen. Die Aussicht auf diese besondere Belohnung schien beim 23 Jahre alten gebürtigen Franken für Extramotivation zu sorgen.

Niklas Dorsch weckt Erinnerungen an Bastian Schweinsteiger

Vor Anpfiff des finalen Duells mit den Portugiesen sang Dorsch inbrünstig die Nationalhymne mit und ging auch im Spiel dann voller Leidenschaft ans Werk. Reihenweise zog er Fouls, schmiss sich in Zweikämpfe und dirigierte seine Nebenleute im Mittelfeld, Salih Özcan und Arne Maier.

So mancher Fan im Stadion von Ljubljana dürfte sich an das WM-Finale 2014 in Rio de Janeiro zurückerinnert haben, als ein gewisser Bastian Schweinsteiger ebenfalls alles an Leidenschaft und Willen auf dem Feld ließ, um am Ende dann den WM-Pokal in die Höhe strecken zu können.

So notierten die Statistiker hinter Dorschs Namen in den 90 Minuten gegen Portugal acht Balleroberungen und eine Zweikampfquote von 66,7 Prozent. Offensiv sorgte der 23-Jährige ebenfalls für einen Glanzmoment. Mit seinem öffnenden Pass auf Rechtsverteidiger Ridle Baku leitete Dorsch das entscheidende 1:0 durch Lukas Nmecha ein. Immer wieder erinnert der defensive Mittelfeldspieler mit seiner Spielweise an Bayern-Star Joshua Kimmich.

Dorsch ohne Chance beim FC Bayern

"Er hat auf der Sechs für meine Begriffe so gute und tolle Spiele gemacht", lobte U21-Cheftrainer Stefan Kuntz seinen Schützling bereits nach der EM-Vorrunde im März. Nachdem er das Viertelfinale gegen Dänemark mit einer Gelbsperre verpasst hatte, schrieb Dorsch im Halbfinale gegen die Niederlande und nun im Finale gegen Portugal weiter an seinem Bewerbungsschreiben für größere Aufgaben.

Momentan steht der 23-Jährige beim belgischen Erstligisten KAA Gent bis 2024 unter Vertrag, die ihn für schlappe 3,5 Millionen Euro im vergangenen Sommer holten, nachdem er zuvor beim Zweitligisten 1.FC Heidenheim erstmals im Profibereich auf sich aufmerksam gemacht hatte. So war er in der Saison 2019/20 der beste Sechser im Bundesliga-Unterhaus und verpasste mit dem Team von der Ostalb nur knapp den Bundesliga-Aufstieg.

Begonnen hat Dorsch seinen Weg zum Profi aber zunächst im Nachwuchs des 1. FC Nürnberg, bevor das Talent 2016 in den Nachwuchs des FC Bayern schaffte. Ab der U16 durchlief er alle Jugendmannschaften an der Säbener Straße und wurde später sogar für den Profikader nominiert. Doch der Durchbruch beim Rekordmeister blieb Dorsch verwehrt, da der damalige Trainer Carlo Ancelotti keine Verwendung für ihn hatte. "Ich habe einfach keine faire Chance bekommen. Junge Spieler wurden nicht so beachtet", sagte Dorsch 2018 in der "tz" über den Italiener.

Turbulentes Jahr bei KAA Gent

Erst nach dessen Entlassung verhalf ihm Jupp Heynckes zumindest zum Bundesliga-Debüt am Saisonende. Da stand Dorschs ablösefreier Abgang in Richtung Heidenheim aber bereits fest. Bei seiner Bayern-Premiere konnte der Mittelfeldspieler aber gleich mit einem Treffer glänzen, bis dato sein einziges Tor in der deutschen Eliteklasse.

Inzwischen ist Dorsch aber in Gent gelandet, wo er eine Saison zum Vergessen erlebte. Das Aus in der Europa League mit nur einem Punkt in der Gruppenphase, drei Trainer in fünfeinhalb Monaten und ein enttäuschender siebter Platz am Saisonende. Für eine kolportierte Ablösesumme von sechs Millionen Euro dürfte Dorsch nun den Klub im Sommer verlassen.

"Ich bin deutscher Junioren-Nationalspieler, das Ziel sollte am Ende des Tages sein, auch wieder in Deutschland zu spielen", erklärte er vor dem Viertelfinale gegen Dänemark seine klare Zielsetzung hinsichtlich seiner Zukunft.

Angeblich zahlreiche Klubs an Dorsch interessiert

Laut Medienberichten sollen Champions-League-Teilnehmer VfL Wolfsburg, Hertha BSC und der SC Freiburg Interesse am 23-Jährigen haben. Auch Frankreichs Meister OSC Lille soll ein Auge auf den Mann mit den blond gefärbten Haaren geworfen haben.

Aber bevor er sich mit seiner Zukunft auseinandersetzt, wollte Dorsch einfach nur den Erfolg mit der deutschen U21 genießen. "Es wird so gefeiert, ich hoffe, dass ich morgen das Flugzeug erwische, aber dafür sind die Verantwortlichen zuständig, dass sie mich zum Flughafen bringen", sagte er.

Und sollte Dorsch dann tatsächlich im Flieger gen Heimat sitzen, wird dort dann noch die Oma mit Sauerbraten und Haxe auf den 23-Jährigen warten. Da muss dann auch die Zukunft erst einmal hintenanstehen.

Verwendete Quellen:

  • spox.com: Von Oma gefeiert, vom FC Bayern verschmäht: Das ist EM-Finalheld Niklas Dorsch
  • Ran.de: U21-Europameister Niklas Dorsch: Erst zur Oma und dann in die Bundesliga?
  • Transfermarkt.de: Ligue-1-Meister Lille arbeitet an Dorsch-Transfer – KAA Gent forciert Gewinn
  • Sportbild.de: Was die 18 Klubs wirklich planen
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