Thorsten Legat nimmt als unser Experte für die EM 2016 kein Blatt vor den Mund und kommentiert in seiner Kolumne die Themen, die die Fußballfans während der Europameisterschaft in Frankreich beschäftigen. Heute spricht der Ex-Profi über Portugals Sieg im EM-Finale gegen Frankreich - und Cristiano Ronaldo.

Liebe Leser,

die EM ist vorbei, Portugal ist Europameister! Ich sage es ganz ehrlich: Ich gönne es diesem Team und insbesondere Cristiano Ronaldo von ganzem Herzen! Es war höchste Zeit, dass die Portugiesen es endlich geschafft haben. Im EM-Finale 2004 haben sie gegen Griechenland noch ziemlich alt ausgesehen. Jetzt sind sie einfach an der Reihe gewesen.

Anhänger können sich Seitenhieb gegen Europameister nicht verkneifen.

Am Anfang der EM war ich verblüfft, denn die Portugiesen kamen überhaupt nicht aus dem Quark, sie haben unterste Schubladen gespielt. Da dachte jeder, dass Ronaldo und Co. sich erneut frühzeitig verabschieden werden.

Ganz klar: Portugal hat auch vom EM-Modus profitiert und ist mit drei Unentschieden in der Gruppenphase nur als Dritter weitergekommen. Das Team hat sich im Verlaufe des Turniers aber deutlich gesteigert. Und wie die Portugiesen im Finale gegen Frankreich Fußball gespielt haben, das hat mich sehr beeindruckt – und das größtenteils ohne Ronaldo, wohlgemerkt!

Bei ihnen hat das Kollektiv funktioniert. Aber auch die Spieler, die gegen Frankreich eingewechselt wurden, haben für Schwung gesorgt. Éder sticht da natürlich hervor. Er hat das Spiel an sich gerissen. Besonders bemerkenswert finde ich die Szene, als Ronaldo ihn umarmt, ihm etwas ins Ohr flüstert - und prompt macht er wenige Augenblicke später das entscheidende Tor. Da haben Ronaldos Worte offenbar Wunder bewirkt.

Dieses Spiel hat auch gezeigt: Wirklich NIEMAND ist so wie Cristiano Ronaldo. Sein Auftreten ist einzigartig. Er war zwar nicht auf dem Platz, aber Motivator und Trainer in einem! So etwas habe ich noch nie gesehen. Das ist unglaublich, was er an der Seitenlinie alles gemacht hat.

Man sieht aber auch, was er für einen immensen Stellenwert hat. Für Nani war es keine Frage, dass er ihm die Kapitänsbinde nach dem Schlusspfiff wieder übergibt und Ronaldo als Kapitän den EM-Pokal in die Höhe stemmt.

Kritiker mögen meinen, dass Portugal zu wenige Spiele nach regulärer Spielzeit gewonnen hat und deswegen unverdient Europameister ist. Man kann es aber auch umdrehen: Portugal hat sieben Spiele nicht verloren. Und daher sind die Portugiesen verdient Europameister!

Euch allen einen schönen Wochenstart und wie immer ein fettes Kasalla!

Euer Thorsten