Als am 13. November in Paris Frankreich gegen Deutschland spielte, wurde Fußball schnell zur Nebensache. Vor dem Stadion und in der Stadt richteten Terroristen ein Blutbad an. Einer der Tatorte: Der Club Bataclan. Dort hielt sich damals auch die Schwester des französischen Fußballstars Antoine Griezmann auf. In der "New York Times" spricht sie nun das erste Mal über die Nacht, in der sie fast ihr Leben verlor.

"Zunächst dachten wir, es wäre ein Witz und dass das zu dem Konzert gehört. Aber dann hörten wir Schreie", sagt Maud Griezmann der "New York Times" über die ersten Moment der Attacke auf den Club Bataclan, in dem die "Eagles of Death Metal" ein Konzert gaben.

Als die Terroristen, bewaffnet mit Sturmgewehren und Granaten, den Konzertsaal stürmten, warfen sie und ihr Freund sich auf den Boden, um nicht getroffen zu werden. "Wer sich bewegt hat, wurde erschossen", sagt sie in dem Interview. "Eine Person neben mir hat sich bewegt. Sie wurde erschossen."

Sie selbst konnte entkommen - nach 90 Minuten Stillliegen. Als die Polizei den Club stürmte, rannte sie barfuß hinaus, etwa 15 Minuten bis zum Place de la République. An ihrem ganzen Körper war Blut. Dann rief sie ihre Mutter an und rief immer wieder: "Ich bin raus, ich bin raus!"

Einen Therapeuten hat sie zur Aufarbeitung der Geschehnisse nicht aufgesucht. Dafür aber viel mit ihrer Familie darüber gesprochen. Mit ihrem Bruder Antoine aber nur ein Mal.

Maude Griezmann geht wieder ins Stadion

Heute spielt erneut Deutschland gegen Frankreich, im EM-Halbfinale. Dazu sagt die 28-Jährige: "Es ist ein wichtiges Spiel für Antoine, für das Team und die Fans." Andererseits: "Es ist auch nicht mehr. Ich denke nicht an Fußball und dann an das, was (im Bataclan-Tanzklub, Anm. d. Red.) passiert ist. Ich will eigentlich überhaupt nicht darüber nachdenken."

Am heutigen Abend wird sie mit ihrer Familie im Stadion in Marseille sein und ihrem Bruder die Daumen drücken: "Es ist eine aufregende Zeit für Antoine. Für uns alle", sagt sie. Auch am Sonntag bei einem möglichen Finale will sie dabei sein. Das wäre im Stade de France in Saint Denis, wo am Abend der Terrorattacke das Spiel Deutschland gegen Frankreich stattfand. Deswegen ist sie nicht beunruhigt.

Dennoch: Bis heute wird sie von einzelnen Szenen aus jener Nacht verfolgt. Manchmal hört sie noch Schritte: "Ich weiß nicht, wann das aufhören wird. Ich weiß nicht, ob jemals."