Wie schon 2014 fällt der Ramadan auch in diesem Jahr wieder auf ein sportliches Großereignis, nämlich die Fußball-EM in Frankreich. Manche Spieler werden trotz ihres muslimischen Glaubens während des Fastenmonats tagsüber essen und trinken, andere wiederum nicht. Für wen gibt es Ausnahmen, und worauf müssen fastende Leistungssportler achten?

Das Fasten ist eine der religiösen Pflichten von Muslimen, das steht so im Koran. In fünf Dutzend Versen wird dort der Fastenmonat Ramadan beschrieben: etwa wann er beginnt und endet und wie gefastet werden muss.

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Eine der Regeln lautet, dass von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang nichts gegessen oder getrunken werden darf. Allerdings gibt es Ausnahmen: unter anderem für Schwangere, Kinder, alte Menschen - und Profisportler.

Die Profisportler stehen natürlich nicht im Koran. Aber dass sie ihre Fastenzeit außerhalb des Ramadan nachholen können, hat sich der Zentralrat der Muslime in Deutschland vor einigen Jahren von einer wichtigen islamischen Autorität bestätigen lassen.

Profifußballer seien Arbeitnehmer in einem Beruf, der körperlich höchste Anforderungen stellt - und diesem Beruf müssten sie nachgehen können, sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek damals zur Begründung. Die Ausnahme gelte auch für andere Menschen, die einer körperlich schweren Arbeit nachgehen, etwa Stahlarbeiter am Hochofen.

Zu wenig Flüssigkeit und Kohlenhydrate

Auch im deutschen Fußball-Nationalteam, das am Sonntagabend ins EM-Geschehen eingreifen wird, gibt es Spieler muslimischen Glaubens, etwa Mesut Özil und Shkodran Mustafi. Özil hat erst kürzlich wieder in einem Interview deutlich gemacht, dass es für ihn vor allem im Sommer bei intensiven Trainingseinheiten und Spielen unmöglich sei zu fasten.

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Von ihm und allen anderen Spielern im EM-Kader wird schließlich erwartet, dass sie zu den Spielen fit sind. Das Fasten macht das schwieriger, es beeinträchtige die Leistungsfähigkeit, sagen Experten.

Und zwar nicht nur, weil zu wenig Flüssigkeit, sondern auch, weil zu wenig Kohlenhydrate zugeführt werden, wie der Ernährungsexperte Hans Braun von der Deutschen Sporthochschule Köln im Gespräch mit unserer Redaktion sagt.

Bei warmen Temperaturen, wie sie bei der EM zu erwarten sind, spielt aber vor allem die Flüssigkeit eine Rolle. "Denn die meiste Energie wird beim Sport nicht in Muskelarbeit umgesetzt, sondern in Form von Wärme frei", sagt Braun.

Wenn ein Sportler zu wenig trinkt und die Körpertemperatur nicht mehr durch Schwitzen reguliert werden kann, kann der Körper überhitzen. "Der Sportler wird dann unter Umständen desorientiert und schneller müde."

Es ist (hoffentlich) nur ein makabrer Scherz - und gleichzeitig eine verdammt lässige Ankündigung: "Game of Thrones"-Star Hafthor Julius "The Mountain" Björnsson will nach der EM 2016 in Frankreich Cristiano Ronaldo "zerquetschen", falls der Superstar ein Tor gegen Island schießt.

Stoffwechsel funktioniert nicht mehr richtig

Der Sportmediziner Markus de Marées von der Ruhr-Universität Bochum ergänzt: "Ab einem Flüssigkeitsverlust von zwei Prozent des Körpergewichts lässt die Leistung nach." Wenn der Körper nicht mehr schwitzen könne, bringe er die durch die Bewegung entstandene Wärme nicht mehr gut nach draußen.

"Er überhitzt, die Enzyme, die bei 37 Grad Celsius ihre optimale Wirkung entfalten, arbeiten nicht mehr richtig, der Stoffwechsel läuft nicht mehr ökonomisch ab." Die Reaktionen würden langsamer, die Koordination schlechter, die Symptome könnten auch die eines Sonnenstichs oder Hitzschlags sein, so de Marées im Gespräch mit unserer Redaktion.

Ein weiteres Problem kann Schlafmangel sein: In den in unseren Breiten recht kurzen Sommernächten sollten die Sportler, so die Experten, das Essen nach Sonnenuntergang nicht zu sehr in die Länge ziehen und nachts viel trinken. Zu viel auf einmal sollten sie aber auch nicht essen, weil es sich mit vollem Bauch schlechter schläft.

Kühlung gegen Flüssigkeitsverlust

Grundsätzlich gelte, dass sich Sportler auf den Ramadan vorbereiten sollten, indem sie ihren Ess- und Schlafrhythmus schon vorher anpassen, sagt Sportmediziner de Marées.

Aber auch während des Turniers gibt es weitere Möglichkeiten, die gesundheitlichen Risiken klein zu halten. Die wichtigste: Kühlung. "Fastende Spieler sollten versuchen, tagsüber möglichst wenig zu schwitzen, sich also in gekühlten Räumen aufhalten", sagt Hans Braun.

Bei Spielen am frühen Nachmittag oder frühen Abend solle in den Pausen versucht werden, die Spieler mit Eiswürfeln oder gekühlten Handtüchern zu kühlen, um die Körpertemperatur zu senken.

Das Prinzip Kühlung gegen zu viel Schwitzen gilt auch für Breitensportler. Grundsätzlich, so Markus de Marées, sollten sie ihren Sport früh morgens oder spät abends ausüben, wenn die Speicher noch voll sind beziehungsweise gleich wieder aufgefüllt werden können.

"Wer aber unbedingt in der Mittagshitze laufen muss, sollte mit Kühlweste laufen, alles andere wäre außerordentlich gesundheitsschädlich."