Bei erneut gewalttätigen Zusammenstößen zwischen englischen und russischen Fans gibt es in Marseille Verletzte. Die Polizei setzt am alten Hafen Tränengas ein. Nach Ende des Spiels zwischen England und Russland gibt es auch Krawalle im Stadion.

Bilder der Gewalt zum EM-Auftakt in der südfranzösischen Hafenmetropole Marseille: Bei teils brutalen Zusammenstößen zwischen Fangruppen vor dem Europameisterschaftsspiel England gegen Russland sind am Samstag mindestens fünf Menschen verletzt worden.

Nach Angaben von Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve schwebt ein britischer Fußball-Fan in Lebensgefahr.

An den gewalttätigen Auseinandersetzungen waren nach übereinstimmenden Berichten französischer Medien neben englischen und russischen auch französische Randalierer beteiligt. Sechs Krawallmacher wurden festgenommen.

Auch im Stadion kam es nach der Partie zu Ausschreitungen. Kurz vor dem Ende des Spiels gingen russische und englische Fußball-Anhänger im Stade Vélodrome aufeinander los. Auslöser waren offenbar russische Zuschauer, die hinter dem Tor von Englands Keeper Joe Hart auf in benachbarten Blöcken sitzende englische Fans losstürmten. Einige Zuschauer mussten sogar in den Innenraum springen, um sich in Sicherheit zu bringen.

Schon während der Partie, bei der Russland in der Nachspielzeit noch den 1:1-Ausgleich erzielte, waren einige Male Leuchtraketen aus dem russischen Block abgefeuert worden. Auch ein lauter Böller war zu hören.

Tagsüber waren verschiedene Gruppen an unterschiedlichen Stellen um den alten Hafen der Mittelmeerstadt mit Stühlen oder Eisenstangen aufeinander losgegangen. Zudem wurde mit Flaschen oder anderen Gegenständen geworfen. Sicherheitskräfte gingen gegen die Randalierer vor und setzen dabei auch immer wieder Tränengas ein.

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Die Europäische Fußball-Union sieht derzeit keine Sanktionsmöglichkeiten gegen die EM-Teams aus England und Russland. "Die UEFA kann nur disziplinarisch aktiv werden, wenn die Vorfälle im Stadionbereich passieren", sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur am Samstag.

Zuvor hatte der Verband mit einem kurzen Statement reagiert. "Die UEFA verurteilt entschieden die Vorfälle in Marseille. Menschen, die sich an solchen Gewaltakten beteiligen, haben keinen Platz im Fußball", hieß es am Samstagabend von den EM-Organisatoren. Auch Innenminister Cazeneuve verurteilte die Ausschreitungen scharf.

Nach ersten Zusammenstößen in den vergangenen Tagen hatte die Polizei angekündigt, weiter hart bei Ausschreitungen durchzugreifen.

Bereits am Donnerstag und Freitag war es mehrfach zu Zusammenstößen mit englischen Fans in Marseille gekommen. Die Polizei setzte dabei am alten Hafen jeweils Tränengas ein. Die Behörden schätzen die Auseinandersetzungen dabei noch als kleinere Zwischenfälle ein.

Kevin Miles, Chef der englischen Fanvereinigung, sagte am Samstag dem englischen Sender Sky Sport News: "Es waren einige bedauerliche Szenen, das kann man nicht leugnen." Doch sei dies eine Minderheit der Fans. "Die große Mehrheit hat eine großartige Zeit, sie sind laut, haben eine Party und genießen das tolle Wetter."

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Miles sieht englische Fans auch als Opfer von Attacken. "Es waren Gruppen von Einheimischen und Gruppen von Russen, die hierherkommen und die Gewalt gestartet haben", sagte Miles. Einige Engländer hätten sich verteidigt. Auch Alkohol spiele dabei eine Rolle. "Es gibt englische Fans, die deutlich zu viel getrunken haben und nicht wissen, wie sie sich in solchen Situationen verhalten sollen."

Randale englischer Fans hatte es ebenfalls in Marseille während der Weltmeisterschaft 1998 gegeben. Damals hatten sich zumeist betrunkene Anhänger der "Three Lions" über zwei Tage heftige Auseinandersetzungen mit einheimischen Jugendlichen und tunesischen Fans geliefert. Dutzende Menschen wurden verletzt. (dpa/tfr)