Das 1:1 der Isländer gegen Portugal macht die weiteren Aufgaben für das ÖFB-Team nicht leichter. Denn Ronaldo & Co. stehen nun im nächsten Spiel gegen Österreich genauso unter Druck wie das Koller-Team.

In der Pause des Spieles Portugal gegen Island wurde der ehemalige Nationalteamtorhüter und jetzige ORF-Analytiker Helge Payer vom Studio-Moderator gefragt, ob es für Österreich besser wäre, wenn Ronaldo & Co. gegen die Nordländer gewinnen.

"Weil dann die Portugiesen eventuell vielleicht nicht mit dem Messer zwischen den Zähnen auf dem Platz laufen würden", argumentierte der fragende Journalist. Zu diesem Zeitpunkt lag der Favorit auf den Gruppensieg übrigens mit 1:0 voran. Payers klare Antwort: "Besser wäre es, wenn Österreich mit dem Messer zwischen den Zähnen spielt."

Alaba mit Bibel-Psalm

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Möglicherweise ist die verbal brachiale Form für die Mannschaft von Marcel Koller in den noch anstehenden zwei Spielen tatsächlich von mehr Erfolg gekrönt als David Alabas Versuch, den "guten Hirten" als Glücksengel zu gewinnen.

Der Star der Österreicher hatte vor dem Ungarn-Spiel auf seine Schuhe "Psalm 23" draufgeschrieben. Der von König David geschriebene Bibel-Psalm besagt, dass es dem Hirten an nichts fehlen wird. Von wegen.

Gegen die Magyaren war der Stangenschuss von "Star David" nach 31 Sekunden wie ein Symbol, das an diesem Abend für die "roten Adler" so ziemlich alles daneben gehen würde. Egal, ob es sich um den Schiedsrichter handelte, der die raue Spielweise der Ungarn tolerierte, der Verletzung von Spielmacher Zlatko Junuzovic oder dem Ausschluss von Aleksandar Dragovic.

Das eigentliche Drama

Es war wie eine Verkettung unglücklicher Umstände, hinter denen jedoch ein tieferer Grund liegt. Das eigentliche Debakel begann Wochen vor der EM. Spätestens nach dem Testspielen gegen Malta (2:1) und den Niederlanden (0:2) wurde offensichtlich, dass gut die Hälfte der in der Qualifikation so erfolgreichen Österreicher nicht in Topform ist.

Einige - Robert Almer, Aleksandar Dragovic, Marc Janko - warfen Verletzungen zurück, andere Martin Harnik, Martin Hinteregger - konnten schon in der Liga ihr Potenzial nicht abrufen.

Doch nur wenn im Team sämtliche Räder ineinandergreifen und eingespielte Mechanismen funktionieren, kann eine Nation wie Österreich auf diesem hohen Niveau mithalten. Die Isländer haben gegen die Portugiesen gezeigt, wie es geht: Nur mit dem Messer zwischen den Zähnen kann man dagegenhalten.

Mit dem Kopf woanders

Selbst wenn Teamchef Koller nach außen Ruhe bewahrte, war und ist intern die Spannung zu spüren. Beispielsweise mokierte sich Sportdirektor Willi Ruttensteiner öffentlich über die Kommentare des TV-Spielfeldreporters Peter Hackmair, der dem ÖFB-Team im Testspiel gegen die Niederlande eine "schlechte Körpersprache" mit hängenden Schultern attestierte.

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Ein selbstbewusstes Team – auch der Sportdirektor ist ein wichtiger Teil davon – würde die Analyse eines Reporter-Frischlings, wie es Hackmair ist, nicht aus der Fassung bringen. Koller muss die Köpfe wieder befreien.

Der Lack bekommt Kratzer

Auch der Rüffel für David Alaba wegen der veröffentlichten Fotos und Videos aus der Players Lounge des Teamhotels war ein Zeichen dafür, dass die Leichtigkeit und Lockerheit aus der Qualifikationsphase vorbei ist. Das Selbstvertrauen bekam durch die harten Attacken der Ungarn weitere Kratzer.

Nur ein frühes Führungstor hätte den rot-weiß-roten Burschen den Glauben an sich selbst zurückgegen. Doch das verhinderte die Stange.

Zu später Wechsel

Marcel Kollers Nibelungentreue, auf seine Quali-Helden zu setzen, auch wenn sich nicht gut spielen, entpuppte sich als verhängnisvoll. Martin Harnik beispielsweise schleppte seinen Körper förmlich über das Spielfeld. Spätestens zur Pause hätte der Teamchef reagieren müssen, doch Harnik wurde erst nach 78 Minuten "erlöst".

Auch bei Aleksandar Dragovic war das Nervenflattern spürbar. Allein durch seine Gelbe Karte, die er sich noch vor der Pause geholt hätte, wäre eine Auswechslung zur Halbzeit angebracht gewesen. Gegen Portugal braucht es nun Überraschungsspieler.

Mit so einer Performance chancenlos

Eines ist gewiss: Wer Augenzeuge des Spätspiels zwischen Portugal und Island wurde, erlebte hautnah mit, dass dieses Match weitaus mehr zu bieten hatte als der Fehlerkick zwischen den Teams der ehemaligen k.u.k.-Monarchie.

Da alle 24 Teilnehmer nun einmal gespielt haben, lässt sich auch ein erstes Fazit ziehen. Und das fällt für die "roten Adler" alles andere als gut aus. Schlechter als sie agierte bisher kein Team.

Mit so einer Performance ist das ÖFB-Team chancenlos. Gegen Portugal muss nun schon ein kleines Wunder her. Aber vielleicht hilft Alaba & Co. ein weiterer Bibelvers aus dem Johannes-Evangelium: jener von der Auferstehung.

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