Die französische Nationalmannschaft steht für geballte Offensiv-Power. Personifiziert wird diese durch Antoine Griezmann, Dimitri Payet und Olivier Giroud, die neuen Stars des Gastgebers. Die Herausforderung für die DFB-Auswahl besteht darin, eine Lösung gegen das "magische Dreieck" zu finden.

Der Sturm der Franzosen hat es in sich. Antoine Griezmann führt mit vier Treffern die EM-Torschützenliste an. Dahinter folgen seine Offensiv-Partner Dimitri Payet und Olivier Giroud mit jeweils drei Toren. Zusammen haben sie zehn der insgesamt elf Treffer Frankreichs erzielt.

Alle drei Offensivspieler bringen ihre ganz eigenen Qualitäten mit. Der 1,92 Meter große Giroud kommt über seine starke Physis. Er ist ein klassischer Mittelstürmer, der im gegnerischen Strafraum auf Zuspiele lauert. Sein Kopfballspiel und sein Torriecher machen ihn zu einer ständigen Gefahr.

Der torgefährliche Griezmann und der kreative Payet sind zudem in der Lage, mit einer einzigen Aktion die gegnerische Abwehr durcheinanderzubringen. "Frankreich hat eine Mannschaft mit viel Dynamik, viel Kraft und Wucht in der Offensive", sagt Bundestrainer Joachim Löw auf DFB.de.

Das Sturm-Trio wird von den Franzosen heiß geliebt – doch das war nicht immer so.

  • Oliver Giroud: Der Umstrittene

Olivier Giroud war vor wenigen Wochen noch der wohl meistgehasste Fußballer Frankreichs. Nachdem Superstar Karim Benzema aufgrund einer Erpressungsaffäre aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen worden war, richtete sich der Zorn auf dessen Vertreter Giroud. "Ob ich Benzemas Abwesenheit bezahle? Ich denke schon, da muss man sich nichts vormachen", sagte er der Sportzeitung "L'Équipe".

Beim Testspiel Ende Mai gegen Kamerun wurde der 29-Jährige gnadenlos ausgepfiffen. Schlimmer noch: Eine Facebook-Gruppe mit dem Namen "Beten, dass sich Giroud bis zur Euro verletzt" kam innerhalb kürzester Zeit auf über 150.000 Likes. Der stets top-gestylte Torjäger war eben kein Sympathieträger.

Zwar gelangen Giroud im Dienste des FC Arsenal vergangene Saison 24 Tore in 53 Pflichtspielen, häufig aufgelegt von Mannschaftskamerad Mesut Özil. Doch in der Rückrunde zeigte seine Formkurve nach unten. 15 Ligaspiele in Folge blieb er ohne Tor.

Viele Franzosen konnten nicht nachvollziehen, dass so jemand zur Europameisterschaft darf, während die in der französischen Liga auftrumpfenden Ben Arfa (OGC Nizza) und Alexandre Lacazette (Olympique Lyon) keine Chance erhalten.

  • Dimitri Payet: Der "Bad Boy"

Auch an Dimitri Payet schieden sich kürzlich noch die Geister. Der 29-Jährige galt als der Bad Boy des französischen Fußballs. Bei AS St. Etienne wurde er handgreiflich gegenüber seinen Mitspielern. Er schwänzte sogar das Training, als er seinen Verein verlassen wollte.

Auch das Verhältnis zu Nationaltrainer Didier Deschamps galt als unterkühlt. Doch nachdem Payet beim englischen Erstligisten West Ham United mit seinem Tempo und seinen frechen Dribblings für Furore gesorgt hatte, wäre eine Nicht-Nominierung kaum vertretbar gewesen.

Gleich beim EM-Auftakt gegen Rumänien war Payet mit einem Tor und einer Vorlage der große Gewinner. "Früher hatte er nur gute Episoden. Auf gute Spiele folgten immer schlechte", wird Frankreichs Co-Trainer Guy Stephan vom "kicker" zitiert. "Inzwischen hat sich Dimitri stabilisiert. Und zwar auf einem Niveau, das uns große Hoffnung macht."

  • Antoine Griezmann: Der Wichtigste

Auch Griezmann geriet als junger Spieler in die Kritik. Aufgrund eines Pariser Nachtklub-Bummels nach einem Junioren-Qualifikationsspiel wurde er für ein Jahr gesperrt. Alles längst vergessen: Laut Umfragen ist der 25-Jährige nun der beliebteste Spieler der Franzosen.

Der nur 1,76 Meter große Offensivspieler ist schnell, bewegt sich zwischen den Linien ständig hin und her, ist zudem sehr präzise im Abschluss. Den deutschen Fußballfans tat er schon einmal weh, als er für Atletico Madrid im Champions-League-Halbfinalrückspiel gegen Bayern München traf. Löw weiß also, welche Gefahr von dem Torjäger ausgeht: "Griezmann ist ein Klassespieler - vielleicht einer der wichtigsten der Franzosen."

  • Frankreichs taktische Variabilität

Taktisch sind die Franzosen variabel. Normalerweise agieren sie in einem 4-3-3. In Hälfte zwei des Achtelfinales gegen Irland erfolgte die Umstellung auf ein 4-2-3-1. Gegen Island behielten sie das Spielsystem bei. Griezmann fungiert dabei als hängende Spitze. "Es ist schwierig, gegen sie zu spielen, weil sie offensiv so viele Varianten haben", sagt Islands Trainer Lars Lagerbäck bei Sport1.

Löw wird sich bereits Gedanken gemacht haben, wie der Offensiv-Power von Frankreich zu begegnen ist. Vielleicht wieder mit einer Dreierkette wie gegen Italien?

Der Bundestrainer sagt: "Gegen Italien war sie notwendig, auch wenn sie zu Lasten unserer Offensive war. Gegen Italien war einfach Intelligenz und Geduld gefragt, da sie ausrechenbar sind. Frankreich nicht, sie sind schwerer auszurechnen." Kein Zweifel: Löw und dem DFB-Team steht am Donnerstag eine harte Aufgabe bevor.